Wall Street vor schwachem Start – KI-Ängste und Iran-Gespräche belasten
US-Futures deuten auf Verluste hin, während Alibabas neues KI-Modell Tech-Aktien unter Druck setzt.

Die US-Börsen steuern am Dienstag auf eine schwächere Eröffnung zu. Nach dem verlängerten Wochenende belasten Sorgen über die disruptive Wirkung künstlicher Intelligenz das Anlegervertrauen. Gleichzeitig richten sich die Blicke auf die Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Genf.
Die Futures signalisieren einen negativen Handelsstart: Die Dow-Futures verloren 95 Punkte oder 0,19 Prozent, während die S&P-500-Futures um 0,42 Prozent nachgaben. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei den Nasdaq-100-Futures mit minus 0,86 Prozent aus. Tech-Werte stehen unter besonderem Verkaufsdruck – Nvidia büßte 1,1 Prozent ein, Microsoft gab 0,7 Prozent nach.
In der vergangenen Woche hatten KI-bedingte Verwerfungen bereits einen Ausverkauf bei Softwareunternehmen, Brokern und Logistikfirmen ausgelöst. Die drei wichtigsten Wall-Street-Indizes verzeichneten ihren stärksten wöchentlichen Rückgang seit Mitte November. "Wir sehen eine Neugewichtung. Es ist natürlich, dass die Märkte nach einem so starken Vorjahr eine Verschnaufpause einlegen", erklärt Stash Graham, CIO bei Graham Capital Wealth Management.
Alibaba verstärkt KI-Wettbewerb
Neue Unsicherheit bringt Alibaba in den Markt. Der chinesische Tech-Konzern stellte am Montag sein KI-Modell Qwen 3.5 vor, das komplexe Aufgaben eigenständig ausführen kann. "Das KI-Produkt von Alibaba ist eine der Variablen, die heute die Märkte belasten", so Graham. Die Konkurrenz aus China verstärkt die Sorgen der Investoren über potenzielle Risiken für US-Tech-Unternehmen.
Parallel dazu laufen in Genf indirekte Gespräche zwischen den USA und dem Iran über den langjährigen Atomstreit. Irans oberster Führer erklärte, dass Versuche der USA, seine Regierung zu stürzen, scheitern würden. Die geopolitischen Spannungen tragen zur vorsichtigen Marktstimmung bei.
PCE-Daten im Fokus der Anleger
Im weiteren Wochenverlauf richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Bericht über die persönlichen Konsumausgaben (PCE) – das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank. Nach den niedriger als erwarteten Verbraucherpreisdaten der Vorwoche haben die Wetten auf Zinssenkungen leicht zugenommen. Händler preisen laut CME FedWatch Tool eine Zinssenkung um 25 Basispunkte im Juni mit einer Wahrscheinlichkeit von 52 Prozent ein, verglichen mit 49 Prozent vor einer Woche.
Die Berichtssaison nähert sich ihrem Ende mit positiven Signalen: Von den über 73 Prozent der S&P-500-Unternehmen, die bereits Zahlen vorgelegt haben, übertrafen 74,5 Prozent die Analystenerwartungen. Dies liegt deutlich über dem typischen Quartalsschnitt von 67 Prozent, wie LSEG-Daten zeigen.
Übernahmen sorgen für Bewegung
Bei Einzelwerten sorgten mehrere Übernahmen für Kurssprünge. Masimo schoss um 35 Prozent nach oben, nachdem Danaher die Übernahme des Pulsoximeter-Herstellers für 9,9 Milliarden Dollar inklusive Schulden ankündigte. Danaher selbst verlor 6 Prozent. Die in den USA notierten Aktien von Zim Integrated Shipping kletterten um 35 Prozent, nachdem Hapag-Lloyd eine Übernahme für 4,2 Milliarden Dollar vereinbart hatte.
Norwegian Cruise Line legte um 6 Prozent zu. Das Wall Street Journal berichtete, dass der aktivistische Investor Elliott eine Beteiligung von über 10 Prozent aufgebaut hat. Auch Fiserv gewann 3,6 Prozent, nachdem bekannt wurde, dass Jana Partners bei dem Zahlungsdienstleister eingestiegen ist.
Warner Bros lehnte ein revidiertes Übernahmeangebot von Paramount ab und gab dem Studio eine Woche Zeit für Nachverhandlungen. Die Aktien beider Unternehmen stiegen um 2,3 beziehungsweise 3,8 Prozent. Am Freitag könnte der Oberste Gerichtshof der USA ein Urteil zu Präsident Donald Trumps Handelszöllen verkünden.
