VW-Belegschaft protestiert gegen drohende Werksschließungen
Betriebsratschefin Cavallo kritisiert Vorstand scharf und fordert langfristige Zukunftsstrategie

Die Stimmung bei Volkswagen ist derzeit stark angespannt. Mehr als 20.000 Beschäftigte des Konzerns kamen zur Betriebsversammlung in Wolfsburg zusammen, um den Redebeiträgen der Führungsebene zu lauschen. Die Versammlung fand vor dem Hintergrund potenzieller Werksschließungen und der geplanten Aufkündigung einer seit 30 Jahren bestehenden Jobgarantie statt. Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo äußerte in ihrer Rede deutliche Kritik am Vorstand und sprach von einer "Bankrotterklärung", sollte es tatsächlich zu den angedachten Maßnahmen kommen. Die Beschäftigten skandierten während der Veranstaltung „Wir sind Volkswagen, ihr seid es nicht!“, und es kam zu zahlreichen Zwischenrufen und Pfiffen gegen den Vorstand.
Cavallo machte deutlich, dass sie als Betriebsratschefin keine Werkschließungen hinnehmen werde. Besonders kritisierte sie die Investitionspolitik des Konzerns, die ihrer Meinung nach zu Lasten der Standorte in Deutschland gehe. Sie bezog sich dabei insbesondere auf die Kooperation mit dem US-amerikanischen Start-up Rivian, in das Volkswagen fünf Milliarden Euro investiert habe. Diese Entscheidung sei für die Belegschaft schwer nachvollziehbar, da gleichzeitig in Deutschland Werke geschlossen und Arbeitsplätze gefährdet würden.
Konzernchef Oliver Blume hatte Anfang der Woche harte Einschnitte im Rahmen eines Sparpakets angekündigt, die nun bei der Belegschaft für Unmut sorgen. Er führte die schwierige wirtschaftliche Lage an und betonte, dass der Wettbewerbsdruck, insbesondere durch chinesische Anbieter, zugenommen habe. Finanzvorstand Arno Antlitz untermauerte diese Argumente und erklärte, dass Volkswagen aufgrund eines Rückgangs des Absatzvolumens in Europa gezwungen sei, zwei Werke zu schließen. Er betonte, dass dies keine Frage der Produktqualität sei, sondern schlichtweg des fehlenden Marktes.
Trotz der Erklärungen der Konzernführung bleibt die Stimmung in der Belegschaft angespannt. Betriebsratschefin Cavallo forderte eine langfristige Strategie und Verlässlichkeit bei den angekündigten Projekten. Sie skizzierte einen eigenen Masterplan, der die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichern soll. Die Gewerkschaft und der Betriebsrat haben bereits massiven Widerstand gegen die Pläne des Managements angekündigt. Parallel zu der Versammlung in Wolfsburg fanden auch in anderen Werken, darunter Baunatal, Betriebsversammlungen statt, auf denen sich der Unmut der Belegschaft weiter entlud. Die kommenden Tage dürften weitere Herausforderungen für das Management von Volkswagen bereithalten.
