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Vietnam erhält Schwellenländer-Status: Bis zu 8 Milliarden Dollar Zuflüsse erwartet

FTSE Russell stuft Vietnam im September hoch – bis zu 8 Milliarden Dollar an passiven und aktiven Kapitalzuflüssen werden erwartet.

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Vietnam erhält Schwellenländer-Status: Bis zu 8 Milliarden Dollar Zuflüsse erwartet

Vietnam steht vor einem historischen Schritt im globalen Finanzsystem: Der Indexanbieter FTSE Russell hat am Dienstag bekannt gegeben, dass das südostasiatische Land im September vom Status eines Grenzmärktes (Frontier Market) auf den Status eines Schwellenlandes (Emerging Market) hochgestuft wird. Damit endet eine jahrelange Wartezeit – Vietnam steht seit 2018 auf der Beobachtungsliste für diese Kategorie, der auch Schwergewichte wie China und Indien angehören.

Die staatliche Wertpapierkommission Vietnams begrüßte die Entscheidung ausdrücklich. „Dies trägt dazu bei, großvolumige internationale Investitionsströme anzuziehen, die Liquidität zu erhöhen und Vietnams Position im globalen Finanzsystem zu stärken", erklärte die Behörde am Mittwoch in einer offiziellen Mitteilung.

Milliardenzuflüsse in mehreren Tranchen

FTSE Russell schätzt, dass die Hochstufung bis zu 6 Milliarden Dollar nach Vietnam umleiten könnte. Die Aufnahme in den Schwellenländerindex erfolgt schrittweise: 10 Prozent der passiven Zuflüsse sollen bereits im September fließen, weitere 20 Prozent im März des Folgejahres sowie jeweils 35 Prozent im Juni und September des nächsten Jahres. Insgesamt erwartet FTSE Russell passive Zuflüsse in Höhe von rund 1,5 Milliarden Dollar.

Die Analysten von Maybank Securities sehen das Gesamtpotenzial noch höher. In einer Research-Note schreiben sie, dass „passive Zuflüsse zusammen mit deutlich größeren aktiven Allokationen" eine Gesamtsumme von bis zu 8 Milliarden Dollar erreichen könnten. „Es wird erwartet, dass sich das ausländische Kapital im Vorfeld und während der Indexaufnahme schrittweise aufbaut", so die Analysten weiter. Die schrittweise Umsetzung solle eine geordnete Absorption ermöglichen und gleichzeitig eine stetige Verbesserung der Marktliquidität und -tiefe unterstützen.

Mit einer Aufnahme von 6 Milliarden Dollar an ausländischem Kapital würde Vietnam eine Gewichtung von bis zu 0,35 Prozent im FTSE-Schwellenländerindex erhalten. Zu den potenziellen Kandidaten für eine Indexaufnahme zählen namhafte vietnamesische Unternehmen wie das Konglomerat Vingroup (VIC), die Masan Group (MSN), FPT Corp (FPT) sowie der Stahlhersteller Hoa Phat (HPG).

Reformen als Schlüssel zur Hochstufung

Obwohl Vietnam bereits seit acht Jahren auf der Beobachtungsliste steht, trieb das Land die notwendigen Reformen erst ab 2022 ernsthaft voran. Auslöser waren Turbulenzen im Anleihe- und Immobiliensektor, die die Grenzen des kreditgetriebenen Wachstums aufzeigten, erläuterte Hoang Huy, Aktienstratege bei Maybank Securities Vietnam. Zu den seitherigen Maßnahmen gehören die Abschaffung der Vorabfinanzierung von Aktienkäufen (Pre-funding), die Umstellung auf ein zentrales Clearing bis 2027 sowie die Gewährung des direkten Marktzugangs für ausländische Investoren über globale Brokerhäuser.

Trotz der positiven Entwicklung zeigt sich ein gemischtes Bild bei den aktuellen Kapitalströmen: Ausländische Investoren haben in diesem Jahr vietnamesische Aktien per Saldo verkauft. Laut offiziellen Daten beliefen sich die Nettoabflüsse an der Börse von Ho-Chi-Minh-Stadt bis dato auf insgesamt rund 1,2 Milliarden Dollar – nach bereits 5 Milliarden Dollar an Nettoabflüssen im Jahr 2025.

Nächstes Ziel: MSCI-Hochstufung bis 2028 möglich

Als nächsten strategischen Schritt strebt die vietnamesische Regierung eine Hochstufung in den Schwellenländerstatus auch beim Indexanbieter MSCI an, wobei das Jahr 2030 als Zielmarke gilt. „Eine Hochstufung durch MSCI würde Vietnam helfen, Zugang zu wesentlich größeren Kapitalzuflüssen zu erhalten, auch wenn die Obergrenzen für ausländische Beteiligungen derzeit noch das Hauptinstrument darstellen", sagte Nguyen The Minh, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Yuanta Securities Vietnam.

Der Experte zeigt sich dabei optimistisch, was den Zeitplan betrifft: „Aber mit der FTSE-Hochstufung und den aktuellen Reformen des Finanzministeriums könnte die MSCI-Hochstufung sogar früher als 2030 erfolgen. Es könnte bereits 2028 so weit sein." Für internationale Investoren und deutsche Anleger, die in Schwellenländer-ETFs investiert sind, könnte Vietnam damit schon bald eine zunehmend relevante Rolle spielen.

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