Vergleich im Postbank-Streit rückt näher
Kläger fordern mehr Geld, Deutsche Bank bietet 36,50 Euro je Aktie an

Die Deutsche Bank steht kurz vor einer möglichen Einigung im langwierigen Rechtsstreit um die Übernahme der Postbank. Der Fall, der bereits seit mehreren Jahren die Gerichte beschäftigt, hat nun einen neuen Wendepunkt erreicht. Ein Anwalt der Klägerseite, Jan Bayer von der Kanzlei Bayer Krauss Huber, gab bekannt, dass die Deutsche Bank einen Vorschlag für einen Vergleich unterbreitet hat. Demnach sollen den Klägern 36,50 Euro je Postbank-Aktie angeboten werden. Bayer wies dieses Angebot jedoch als unzureichend zurück, während die Deutsche Bank sich dazu nicht öffentlich äußern wollte.
Der Hintergrund des Streits geht auf das Jahr 2010 zurück, als die Deutsche Bank die Postbank übernahm. Damals hatten die Aktionäre der Postbank das Übernahmeangebot von 25 Euro je Aktie akzeptiert. Einige Aktionäre fordern jedoch nachträglich eine höhere Auszahlung, da sie der Meinung sind, die Deutsche Bank hätte bereits zu einem früheren Zeitpunkt ein Pflichtangebot über 57,25 Euro je Aktie unterbreiten müssen. Der Vorwurf lautet, die Deutsche Bank habe bewusst weniger als 30 Prozent der Postbank-Anteile erworben, um ein solches Pflichtangebot zu vermeiden, obwohl sie de facto bereits die Kontrolle über die Postbank erlangt hatte.
Der Rechtsstreit wurde 2022 vom Bundesgerichtshof an das Oberlandesgericht Köln zurückverwiesen, wo er nun in die dritte Runde geht. Das Oberlandesgericht Köln soll voraussichtlich am kommenden Mittwoch eine Entscheidung in diesem Fall fällen, die für die Deutsche Bank weitreichende finanzielle Folgen haben könnte. Das Gericht deutete in einer mündlichen Verhandlung an, dass den Postbank-Aktionären möglicherweise ein höherer Preis zugestanden haben könnte, was zu einer erheblichen Nachzahlung führen würde.
Im Raum steht eine Summe von rund 1,3 Milliarden Euro, einschließlich der seit 2010 aufgelaufenen Zinsen. Die Deutsche Bank hat in Erwartung eines möglichen ungünstigen Urteils bereits eine Rückstellung in dieser Höhe gebildet, was dem Finanzinstitut im zweiten Quartal einen Verlust einbrachte. Das Gericht hatte beide Seiten dazu aufgerufen, sich zu einigen, um eine endgültige gerichtliche Entscheidung zu vermeiden. Der Ausgang dieses Verfahrens bleibt abzuwarten und könnte erheblichen Einfluss auf die zukünftige finanzielle Lage der Deutschen Bank haben.
