Venezuela fordert Stopp des Citgo-Verkaufs wegen gestiegenem Unternehmenswert
Venezuelas Anwälte argumentieren, Citgo sei nun mindestens 15,1 Milliarden Dollar wert – mehr als doppelt so viel wie der genehmigte Verkaufspreis.

Venezuela hat vor einem US-Gericht erneut versucht, den Verkauf seiner US-Raffinerie Citgo Petroleum zu stoppen. Anwälte des südamerikanischen Landes erklärten diese Woche, der Wert von Citgo sei seit der gerichtlich angeordneten Veräußerung der Muttergesellschaft Ende letzten Jahres erheblich gestiegen – und der vereinbarte Kaufpreis von 5,9 Milliarden Dollar spiegele die aktuelle Marktlage nicht mehr wider.
Im November hatte ein Richter im US-Bundesstaat Delaware ein Gebot von Amber Energy in Höhe von 5,9 Milliarden Dollar für die Citgo-Muttergesellschaft PDV Holding genehmigt. Amber Energy ist eine Tochtergesellschaft des Hedgefonds Elliott Investment Management. Der Verkauf war das Ergebnis einer gerichtlich organisierten Aktienauktion zur Befriedigung von Gläubigern Venezuelas. Die finale Genehmigung des US-Finanzministeriums steht jedoch noch aus.
Bewertung auf 15,1 Milliarden Dollar gestiegen
Anwältin Alexandra Cumings legte in einem am 12. Mai bei Richter Leonard Stark in Delaware eingereichten Schreiben dar, dass Citgo unter Zugrundelegung der konservativsten vor Gericht diskutierten Bewertungsmethode nun mit 15,1 Milliarden Dollar bewertet werden müsse. „In den Monaten seit der Anhörung zum Verkauf ist der Wert börsennotierter Raffineriebetreiber deutlich gestiegen", schrieb Cumings. Sie betonte, ein Verkauf zum bisherigen Preis von 5,9 Milliarden Dollar sei „schlichtweg unfair – gegenüber CITGO, dem venezolanischen Volk und den leer ausgehenden Gläubigern".
Als wesentlichen Treiber der Wertsteigerung nennt das Schreiben einen Preisanstieg von Öl-Vermögenswerten um rund 50 Prozent. Dieser sei auf einen Krieg zurückzuführen, der durch gemeinsame Angriffe der USA und Israels auf den Iran ausgelöst wurde und sich nun im dritten Monat befindet. Der Konflikt habe das weltweite Energieangebot eingeschränkt und damit die Bewertungen im Raffinerie- und Energiesektor deutlich nach oben getrieben.
Interessenkonflikte und Vertraulichkeitsverstöße im Fokus
Parallel dazu prüft ein US-Berufungsgericht einen Antrag Venezuelas sowie einiger konkurrierender Bieter, den Verkauf auszusetzen. Die Begründung stützt sich auf zwei Argumente: die veränderte Unternehmensbewertung sowie einen mutmaßlichen Interessenkonflikt bei Beraterfirmen, die das Gericht in Delaware unterstützt haben.
Cumings warf in ihrem Schreiben zudem vor, dass einige der Firmen, die den gerichtlich bestellten Sonderbeauftragten Robert Pincus bei der Überwachung der Auktion berieten, gleichzeitig auch für Elliott Investment Management tätig waren. Darüber hinaus kritisierte sie einen Gastbeitrag von Gregory Goff, dem Vorstandsvorsitzenden von Amber Energy, der im vergangenen Monat im Wall Street Journal erschienen war. Goff hatte darin einen Investitionsplan von 11 Milliarden Dollar für Citgo angekündigt und die US-Regierung aufgefordert, den Verkaufsabschluss schnellstmöglich zu genehmigen. Laut Cumings verstößt dieser Beitrag gegen eine Vertraulichkeitsvereinbarung, unter der Citgo während des Auktionsprozesses strategische Informationen mit Bietern geteilt hatte. Elliott hat die Vorwürfe zurückgewiesen.
Citgo als Schlüssel zur venezolanischen Schuldenrestrukturierung
Venezuelas Anwälte verfolgen mit ihrem Widerstand gegen den Verkauf eine übergeordnete Strategie. Sie argumentieren, Citgo solle eine zentrale Rolle bei der Restrukturierung der venezolanischen Staatsschulden spielen, die sich auf rund 150 Milliarden Dollar belaufen. Interimspräsidentin Delcy Rodriguez hatte diesen Schuldenschnitt-Plan kürzlich angekündigt. Statt Citgo zur Befriedigung einer kleinen Gruppe von Gläubigern zu versteigern, solle das Unternehmen als strategischer Vermögenswert für eine umfassendere Lösung erhalten bleiben.
Richter Stark und Sonderbeauftragter Pincus haben sich bislang nicht öffentlich zu den jüngsten Eingaben und Vorwürfen geäußert. Der Fall bleibt damit in einer rechtlichen Schwebe – mit erheblichen finanziellen Konsequenzen für alle Beteiligten.
