USA-Iran-Waffenruhe: Börsen steigen, Ölpreise kollabieren
Die angekündigte Feuerpause zwischen den USA und Iran beflügelt die Weltbörsen – und lässt die Ölpreise dramatisch einbrechen.

Die Ankündigung einer Waffenruhe zwischen den USA und Iran hat die globalen Finanzmärkte in Bewegung versetzt. Weltweit zogen die Aktienkurse kräftig an, und auch für den deutschen Markt wurden massive Aufschläge erwartet. Der Broker IG taxierte den DAX auf bis zu 24.112 Punkte – ein Niveau, das dem Index die Rückeroberung seiner exponentiellen 200-Tage-Linie ermöglichen würde. Dieses Trendbarometer gilt unter Analysten als viel beachteter Indikator für die mittelfristige Marktrichtung.
Besonders bedeutsam für die globalen Märkte ist die Ankündigung des Iran, die Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr zu öffnen. Die strategisch wichtige Meerenge zählt zu den bedeutendsten Transportwegen der Welt – nicht nur für Energielieferungen. Die Öffnung der Meerenge war die zentrale Bedingung der USA für eine Feuerpause.
Ölpreise brechen massiv ein
Der Waffenstillstand löste an den Rohstoffmärkten einen regelrechten Kursrutsch aus. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich am Morgen auf 94,54 Dollar je Barrel – ein Rückgang von knapp neun Prozent gegenüber dem Vortag. Noch deutlicher traf es das texanische Leichtöl WTI, das um satte 15 Prozent einbrach. Allerdings wurden dem Markt während der rund 40-tägigen Blockade der Meerenge schätzungsweise 400 Millionen Barrel Öl entzogen. Bis der Markt wieder reibungslos funktioniert, könnten daher noch Monate vergehen – vorausgesetzt, die Waffen schweigen dauerhaft.
Asiens Anleger reagierten euphorisch auf die Neuigkeiten. Die Region ist in besonderem Maße auf Ölimporte aus dem Nahen Osten angewiesen, weshalb die Entspannung dort besonders stark ankam. In Tokio schoss der Nikkei-Index um fünf Prozent nach oben. Der südkoreanische Leitindex Kospi legte sogar um sechs Prozent zu – ein Anstieg, der zeitweise zu einer automatischen Handelsunterbrechung führte.
Wie die Waffenruhe zustande kam
Die Möglichkeit einer Feuerpause war erst kurz vor Handelsschluss in New York bekannt geworden. Wenige Minuten vor der Schlussglocke hatte Pakistans Ministerpräsident Shehbaz Sharif US-Präsident Donald Trump aufgerufen, dem Iran eine Fristverlängerung von zwei Wochen zur Öffnung der Straße von Hormus zu gewähren. Gleichzeitig bat er den Iran, die Meerenge als Geste des guten Willens für diesen Zeitraum freizugeben.
Bereits zuvor hatten die Anleger zumindest auf eine diplomatische Lösung des Konflikts gehofft. Der technologielastige Nasdaq-Index schloss 0,1 Prozent fester bei 22.017 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 kletterte ebenfalls um 0,1 Prozent auf 6.616 Punkte. Der Dow Jones hingegen gab leicht um 0,2 Prozent auf 46.584 Punkte nach.
Einzelwerte: Gesundheitssektor und Tech im Fokus
Auf Unternehmensebene rückten am Dienstag Aktien aus dem Gesundheitssektor in den Vordergrund. UnitedHealth, Humana und CVS Health verzeichneten Kursgewinne, nachdem die US-Regierung angekündigt hatte, die Zahlungen an private Krankenversicherer für ältere Menschen im Rahmen von Medicare Advantage stärker anzuheben als ursprünglich geplant.
Apple-Aktien gerieten dagegen unter Druck. Laut einem Bericht der Zeitung Nikkei Asia kämpft der Konzern bei der Entwicklung seines lang erwarteten faltbaren Smartphones mit technischen Rückschlägen. Chipentwickler Broadcom profitierte hingegen von der Unterzeichnung eines langfristigen Vertrags mit der Google-Mutter Alphabet zur Entwicklung von KI-Chips und verzeichnete Kursgewinne. Auch Intel legte zu.
