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USA bekämpfen „Great Transshipment Scam": Zollbetrug durch Drittländer

Das Weiße Haus beschuldigt über 40 Länder, chinesische Waren umzuleiten, um US-Zölle zu umgehen – mit massiven wirtschaftlichen Folgen.

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USA bekämpfen „Great Transshipment Scam": Zollbetrug durch Drittländer

Das Weiße Haus hat einen umfassenden Bericht veröffentlicht, der eine aggressive neue Strategie gegen den sogenannten „Great Transshipment Scam" beschreibt. Die US-Regierung wirft mehr als 40 Ländern vor, als Durchgangsstation für chinesische Waren zu fungieren und damit amerikanische Zölle zu umgehen. Zu den beschuldigten Handelspartnern zählen unter anderem Kanada, Mexiko, Japan, Südkorea, Indien sowie Mitglieder der Europäischen Union.

Der Vorwurf ist konkret: Chinesische Hersteller sollen ihre Waren über Drittstaaten umleiten, dort neu verpacken, umetikettieren oder minimal weiterverarbeiten, um den tatsächlichen Ursprung zu verschleiern. Auf diese Weise würden höhere US-Importzölle umgangen, die eigentlich für chinesische Produkte gelten. Die Praxis ist laut Bericht seit der ersten Einführung amerikanischer Strafzölle im Jahr 2018 deutlich ausgefeilter geworden.

Das Ausmaß des mutmaßlichen Zollbetrugs

Peter Navarro, Leiter des White House Office of Trade and Manufacturing Policy, hat den Bericht federführend erstellt und bezeichnet die Praxis als „Betrug, getarnt in Papierkram". Laut der Schätzungen der Regierung werden jährlich Waren im Wert von 34 bis 303 Milliarden US-Dollar durch dieses sogenannte „Shadow Transshipment Network" bewegt. Der zentrale Schätzwert der Regierung geht von rund 75 Milliarden US-Dollar an jährlich umgeleiteten Waren aus.

Die finanziellen Folgen für den US-Staatshaushalt sind erheblich: Der Bericht beziffert den jährlichen Verlust an Zolleinnahmen auf 19 bis 26 Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus schätzt die Regierung, dass durch diese Praxis rund 450.000 amerikanische Arbeitsplätze verdrängt wurden. Navarro warnte zudem, dass nicht nur China diese Methoden anwende – auch Länder wie Indien und Vietnam würden zunehmend ähnliche Modelle nutzen, um US-Handelsbarrieren zu umgehen.

KI und neue Regulierung als Gegenmaßnahmen

Um dem Zollbetrug entgegenzuwirken, setzt die US-Zollbehörde CBP (Customs and Border Protection) auf künstliche Intelligenz. Ein System namens „Detective Border" analysiert Containermarkierungen, Verpackungsmuster und Röntgenaufnahmen, um Unstimmigkeiten zwischen deklarierten und tatsächlichen Waren zu erkennen. Die Regierung erhofft sich davon eine deutlich verbesserte Identifikation von Produktursprüngen.

Parallel dazu arbeitet das Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) an einer Verschärfung der sogenannten „Rules of Origin" – also der Ursprungsregeln, die festlegen, welche Waren als Produkt eines bestimmten Landes gelten. USTR-Chef Jamieson Greer bezeichnete Transshipment als eine Form des „Trittbrettfahrens", das die Integrität von Handelsabkommen untergrabe. Das Prinzip sei klar: Die Vorteile von Handelsverträgen sollten ausschließlich den Unterzeichnerstaaten zugutekommen.

Chinas Reaktion und geopolitischer Kontext

Die chinesische Botschaft in Washington hat die Vorwürfe scharf zurückgewiesen. Ein Sprecher erklärte, dass „Handelskriege keine Gewinner kennen", und kritisierte die USA dafür, staatliche Macht einzusetzen, um chinesische Unternehmen zu treffen und globale Lieferketten zu stören. China kündigte an, notwendige Maßnahmen zu ergreifen, sollten die US-Aktionen die eigene Wirtschaft weiter schädigen.

Der Bericht erscheint zu einem heiklen Zeitpunkt in den US-chinesischen Beziehungen. Trotz eines einjährigen Handelswaffenstillstands, der im vergangenen Oktober in Busan, Südkorea, vereinbart wurde, sind die Spannungen weiterhin hoch. Zuletzt haben beide Seiten eine Reihe von Vergeltungsmaßnahmen ergriffen, darunter Exportbeschränkungen für humanoide Roboter in die USA sowie chinesische Einschränkungen bei Drohnenexporten. Zudem haben US-Finanzminister Scott Bessent und USTR-Chef Greer Bedenken geäußert, ob China seine Zusagen zur Lieferung seltener Erden an die USA einhält.

Handelspolitische Einordnung und Ausblick

Der Bericht liefert einen Einblick in die anhaltende Protektionismuspolitik der US-Regierung. Während der Supreme Court einige der ursprünglichen weitreichenden Zölle von Präsident Trump für unzulässig erklärt hatte, setzt die Regierung ihre Handelspolitik über alternative rechtliche Instrumente fort. Bemerkenswert ist dabei eine deutliche Verschiebung in den Handelsströmen: Die direkten Importe aus China sind auf ein 16-Jahres-Tief von 308,7 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 gefallen, während die Importe aus Ländern wie Mexiko und Vietnam stark gestiegen sind – ein Muster, das die Regierung als direktes Ergebnis der Transshipment-Aktivitäten wertet.

Mit Blick auf das geplante Treffen zwischen Präsident Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping im September in Washington dürfte der „Great Transshipment Scam"-Bericht ein zentrales Streitthema darstellen. Die Kombination aus KI-gestützter Zollkontrolle und verschärften Ursprungsregeln signalisiert, dass die USA ihre „America First"-Handelspolitik konsequent weiterverfolgen – auch auf die Gefahr weiterer Handelskonflikte mit Peking hin.

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