ANZEIGE

US-Staatsanleihen unter Druck: Renditekurve steilt sich bei neuen Höchstständen auf

Der Ausverkauf bei US-Staatsanleihen gewinnt an Dynamik: Die 10-jährige Rendite erreicht ein neues Zwei-Dekaden-Hoch von 5,310 Prozent.

• 2 Min
US-Staatsanleihen unter Druck: Renditekurve steilt sich bei neuen Höchstständen auf

Der seit Monaten anhaltende Ausverkauf bei US-Staatsanleihen hat eine neue Dynamik erreicht. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe kletterte auf 5,310 Prozent und markierte damit ein neues Zwei-Dekaden-Hoch. Im Handelsverlauf erreichte sie zeitweise sogar 5,349 Prozent und übertraf damit das bisherige 24-Jahres-Intraday-Hoch von 5,344 Prozent vom vorangegangenen Donnerstag. Für deutsche Anleger ist das ein wichtiges Signal, denn die US-Renditen gelten als globaler Referenzzins für Anleihemärkte und beeinflussen auch die Zinslandschaft in Europa.

Bemerkenswert ist vor allem die veränderte Struktur des Ausverkaufs. Noch vor wenigen Wochen stiegen die Renditen kurzfristiger Papiere deutlich schneller als die der langfristigen. Diese Entwicklung spiegelte die Erwartungen an aggressive Zinserhöhungen der Federal Reserve wider. Seit dem 23. September ist nun jedoch eine gegenläufige „Steepening“-Tendenz der Renditekurve zu beobachten. Konkret stieg die Rendite der 10-jährigen Anleihe um mehr als 0,2 Prozentpunkte, während die Rendite der 2-jährigen Anleihe um etwa 0,04 Prozentpunkte nachgab. Die Kurve, die den Zinsunterschied zwischen kurz- und langlaufenden Papieren abbildet, wird also wieder steiler.

Geldpolitische Signale stützen kurzfristige Renditen

Dieser Umschwung wird unter anderem auf geldpolitische Signale zurückgeführt. Ein Wendepunkt war der 29. September, als der Präsident der New York Fed, John Williams, andeutete, dass eine Zinserhöhung im Oktober wahrscheinlich nicht notwendig sei. In der Folge reduzierten Händler ihre Wetten auf einen baldigen Zinsschritt, was die kurzfristigen Renditen stabilisierte. Gleichzeitig sorgen jedoch anhaltend hohe Energiepreise und Anzeichen einer robusten wirtschaftlichen Entwicklung weiterhin für Aufwärtsdruck bei den langfristigen Renditen. Die beiden Triebkräfte wirken damit in unterschiedliche Richtungen und erklären das Auseinanderdriften der Kurve.

Für Marktbeobachter ist diese Konstellation ungewöhnlich. In der klassischen Lesart signalisiert eine steilere Renditekurve, dass Anleger langfristig mit höheren Zinsen, Inflation oder Risiken rechnen. Dass die kurzfristigen Renditen dagegen nachgeben, deutet auf eine weniger restriktive Geldpolitik in der nahen Zukunft hin. Beide Bewegungen zusammen ergeben ein Bild, das sich von der bisherigen Phase des Ausverkaufs deutlich unterscheidet.

Kein offensichtlicher Katalysator für den jüngsten Anstieg

Besorgniserregend ist für viele Marktteilnehmer die Tatsache, dass der jüngste Anstieg der Renditen ohne einen offensichtlichen, unmittelbaren Katalysator erfolgte. Dies schürt die Sorge, dass der Ausverkauf eine Eigendynamik entwickelt haben könnte. In einem solchen Szenario trennen sich Investoren primär aufgrund des allgemeinen Markttrends von ihren Beständen, statt auf konkrete neue Fundamentaldaten zu reagieren. Eine solche Dynamik kann sich selbst verstärken, weil fallende Kurse weitere Verkäufe auslösen und die Renditen weiter nach oben treiben.

Die jüngsten Höchststände bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen sind damit mehr als eine reine Zinsbewegung. Sie spiegeln eine Mischung aus geldpolitischen Erwartungen, Inflations- und Energiepreissorgen sowie einem möglichen Verlust an Vertrauen in die Preisfindung am Anleihemarkt. Für deutsche Privatanleger lohnt sich daher ein genauer Blick auf die weitere Entwicklung der Renditekurve, denn sie liefert Hinweise darauf, wohin die Reise bei Zinsen und Konjunktur gehen könnte.

Us-StaatsanleihenRenditekurve10-Jährige Us-AnleiheFederal ReserveZinserhöhungAnleihen AusverkaufJohn WilliamsZwei-Dekaden-Hoch

Meistgelesene News

  1. Ukraine-Roboterangriff im Donbas deckt Schwachstelle in Putins Kriegsmaschinerie auf
  2. XRP-Preisprognose: Was Anleger in den nächsten drei Jahren erwarten
  3. SpaceX-Aktie: Könnte eine Investition von 5.000 Dollar Millionär machen?
  4. BASF im Umbruch: Evonik-Übernahme und EU-Batterie-Regeln
  5. Iran erhält offizielle US-Antwort auf Friedensvorschlag

Disclaimer