US-Börsen trotzen Zöllen und Krisen mit Rekorden
Europas Märkte bleiben trotz Hoffnungen deutlich hinter der US-Entwicklung zurück

Die US-Börsen haben im zweiten Quartal 2025 eine bemerkenswerte Rally hingelegt. Trotz eines drastischen Einbruchs zu Beginn des Quartals, ausgelöst durch von Donald Trump angekündigte Importzölle sowie den anhaltenden Konflikt zwischen Israel und dem Iran, erreichten der S&P 500 und der Nasdaq zuletzt neue Rekordstände. Seit Anfang April legte der S&P 500 um rund 10 Prozent zu, der Nasdaq verzeichnete ein Plus von 16 Prozent. Besonders deutlich fällt die Entwicklung seit dem 7. April aus: Der S&P 500 stieg seitdem um etwa 28 Prozent, der Nasdaq sogar um 36 Prozent.
Der europäische Markt konnte mit dieser Dynamik nicht mithalten. Noch zu Beginn des Quartals dominierten Erwartungen, dass sich Anleger wegen der politischen Unsicherheiten in den USA von dortigen Werten ab- und verstärkt Europa zuwenden würden. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht. Der DAX kam im selben Zeitraum lediglich auf ein Plus von sechs Prozent, während der Euro Stoxx 50 stagnierte. Kapitalmarktstratege Thomas Lehr vom Vermögensverwalter Flossbach von Storch sprach daher von einer nicht eingetretenen europäischen Outperformance.
Die Schwäche Europas im Vergleich zu den USA liegt nach Einschätzung von Experten unter anderem an der Zusammensetzung der Märkte. Während in den Vereinigten Staaten margenstarke Techkonzerne dominieren, fokussieren sich die europäischen Börsen weiterhin stark auf Industrie- und Finanzwerte. Portfoliomanager Vincenzo Alfano von Union Investment verweist auf die starke Performance amerikanischer Technologiewerte als Haupttreiber der jüngsten Entwicklung. Der Strukturwandel in Europa und Investitionsimpulse, etwa durch Infrastrukturprogramme, zeigten zwar Wirkung, könnten aber kurzfristig kaum mit der US-Dynamik mithalten.
Auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis spiegelt die hohen Erwartungen an US-Konzerne wider. Der Nasdaq weist aktuell ein KGV von 32 auf, der S&P 500 liegt bei 24. Im Vergleich dazu erscheinen europäische Aktien günstiger: Der Dax kommt auf ein KGV von 18, der Euro Stoxx 50 auf 15. Doch trotz dieser Bewertungen bleiben viele institutionelle Investoren zurückhaltend. Experten wie jene von Allianz Global Investors sehen Anzeichen für eine zunehmende „Fear of Getting in“ – eine Einstiegsangst, die den Markt derzeit bremst. Ob sich diese in eine „Fear of Missing Out“ wandelt, hängt maßgeblich von geopolitischer Entspannung und einer stabileren Finanzlage ab.
