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US-Autismusanbieter stellt Betrieb ein nach Medicaid-Ausschluss

Piece by Piece Autism Centers schließt Mitte Mai – nach staatlichem Abrechnungsverbot wegen mutmaßlichen Missbrauchs von Steuergeldern.

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US-Autismusanbieter stellt Betrieb ein nach Medicaid-Ausschluss

Der landesweit teuerste Anbieter von Autismustherapien in den USA stellt seinen Betrieb ein. Piece by Piece Autism Centers wird bis Mitte Mai schließen, wie der Personalchef des Unternehmens in einer internen E-Mail an die Mitarbeiter mitteilte. Auslöser ist ein Verbot des US-Bundesstaates Indiana, wonach das Unternehmen keine Leistungen mehr über das staatliche Krankenversicherungsprogramm Medicaid abrechnen darf.

Das Wall Street Journal hatte das Unternehmen im vergangenen Monat als auffälligsten Fall in einer Recherche über die rasant wachsende Autismustherapie-Branche enthüllt. Piece by Piece erhielt im Jahr 2023 Medicaid-Zahlungen von durchschnittlich 340.000 US-Dollar pro Patient – der höchste Wert in den gesamten USA. Von 2019 bis 2023 flossen insgesamt 58 Millionen US-Dollar aus Indiana direkt an das Unternehmen.

Die hohen Abrechnungsbeträge erzielte Piece by Piece unter anderem durch stark überhöhte Listenpreise. Das Unternehmen kassierte bis zu 640 US-Dollar pro Stunde vom Bundesstaat – für Leistungen, die häufig von Mitarbeitern mit Highschool-Abschluss erbracht wurden. Staatliche Stellen werfen dem Unternehmen vor, das steuerfinanzierte Programm für einkommensschwache Personen systematisch missbraucht zu haben.

Konkurrierender Anbieter übernimmt Standorte

Nach der Schließung sollen die Zentren von Piece by Piece vom Wettbewerber Applied Behavior Center for Autism weitergeführt werden, wie aus internen E-Mails hervorgeht. Auch dieser Anbieter hat eine belastete Vergangenheit: Erst vor drei Jahren legte das Applied Behavior Center zivilrechtliche Betrugsvorwürfe auf Bundesebene im Zusammenhang mit Abrechnungspraktiken bei – ohne dabei ein Fehlverhalten einzugestehen, wie das US-Justizministerium seinerzeit bekannt gab.

Der Fall verdeutlicht ein strukturelles Problem im US-amerikanischen Gesundheitssystem. Medicaid, das Pendant zur deutschen gesetzlichen Krankenversicherung für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen, wird gemeinsam von Bund und Bundesstaaten finanziert. Die Aufsichtsbehörden hatten offenbar Schwierigkeiten, mit dem schnellen Wachstum der Autismustherapie-Branche regulatorisch Schritt zu halten – ein Umstand, den einzelne Anbieter nach Erkenntnissen des Wall Street Journal gezielt ausnutzten.

Für die betroffenen Patienten und deren Familien bedeutet die Schließung eine erhebliche Unsicherheit. Autismustherapien, insbesondere die sogenannte Applied Behavior Analysis (ABA), gelten als wichtige Behandlungsform und sind auf kontinuierliche Betreuung angewiesen. Ob und wie reibungslos die Übernahme durch den Wettbewerber gelingt, bleibt abzuwarten.

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