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Uhrenbranche streitet über Damenuhren: Unisex-Designs oder eigene Modelle?

Luxusuhrenhersteller ringen um die beste Ansprache weiblicher Kundinnen: Blancpain setzt auf Damenmodelle, Audemars Piguet und Hublot auf Unisex.

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Uhrenbranche streitet über Damenuhren: Unisex-Designs oder eigene Modelle?

Frauen gelten als eine der größten Wachstumschancen für Luxusuhrenhersteller. Doch die Branche ist nach wie vor gespalten, wenn es darum geht, wie sie weibliche Kundinnen am besten anspricht. Während einige Marken die Unterscheidung zwischen Herren- und Damenuhren zugunsten geschlechtsneutraler Designs aufheben, argumentieren andere, dass genau dadurch Käuferinnen übersehen werden, die speziell für sie konzipierte Uhren wünschen. Die Debatte hat inzwischen auch die wichtigsten Auszeichnungen der Uhrenindustrie erreicht.

Den jüngsten Anlass für die Diskussion liefert Blancpain. Das Unternehmen stellte im vergangenen Monat die Lady B vor, eine Wiederbelebung eines Designs aus den 1950er Jahren, als Blancpain im Besitz von Betty Fiechter war. Fiechter war vermutlich die erste Frau, die einen Schweizer Uhrmacherbetrieb leitete. Die Uhr misst lediglich 19 mm im Durchmesser und wird von einer der kleinsten mechanischen Bewegungen der Welt angetrieben.

Christian Lattmann, Leiter des Produktbereichs bei Blancpain, macht deutlich, für wen das Modell gedacht ist: „Frauen, die sowohl echte Uhrmacherqualität als auch ein höchst persönliches Objekt suchen, das zudem in einen Dialog mit Schmuck und Stil treten kann." Er verweist darauf, dass Betty Fiechter überzeugt gewesen sei, dass eine Damenuhr dieselbe mechanische Ambition verdiene wie jedes andere Zeitmesser. Lattmann zufolge ist es bei einer Damenuhr „von Anfang an" essenziell, über Proportionen, Volumen, Tragekomfort am Handgelenk und die Beziehung zu Schmuck oder Modeaccessoires nachzudenken, „anstelle einfach eine Herrenuhr herunterzuskalieren".

Die Details

Die Uhrmacher sind sich uneins darüber, ob die Bedienung weiblicher Käufer spezifisch weibliche Designs erfordert. Während Mode- und Schmuckmarken wie Dior, Bvlgari und Chopard für ihre Damenuhren anerkannt sind, haben viele spezialisierte Uhrmacher stattdessen kleinere Versionen etablierter Designs produziert oder Stücke als Unisex vermarktet. Angeregt wurden sie dazu durch einen Trend zu kleineren Uhren unter Männern.

Einige Branchenbeobachter hinterfragen diesen Ansatz. „Warum soll Feminismus bei Uhren darin bestehen, alles homogen zu machen?", fragt Malaika Crawford, Editorial Director bei der Uhrenzeitschrift Hodinkee. „Warum ist Unisex die Antwort? Warum tilgen wir Unterschiede?" Crawford argumentiert zudem: „Letztendlich ist, genau wie bei Ready-to-Wear, aus offensichtlichen Gründen der weibliche Körper anders als der männliche. Wir müssen das anerkennen."

Genaue Daten zur Aufteilung der Käufer nach Geschlecht im Segment hochwertiger Uhren liegen nicht vor. In ihrer jüngsten Studie zur Uhrenindustrie merkte die Beratungsgesellschaft Deloitte jedoch an, dass „das größte Wachstumspotenzial bei weiblichen Käufern und der Generation Z liegt". In einer separaten Studie aus dem Jahr 2024 stellte Deloitte fest, dass nur 22 Prozent der Frauen ausschließlich traditionelle Uhren trugen – fast die Hälfte des Anteils von 2020. Mehr als die Hälfte trug entweder nur eine Smartwatch oder wechselte zwischen Smart- und traditionellen Uhren.

Die Herausforderung ist erheblich, denn die Kundenbasis der Branche war traditionell männlich dominiert. Viele der erfolgreichsten Designs des Marktes, darunter Rolex' Submariner und Omegas Speedmaster, stammen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und waren primär als Uhren für männliche Fachkräfte konzipiert.

Einige Marken argumentieren, dass die Unisex-Taktik funktioniert. Im April führte Bvlgari eine 37-mm-Version seines 40-mm-Octo Finissimo ein und erweiterte damit die Palette um ein kleineres Gehäuse. Laut Jonathan Brinbaum, dem Geschäftsführer der Uhrensparte des Unternehmens, ist jede dritte Käuferin des neuen Modells weiblich, verglichen mit jeder zehnten bei der größeren Originalversion. Brinbaum sagt jedoch, es bleibe eine starke kommerzielle Begründung für Designs, die speziell für Frauen entwickelt wurden: „Mit dem steigenden Interesse von Frauen denke ich, dass darauf zugeschnittene Designs entscheidend wichtig sind." Serpenti Tubogas und Seduttori seien große Erfolge für Bvlgari, „weil sie von Anfang an für Frauen konzipiert waren". Zugleich warnt er: „Marken müssen ihre Tradition und ihre DNA bewahren, sich aber auch zu geschlechtslosen Designs entwickeln."

Die Praxis im Einzelhandel bleibt gemischt. Der Multi-Brand-Verkäufer Watches of Switzerland weist klar auf Kategorien „Herren" und „Damen" hin, während Bucherer, im Besitz von Rolex, ebenfalls eine Unisex-Kategorie anbietet. Von den 20 Top-Marken, die Morgan Stanley in seinem jährlichen Bericht über die Schweizer Uhrenindustrie in diesem Jahr bewertet hat, bieten 14 weiterhin Geschlechterfilter auf ihren Websites an, darunter Cartier, Vacheron Constantin und Breitling.

Eine der Marken, die darauf verzichtet, ist Audemars Piguet. „Ich glaube nicht daran, Uhren in Herren- und Damenuhren zu unterteilen", sagt Ilaria Resta, CEO des Unternehmens und eine der wenigen weiblichen Führungskräfte auf oberster Ebene in der Schweizer Uhrenindustrie. „Das ist einfach nicht, wonach die Kunden fragen, und das gleiche Prinzip gilt für Männer. Insbesondere für jüngere Generationen können solche Etiketten eine unnötige Barriere für die Auseinandersetzung mit der Uhrmacherei darstellen." Laut Resta machten kaufende Frauen im Jahr 2025 27,5 Prozent der Kunden von AP aus; das Unternehmen hat das Ziel, diesen Anteil in den kommenden Jahren auf 40 Prozent zu steigern. 48,5 Prozent der Belegschaft und 23 Prozent des Top-Managements seien weiblich. „Die Uhrmacherei hinkt vielen anderen Branchen bei der Repräsentation von Frauen hinterher", sagt sie. „Zu viele Frauen sehen sich darin immer noch nicht wieder."

Hublot hat die Geschlechterfilter ebenfalls abgeschafft. Das Unternehmen verfügt über keine Uhren, die explizit als für Frauen gekennzeichnet sind, und bietet stattdessen kleinere Versionen seiner Classic Fusion in 29 mm und seiner Big Bang in 33 mm an. „Frauen kommen nicht zu Hublot, um eine Damenuhr zu finden", sagt Chief Product Officer Sadry Keiser. „Sie suchen nach etwas, das zu ihrem eigenen Stil, ihrer eigenen Philosophie und ihrem eigenen Verhalten passt. Die Größe muss berücksichtigt werden, darf aber nicht einem Geschlecht gewidmet sein. Das ist zu reduktiv."

Der Wandel weg von Geschlechterkategorien hat auch die führenden jährlichen Auszeichnungen erreicht. Der Grand Prix d'Horlogerie de Genève (GPHG) hat die Preise für Damenuhren in diesem Jahr abgeschafft und wird bei der Zeremonie im nächsten Monat „nur Zeit"- und „essentielle" Uhren sowie „mit Edelsteinen besetzte" und „Schmuck"-Stücke auszeichnen. Beim GPHG 2025 hatte das Gentissima Oursin Fire Opal von Gérald Genta den Preis für die beste Damenuhr gewonnen.

Laut Oliver Müller, Gründer der spezialisierten Uhrenberatungsagentur LuxeConsult, klafft eine Kluft zwischen diesem Wandel und der Marktrealität. „Die Änderung des GPHG sagt wenig über den Markt aus", sagt er. „Damenuhren sind eines der interessantesten Segmente der Branche, da sie im Allgemeinen höhere Margen als Herrenuhren erzielen. Dieses Segment zu übersehen, wäre ein Fehler." Tracey Llewellyn, globale Editorial Director der Uhrenzeitschrift Revolution, befürchtet unbeabsichtigte Folgen: „Meine Sorge bei der Entfernung der Damen-Kategorien ist, dass wir automatisch wieder auf die Präferenzen der Männer zurückfallen. Marken ignorieren den Damenuhrenmarkt auf eigene Gefahr." Resta vertritt die gegenteilige Ansicht: „Ich unterstütze diese Änderung nachdrücklich. Den Schwerpunkt auf die Uhr selbst zu legen, spiegelt besser wider, wie Kunden Uhren heute betrachten, und spricht gleichzeitig die nächste Generation an."

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 15.05.2026 berichtete aktien.news über eine Sonderausgabe der Financial Times mit dem Titel „Watches & Jewellery". Darin wurden hochkomplexe Zeitmesser in bildlichen Dekonstruktionen auseinandergenommen, ihre Geschichte beleuchtet und analytisch eingeordnet. Im Mittelpunkt stand ein Stück, das als die komplizierteste reine Zeituhr gilt, die je hergestellt wurde, und das über 35 Patente verfügt.

Am 10.04.2026 berichtete aktien.news über die Produktempfehlungen aus dem wöchentlichen Newsletter der FT-Chefredakteurin Roula Khalaf. Jene Ausgabe widmete sich ausschließlich den sogenannten Ein-Produkt-Spezialisten und umfasste 16 Produkte aus unterschiedlichsten Kategorien. Am 30.05.2026 folgte ein Bericht über 16 Organisationshelfer für mehr Ordnung im Alltag, ebenfalls aus Khalafs kuratierter Newsletter-Auswahl.

Am 19.09.2026 berichtete aktien.news über eine weitere Ausgabe desselben Formats, die Luxus und Kunst verband – von einem Wollmantel von Dolce & Gabbana über ein Taschentuch aus Baumwolle mit Scritto-Muster von Berluti bis zu einem Kragen mit steifer Flügelform von New & Lingwood. Die aktuelle Geschichte über die Geschlechterdebatte bei Luxusuhren stammt ebenfalls aus dieser wöchentlichen Newsletter-Auswahl der FT-Chefredakteurin.

Was das für Anleger bedeutet

Der Quelltext nennt keine Börsenticker, Umsatzzahlen oder Gewinnkennziffern, sondern liefert eine qualitative Einordnung des Segments. Für Privatanleger relevant ist vor allem die Aussage von LuxeConsult-Gründer Oliver Müller, wonach Damenuhren im Allgemeinen höhere Margen als Herrenuhren erzielen und eines der interessantesten Segmente der Branche sind. Deloitte sieht das größte Wachstumspotenzial bei weiblichen Käufern und der Generation Z.

Gleichzeitig zeigt die Deloitte-Studie aus dem Jahr 2024 die Kehrseite: Nur 22 Prozent der Frauen trugen ausschließlich traditionelle Uhren, während mehr als die Hälfte ausschließlich eine Smartwatch nutzte oder zwischen beiden Varianten wechselte. Dieser Wettbewerb um das Handgelenk weiblicher Konsumenten ist ein Risikofaktor für die klassische Uhrmacherei.

Ein zweiter Beobachtungspunkt ist die Struktur des Zugangs zum Markt. Während Bucherer im Besitz von Rolex ist, agieren zahlreiche der genannten Marken innerhalb größerer Konzernstrukturen, ohne dass der Quelltext Details zu deren Eigentümern oder Börsennotierung nennt. Anleger sollten daher die Sortiments- und Kommunikationsentscheidungen der Marken – etwa die Einführung kleinerer Gehäuse wie der 37-mm-Octo-Finissimo oder die Streichung von Geschlechterfiltern – als Indikatoren für die jeweilige Positionierung im wachsenden Frauensegment verfolgen.

Ausblick

Die Zeremonie des Grand Prix d'Horlogerie de Genève steht im nächsten Monat an und vergibt erstmals keine Preise für Damenuhren mehr, sondern zeichnet „nur Zeit"- und „essentielle" Uhren sowie „mit Edelsteinen besetzte" und „Schmuck"-Stücke aus. Audemars Piguet hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil weiblicher Kunden von 27,5 Prozent im Jahr 2025 auf 40 Prozent in den kommenden Jahren zu steigern. Bvlgari-Chef Brinbaum erwartet, dass Marken ihre Tradition bewahren, sich aber zugleich zu geschlechtslosen Designs weiterentwickeln müssen. Wie schnell die Branche Geschlechterkategorien aufgibt, dürfte auch davon abhängen, wie sich die 14 der 20 von Morgan Stanley bewerteten Top-Marken mit Geschlechterfiltern künftig positionieren.

Kurz erklärt

  • Unisex-Uhr: Zeitmesser, der bewusst keinem Geschlecht zugeordnet wird und über Größe und Stil beide Zielgruppen ansprechen soll.
  • Mechanische Bewegung: Das Uhrwerk, das ein Zeitmesser allein durch mechanische Bauteile statt durch Elektronik antreibt.
  • Margen: Die Differenz zwischen Verkaufspreis und Kosten einer Uhr, ausgedrückt als Anteil am Umsatz.
  • Grand Prix d'Horlogerie de Genève: Die jährliche Preisverleihung der Schweizer Uhrenbranche, bei der Fachjury und Branche die besten Modelle auszeichnen.
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