Trump-Zölle erschüttern Welthandel: Europa sucht neue Wege
Die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump sorgt für massive Verwerfungen im globalen Handel. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos suchen europäische und internationale Partner nach Alternativen zum US-Markt.

Die aggressive Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump hat auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos eine neue Dynamik ausgelöst. Internationale Handelspartner verstärken ihre Bemühungen, den globalen Handel unabhängiger von den USA zu gestalten. Die Frustration über Trumps unberechenbare Handelspolitik war beim diesjährigen Treffen deutlich spürbar.
Grönland-Drohung löst Marktturbulenzen aus
Neue Brisanz erhielt das Thema, als Trump am Wochenende mit Zöllen gegen europäische Verbündete drohte, die seine Grönland-Pläne ablehnten. Nach der Ankündigung eines NATO-Rahmenabkommens zur arktischen Insel zog er die Drohung am Mittwoch zurück. Diese Kehrtwende führte zu erheblichen Marktschwankungen und belebte den sogenannten "TACO-Trade" - eine Anspielung darauf, dass Trump häufig intensive Zolldrohungen später wieder zurücknimmt.
Europäische Länder hatten zunächst eine "unerschütterliche" Reaktion auf neue Zölle angekündigt, was am Dienstag zu einem massiven Ausverkauf von Aktien, Anleihen und des US-Dollar führte. Nach Trumps Rückzieher sprangen die Wall-Street-Indizes jedoch wieder an. Experten wie Russ Mould von AJ Bell mahnen jedoch zur Vorsicht und sehen eher eine Marktberuhigung als einen nachhaltigen Aufschwung.
Deutschland leidet unter US-Zöllen
Die deutschen Exporte in die USA sind in den ersten elf Monaten 2025 um 9 Prozent eingebrochen. Dirk Jandura, Leiter des BGA-Exporteurverbands, kritisierte scharf: "Trump sägt am Ast, auf dem er sitzt." Volker Treier von den Deutschen Industrie- und Handelskammern warnte, dass Zölle auf Rohstoffe wie Stahl und Aluminium den Aufbau industrieller Kapazitäten in den USA verteuerten. "Die Welt ist teurer geworden und wird strukturell noch teurer", so Treier.
Die US-Fertigungsaktivität schrumpfte laut Umfragen im Dezember bereits den zehnten Monat in Folge. Dies zeigt, dass Trumps Zollpolitik auch der eigenen Wirtschaft schadet.
Neue Handelsallianzen entstehen
Kanadas Finanzminister François-Philippe Champagne betonte in Davos, dass die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Veränderungen die Welt erschüttern. Seit Trump die US-Zölle auf den höchsten Stand seit fast einem Jahrhundert anhob, schließen Länder verstärkt Handelslücken durch intensiveren Handel untereinander. Kanada und China vereinbarten kürzlich eine Senkung der Zölle auf Elektrofahrzeuge und Raps.
Die EU unterzeichnete nach 25-jährigen Verhandlungen das Freihandelsabkommen mit dem südamerikanischen Block Mercosur - der größte Handelspakt in der Geschichte der Europäischen Union. Die Welthandelsorganisation (WTO) unterstützt diese Diversifizierung ausdrücklich, da sie zur Verbreitung von Arbeitsplätzen und Wachstum beitrage, so Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala.
USA verlieren Marktanteile
Studien der Boston Consulting Group (BCG) prognostizieren einen deutlichen Rückgang des US-Anteils am globalen Warenhandel von 12 Prozent auf 9 Prozent bis 2034. Der künftige Welthandel werde von vier Hauptknotenpunkten dominiert: USA, China, BRICS+ und den sogenannten Plurilateralisten, zu denen Europa, Kanada, Mexiko, Japan und Australien gehören.
Die Verschiebung ist bereits messbar: Der Hafen von Long Beach verzeichnet einen Rückgang des China-Anteils von 70 Prozent (2019) auf 60 Prozent. Gleichzeitig steigen die Warenströme aus Südostasien, insbesondere Vietnam, Thailand und Malaysia. Boudewijn Siemons, CEO des Hafens Rotterdam, warnte, Europa müsse sich schnell neu konfigurieren, da bisherige Sicherheiten wegfielen.
Trumps Wirtschaftsagenda in Davos
In seiner WEF-Rede behauptete Trump, seine Handelspolitik habe zu einem Boom beim Fabrikbau geführt und das monatliche Handelsdefizit um 77 Prozent gesenkt. Er forderte eine dauerhafte 100-prozentige Bonusabschreibung für Investitionen, eine Obergrenze für Kreditkarten-Zinsen und eine Senkung der Arzneimittelpreise um 90 Prozent oder mehr. Zur Wohnungsnot erklärte er: "Häuser werden für Menschen gebaut, nicht für Konzerne."
Drohung gegen europäische Investoren
Trump drohte während eines Interviews in Davos mit "großen Vergeltungsmaßnahmen", sollten europäische Länder US-Vermögenswerte verkaufen. Hintergrund war die Ankündigung des dänischen Pensionsfonds AkademikerPension, seine US-Staatsanleihenbestände im Wert von 25 Milliarden Dollar bis Ende Januar zu verkaufen. Der Fonds sieht erhöhte Kreditrisiken durch Trumps Politik und hält die US-Staatsschulden langfristig für nicht nachhaltig.
US-Finanzminister Scott Bessent zeigte sich unbeeindruckt und erklärte, er sei "überhaupt nicht besorgt". Experten halten eine umfassende Verkaufsstrategie europäischer Investoren für schwer umsetzbar, da die meisten Vermögenswerte in privaten Fonds liegen.
