Trump startet Wahlkampftour durch umkämpfte republikanische Bundesstaaten
Drei Wochen vor dem Wahltag besucht Trump Ohio, Alaska, Arizona und Montana – Staaten mit knappen Senatsrennen für die Republikaner.

US-Präsident Donald Trump unternimmt knapp drei Wochen vor dem Wahltag am 3. November eine neue Wahlkampftour durch Bundesstaaten, die er 2024 allesamt gewinnen konnte. Die Tour führt ihn nach Ohio, Alaska, Arizona und Montana – Regionen, in denen republikanische Kandidaten trotz traditionell günstiger Ausgangslage in schwierige Kämpfe geraten sind. Aktuelle Umfragen zeigen ein wachsendes Risiko für die Partei, die versucht, die Kontrolle über den US-Kongress für die verbleibenden zwei Amtsjahre des Präsidenten zu verteidigen.
Trump steht dabei unter politischem Gegenwind: Hohe Benzinpreise und sein Krieg im Iran belasten seine Popularität. Dennoch hält er an seinem 32-tägigen Wahlkampfsprint fest und hat sich dabei weitgehend auf vertrautes Terrain konzentriert. Bis Ende der Woche wird er innerhalb von zwei Wochen in insgesamt 11 Bundesstaaten Wahlkampf betrieben haben – darunter jeweils zwei Stopps in Texas und Ohio sowie eine Kundgebung am Dienstag in Alaska.
Trump selbst erklärte Reportern am Samstagabend nach einer Reise nach Clarksville, Tennessee, seine Strategie: „Ich möchte jenen Orten Anerkennung zollen, die mich quasi automatisch unterstützt haben, wie Tennessee, und ich werde nach Ohio reisen, das mich ebenfalls unterstützt hat, wo wir aber sehr knappe Rennen haben." Gleichzeitig kündigte er an, auch in stärker umkämpften Gebieten aufzutreten.
Die Details
Am Montag macht Trump in Youngstown, Ohio, Station. Dort wirbt er für den republikanischen Senator Jon Husted, der sich in einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Demokraten Sherrod Brown befindet. Ohio gilt als einer der wichtigsten Schauplätze im Kampf um die Senatsmehrheit – ein Staat, den Trump 2024 gewann, in dem aber das Senatsrennen keineswegs als sicher gilt.
In Alaska liefert sich der republikanische Senator Dan Sullivan einen knappen Wettbewerb mit der Demokratin Mary Peltola. Die Kundgebung am Dienstag in Alaska ist Teil von Trumps Bemühungen, loyale Anhänger zur Stimmabgabe zu mobilisieren. Vertreter des Weißen Hauses erklärten, die Stopps seien gezielt darauf ausgerichtet, die treuesten Unterstützer des Präsidenten zu aktivieren. Trump hat seine Anhänger wiederholt dazu aufgefordert, „so zu tun, als stünde ich selbst auf dem Stimmzettel."
Larry Sabato, Direktor des Center for Politics an der University of Virginia, ordnete Trumps Reisestrategie ein: „Seine Mitarbeiter schicken ihn an Orte, an denen er wahrscheinlich eine wohlgesonnene Menge für die Kundgebungen mobilisieren kann. Und diese Kandidaten, für die er wirbt, könnten durchaus gewinnen." Gleichzeitig wies Sabato darauf hin, dass Trumps Präsenz in umkämpften Gebieten auch seine Gegner mobilisiert.
Das zeigte sich bereits bei Trumps jüngster Kundgebung in Vandalia, Ohio. Die 59-jährige demokratische Wählerin Marilyn Makiewicz sagte am Rande der Veranstaltung: „Dies ist mein allererster Protest. Ich glaube, er hält diese Kundgebungen ab, weil er besorgt über den Wahlausgang ist." Ein Weißes-Haus-Vertreter kommentierte Trumps Mobilisierungswirkung so: „Einige von ihnen würden vielleicht nicht für einen Kandidaten erscheinen, wenn Trump ihnen keinen Grund dazu gäbe."
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Wahlkampftour reiht sich in eine Serie strategischer Auftritte ein, über die aktien.news bereits mehrfach berichtet hat. Bereits am 27.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Republikaner in mehr als drei Dutzend Wahlen zum US-Repräsentantenhaus investieren, die bislang als „sicher" galten – ausgelöst durch interne Umfragen, die auf mögliche Verwundbarkeit der Kandidaten hindeuten. Seit dem 1. September haben große republikanische Gruppen und Mega-Sponsoren begonnen, in mindestens 39 Kongresswahlen Geld einzusetzen, in denen sie zuvor in diesem Wahlzyklus noch nicht aktiv waren.
Am 01.10.2026 berichtete aktien.news, dass Trump umkämpfte Bundesstaaten nutzte, um groß angelegte, arbeitsplatzschaffende Projekte zu bewerben – darunter eine südkoreanische Investition in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar, die ein Erdgaspipeline-Projekt in Alaska im Wert von 54 Milliarden US-Dollar umfasst. Der Vorstoß erfolgte vor dem Hintergrund wachsender Prognosen über mögliche Verluste für die Republikaner.
Am 06.10.2026 meldete aktien.news zudem, dass die US-Regierung eine Investition von 150 Millionen US-Dollar für den Ausbau des Stromnetzes in Alaska ankündigte – zeitgleich mit einem Besuch von Vizepräsident JD Vance in dem Bundesstaat, in dem die Republikaner ebenfalls um ihre Senatsposition kämpfen. Bereits am 19.02.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Trump in Georgia eine Wirtschaftsrede hielt, um vor den Midterms seine wirtschaftspolitische Agenda zu präsentieren – damals bereits vor dem Hintergrund skeptischer Wähler angesichts anhaltend hoher Preise.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind die US-Zwischenwahlen am 3. November ein wichtiger politischer Faktor. Die Zusammensetzung des US-Kongresses entscheidet darüber, ob Trump in den verbleibenden zwei Jahren seiner Amtszeit seine wirtschafts- und haushaltspolitischen Vorhaben umsetzen kann. Eine republikanische Mehrheit in beiden Kammern würde ihm mehr Spielraum für Steuerpolitik, Deregulierung und Handelspolitik geben – Bereiche, die direkte Auswirkungen auf internationale Märkte und damit auch auf deutsche Anleger haben.
Die engen Rennen in Schlüsselstaaten wie Ohio und Alaska signalisieren politische Unsicherheit. Märkte reagieren erfahrungsgemäß sensibel auf unklare Machtverhältnisse in Washington. Anleger sollten die Entwicklungen in den verbleibenden Wochen vor dem Wahltag aufmerksam verfolgen.
Ausblick
Bis Ende der laufenden Woche wird Trump in insgesamt 11 Bundesstaaten innerhalb von zwei Wochen Wahlkampf betrieben haben. Konkret geplant sind neben dem Auftritt am Montag in Youngstown, Ohio, eine Kundgebung am Dienstag in Alaska sowie weitere Stopps in Arizona und Montana. Der Wahltag ist der 3. November. Trump hat angekündigt, auch in stärker umkämpften Gebieten aufzutreten – Details dazu nannte er bislang nicht.
Kurz erklärt
- Midterms: Zwischenwahlen zum US-Kongress, die in der Mitte einer Präsidentschaftsamtszeit stattfinden und über die Mehrheitsverhältnisse in Senat und Repräsentantenhaus entscheiden.
- US-Senat: Eine der beiden Kammern des amerikanischen Kongresses, deren Mitglieder für sechs Jahre gewählt werden und die unter anderem Gesetze verabschiedet und Verträge ratifiziert.
- Mobilisierung: Im Wahlkampf die gezielte Aktivierung der eigenen Wählerschaft, damit diese tatsächlich zur Stimmabgabe erscheint.
