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Thyssen-Krupp: Neuer Vorstand und strategische Umgestaltung

Kampf um Kontrolle und Effizienz – Eklat im Aufsichtsrat und die Zukunft des Konzerns

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Thyssen-Krupp: Neuer Vorstand und strategische Umgestaltung

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp plant erneut strategische Veränderungen, die den Fokus auf eine zentralisierte Kontrolle über die Geschäftsbereiche legen. Bei einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats, die am Mittwoch stattfand, wurden die Weichen für diese Neuausrichtung gestellt. Insbesondere Vorstandschef Miguel Lopez, der seit Juni dieses Jahres im Amt ist, treibt diese Veränderung voran, um eine effektivere Steuerung des Konzerns zu erreichen.

In dieser Sitzung hat der Aufsichtsrat auch die Erweiterung des Vorstands beschlossen, wie das Unternehmen am Mittwochabend bekanntgab. Neben Konzernchef Miguel Lopez, Personalvorstand Oliver Burkhard und dem bis Juli 2024 bestellten Finanzchef Klaus Keysberg wird nun eine Position für den Bereich Fusionen und Übernahmen (M&A) geschaffen. Eine weitere Position wird die Bereiche Nachhaltigkeit, Innovation und Cybersicherheit abdecken.

Volkmar Dinstuhl, der bereits im Konzern für den Bereich M&A verantwortlich ist, wird voraussichtlich die Position für M&A im Vorstand übernehmen. Ihm wird der Erfolg beim Verkauf der Aufzugsparte des Unternehmens vor knapp vier Jahren zugeschrieben, bei dem das Unternehmen 17 Milliarden Euro einnahm. Ilse Henne soll den Vorstandsposten für Nachhaltigkeit, Innovation und Cybersicherheit besetzen. Jens Schulte, derzeit Finanzvorstand der Schott AG, wird voraussichtlich Klaus Keysberg als Finanzchef nachfolgen.

Die Entscheidung bezüglich des Finanzvorstands wurde einstimmig getroffen, wie die Gewerkschaft IG Metall in einer Mitteilung erklärt. Allerdings wurden die beiden zusätzlichen Vorstandsmitglieder gegen die Stimmen der Arbeitnehmerbank bestellt, was zu einem Eklat führte.

In einer Stellungnahme der Gewerkschaft wurde dieser Schritt als ein Bruch in der Mitbestimmung bezeichnet. Trotz jahrelanger Festlegung auf das Zielbild der "Group of Companies" wurde zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens der Vorstand gegen den Widerstand der Arbeitnehmerseite erweitert. Die Kompromissangebote der Arbeitnehmer wurden ignoriert.

In der jüngsten Vergangenheit hatte Thyssen-Krupp die Strategie "Group of Companies" unter der früheren Vorstandsvorsitzenden Martina Merz verfolgt, bei der die verschiedenen Tochtergesellschaften weitgehend eigenständig agieren sollten. Dieser Ansatz wird nun als gescheitert angesehen, da viele Unternehmensbereiche, darunter Stahl, Anlagenbau, Automobilkomponenten, Werften und Handel, sich nicht wie erwartet entwickelt haben.

Mit der neuen Strategie will Vorstandschef Miguel Lopez die Kontrolle über die Unternehmensbereiche im Vorstand bündeln und dadurch einen effizienteren Zugriff auf die Geschäftsführung ermöglichen. Das Ziel ist es, durch die eingeleiteten Sparprogramme die Kosten erheblich zu senken.

Die Ernennung von Volkmar Dinstuhl und Ilse Henne in den Vorstand ist für Januar 2024 geplant. Gleichzeitig werden die verschiedenen Geschäftsbereiche auf Vorstandsmitglieder aufgeteilt, um die zentrale Kontrolle zu unterstützen. Volkmar Dinstuhl wird sich auf den Bereich Automotive Technology konzentrieren, während Miguel López für Decarbon Technologies und Steel Europe zuständig sein wird. Oliver Burkhard wird die Sparte Marine Systems leiten, und Ilse Henne wird die Sparte Materials Services betreuen.

Der Vorstand von Thyssen-Krupp steht vor großen Herausforderungen, da neben den Sparmaßnahmen auch Teilverkäufe der Stahlsparte und die Abspaltung der Werfttochter Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) geplant sind. Der Konzern sucht nach Partnern oder neuen Eigentümern für Teile des Anlagenbaus und des Autozuliefergeschäfts.

Besonders die Stahlsparte stellt eine Herausforderung dar, da Verhandlungen mit dem tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky stattfinden. Es gab jedoch Unstimmigkeiten bei den Planzahlen für diesen Geschäftsbereich, wodurch die Gewinnprognosen gesenkt werden mussten. Kretinsky hat klargemacht, dass er keinen Zeitdruck sieht, weshalb die Stahlsparte vorerst unter dem Dach des Konzerns verbleibt, jedoch unter genauerer Aufsicht.

Die strategischen Veränderungen bei Thyssen-Krupp sind Teil von Lopez' Programm "Apex", das eine Neuausrichtung des Portfolios und weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Geschäftslage vorsieht. In den letzten Geschäftsjahren verzeichnete das Unternehmen hohe Verluste, insbesondere bedingt durch Abschreibungen im Stahlgeschäft aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten und höherer Kapitalkosten. Lopez betonte die Notwendigkeit, weiterhin hart an der Performance des Unternehmens zu arbeiten, um die Transformation voranzutreiben.

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