Thomson Reuters übertrifft Prognosen und setzt auf vertrauenswürdige KI
Starkes erstes Quartal: Thomson Reuters steigert Umsatz um 10% und bekräftigt Jahresprognose dank wachsender KI-Nachfrage.

Thomson Reuters hat im ersten Quartal einen zweistelligen Umsatzanstieg erzielt und damit die Erwartungen der Wall Street übertroffen. Der Umsatz stieg um 10% auf 2,09 Milliarden US-Dollar – Analysten hatten lediglich 2,04 Milliarden Dollar erwartet. Auch beim Gewinn je Aktie übertraf das Unternehmen die Prognosen: Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,23 Dollar, gegenüber der Konsensschätzung von 1,20 Dollar.
Das in Toronto ansässige Content- und Technologieunternehmen bestätigte zudem seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026, die einen Anstieg zwischen 7,5% und 8% vorsieht. Wachstumstreiber waren die sogenannten „Big 3"-Geschäftsbereiche: Legal Professionals, Corporates sowie Tax & Accounting. Die Aktie reagierte positiv und stieg im vorbörslichen Handel an der Nasdaq um 2,3%.
Fiduciary-grade AI als strategisches Alleinstellungsmerkmal
CEO Steve Hasker rückte im Zuge der Quartalsergebnisse das Konzept der „fiduciary-grade AI" in den Mittelpunkt – also einer KI, die den hohen Anforderungen von Fachleuten in rechtlich und regulatorisch sensiblen Bereichen gerecht wird. „In den Bereichen Recht, Steuern, Wirtschaftsprüfung und Compliance entscheiden sich Fachleute, die für folgenschwere Ergebnisse verantwortlich sind, für unsere KI-Produkte", sagte Hasker in einer Mitteilung.
In einem Interview nach der Ergebnisbekanntgabe betonte Hasker die besonderen Risiken, die mit fehlerhafter KI in diesen Berufsfeldern verbunden sind. „Die Folgen von Fehlern und Halluzinationen sind zu schwerwiegend", sagte er. Fehler könnten zu Geldstrafen, Reputationsverlust, dem Entzug der Berufszulassung sowie dem Verlust von Mandanten führen. Genau hier sehe Thomson Reuters seinen Wettbewerbsvorteil gegenüber allgemeinen Frontier-KI-Modellen.
Als konkrete Stärken nannte Hasker die rund 2.700 Rechtsexperten im Unternehmen, die juristische Inhalte erstellen, sowie hunderte von Buchhaltern und proprietäre Datenbestände. Diese Ressourcen ermöglichten es, KI-Produkte zu entwickeln, die auf autoritativen Inhalten basieren und unter realen Bedingungen verifizierbar sind.
Generative KI gewinnt im Vertragsgeschäft an Gewicht
Finanzvorstand Michael Eastwood ergänzte, dass generative KI im ersten Quartal für rund 30% des zugrunde liegenden Vertragswerts verantwortlich war – ein Anstieg gegenüber 28% im vierten Quartal. Dieser Trend unterstreicht die wachsende Bedeutung von KI-Produkten für das Kerngeschäft des Unternehmens.
Analyst Paolo Pescatore von PP Foresight kommentierte die Ergebnisse positiv: „Thomson Reuters hat genug getan, um die unmittelbaren KI-Sorgen zu zerstreuen." Er fügte hinzu: „Wenn es gelingt, vertrauenswürdige, prüfbare KI tiefer in die täglichen Arbeitsabläufe zu integrieren, stärkt dies die Kundenbindung, schützt die Preismacht und schafft eine besser verteidigungsfähige langfristige Position."
Auch die Nachrichtensparte Reuters verzeichnete Wachstum: Der Umsatz stieg um 7%, getrieben durch höhere Einnahmen im Agenturgeschäft sowie eine Preiserhöhung aus dem Geschäft mit der London Stock Exchange Group.
Aktionärsrendite und Akquisitionspotenzial
Thomson Reuters schloss zudem eine Kapitalrückzahlung an die Aktionäre in Höhe von 605 Millionen Dollar ab, wodurch sich die Anzahl der ausstehenden Stammaktien um rund 6,5 Millionen verringerte. Darüber hinaus kaufte das Unternehmen 2,5 Millionen Stammaktien für rund 262 Millionen Dollar zurück.
Mit Blick auf die Zukunft erklärte Finanzvorstand Eastwood, dass Thomson Reuters bis 2028 über ein Kapital von rund 9 Milliarden Dollar für Akquisitionen verfüge – ein erhebliches Potenzial für weiteres anorganisches Wachstum.
Die Aktie hatte in diesem Jahr zuvor deutlich unter Druck gestanden und war um fast 30% gefallen, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum um 5,2% zulegte. Hintergrund waren Befürchtungen, dass KI-Neulinge wie Anthropic eine ernsthafte Konkurrenz für etablierte Datenanbieter und Softwareunternehmen darstellen könnten. Die starken Quartalszahlen und die klare KI-Strategie scheinen diese Sorgen vorerst zu dämpfen.
