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Telefónica prüft Übernahme von 1&1

Der spanische Konzern sucht nach Auswegen aus seiner Krise im deutschen Mobilfunkmarkt

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Telefónica prüft Übernahme von 1&1

Der spanische Telekommunikationskonzern Telefónica steht in Deutschland unter Druck. Nach dem Abgang von Deutschland-Chef Markus Haas versucht Konzernchef Marc Murtra, die Unsicherheit im Münchner Management zu beruhigen. Während intern über eine mögliche Zerschlagung des Deutschlandgeschäfts spekuliert wurde, kursieren nun Gerüchte über eine Übernahme des vierten Netzbetreibers 1&1. Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ erwägt Telefónica, 1&1 zu kaufen, um verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Ein Analyst sieht in dieser Option zwar eine rechnerisch plausible Lösung, schätzt die Wahrscheinlichkeit einer solchen Fusion aber auf lediglich 20 Prozent.

Der Hintergrund: Seit Ralph Dommermuth seine 1&1-Kunden zu Vodafone verlagert hat, fehlt Telefónica ein erheblicher Teil der Netzlast. Elf Millionen ehemalige 1&1-Kunden nutzten zuvor das O2-Netz. Der Wegfall dieser Kunden hinterließ eine deutliche Lücke in der Auslastung. Versuche, das Defizit mit neuen Kooperationen auszugleichen, blieben bislang erfolglos. Hinzu kommen massive Rabattaktionen, mit denen Telefónica versucht, Kunden zu halten – auf Kosten der Profitabilität. Das operative Ergebnis sank im zweiten Quartal um neun Prozent, gemessen am Wert nach Leasingverpflichtungen.

Ein Zusammenschluss mit 1&1 könnte auf den ersten Blick Vorteile bringen, doch regulatorische Hürden bleiben hoch. Die EU-Kommission steht großen Fusionen im Telekomsektor skeptisch gegenüber. Zudem könnte ein Kauf von 1&1 neue Ungleichgewichte schaffen. Vodafone etwa profitiert derzeit von der Kooperation mit Dommermuths Unternehmen, das über dessen Netzkapazitäten Kunden versorgt. Ein Rückwechsel der 1&1-Kunden zu Telefónica würde Vodafone unmittelbar treffen. Theoretisch ließen sich solche Effekte durch Auflagen begrenzen, doch der Markt ist bereits stark konsolidiert.

Ralph Dommermuth selbst ist in der besseren Position als viele vermuten. Er hat die Kontrolle über das Mutterunternehmen United Internet mit 54,4 Prozent am Grundkapital wieder vollständig übernommen und könnte seine Beteiligung beleihen oder Anteile an der Börse platzieren, um Kapital für eigene Zukäufe zu beschaffen. Theoretisch wäre also auch eine Übernahme in umgekehrter Richtung denkbar – Dommermuth als Käufer statt Ziel.

Telefónica und Vodafone hingegen kämpfen beide mit hohen Schulden. Telefónicas Nettoverschuldungsgrad liegt beim 3,4-Fachen des Gewinns, bei Vodafone noch darüber. Der saudi-arabische Telekomkonzern STC hält inzwischen zehn Prozent an Telefónica und könnte finanziell einspringen. Doch auch mit frischem Kapital bleibt die technische Herausforderung groß: Der Zusammenschluss zweier Mobilfunknetze gilt als langwieriger Prozess. Schon die Integration von O2 und E-Plus dauerte einst sechs Jahre. Nun steht Telefónica erneut vor einer möglichen Neuordnung – in einem Markt, der zunehmend von Unsicherheit geprägt ist.

TelefónicaTelekommunikationDeutschland

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