TD Cowen: Softwareaktien erholen sich nach schlechtestem Quartal seit 2008
Der Softwaresektor verzeichnete im ersten Quartal 2025 einen dramatischen Einbruch – jetzt signalisieren historische Daten eine mögliche Trendwende.

Softwareaktien haben das schlechteste Quartal seit der Finanzkrise 2008 hinter sich. Der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV) verlor im März weitere 1,9%, nach einem Einbruch von 9,7% im Februar und 14,5% im Januar. Die kumulierte Dreimonatsrendite summiert sich damit auf minus 24% – ein Niveau, das zuletzt im vierten Quartal 2008 erreicht wurde.
Das Analysehaus TD Cowen beschreibt eine anhaltend negative Anlegerstimmung im Sektor. Händler setzen demnach bevorzugt auf steigende Kurse bei Halbleitern (Long) und fallende Kurse bei Software (Short). Besonders auffällig: Ein Abbau von Brutto-Positionen im Halbleitersektor führt automatisch zu Eindeckungen bei Software-Short-Positionen – und umgekehrt verstärkt ein erneuter Positionsaufbau bei Halbleitern den Druck auf Softwaretitel.
Zusätzlichen Gegenwind lieferten neue KI-Ankündigungen. Die neuen Claude-Releases von Anthropic sowie ein durchgesickertes Mythos-Modell setzten den Sektor weiter unter Druck und schürten Sorgen über den Wettbewerb für etablierte Softwareanbieter.
Schwache Quartalszahlen belasten Large-Cap-SaaS
Für große Software-as-a-Service-Unternehmen verlief die jüngste Berichtssaison enttäuschend. Bei Adobe (ADBE), Salesforce (CRM), Workday (WDAY) und SAP blieben die Auftragseingänge hinter den Analystenerwartungen zurück. Viele SaaS-Unternehmen testeten am 27. März neue Jahrestiefs, bevor sie Anfang dieser Woche eine erste Erholung verzeichneten.
Im Sektorvergleich entwickelte sich der IGV im März um 5,0% besser als der iShares Semiconductor ETF (SOXX) – eine deutliche Verbesserung gegenüber der Underperformance von 11,4% im Februar und 29,5% im Januar. Innerhalb des Softwaresektors schnitten Anwendungssoftware-Titel mit minus 2,9% besser ab als Infrastruktur-Software mit minus 4,0%. Positive Ausreißer waren die Marketing-Software-Aktien Braze (+24%) und Klaviyo (+12%).
Die Bewertungen im Softwaresektor haben inzwischen neue Fünfjahrestiefs erreicht. Der breiter gefasste Software-Korb von TD Cowen notiert aktuell beim 4,1-Fachen des Unternehmenswerts im Verhältnis zum Umsatz der nächsten zwölf Monate (EV/NTM-Umsatz). Im Februar lag dieser Wert noch bei 4,5x, im Januar bei 5,6x.
Historische Daten deuten auf Erholung hin
Trotz des düsteren Bildes zeigen historische Auswertungen ein konstruktives Signal. Nach vergleichbar starken Rückgängen (Drawdowns) des IGV erzielte der Sektor in den folgenden drei Monaten im Durchschnitt eine Rendite von 1,9% – der Median liegt sogar bei 5,2%. Für Anleger, die auf eine Normalisierung der Marktstimmung setzen, könnte das aktuelle Bewertungsniveau damit eine interessante Einstiegsgelegenheit darstellen.
