Südkorea: US-Bündnis trotz Coupang-Spannungen nicht in Krise
Sicherheitsberater Wi Sung-lac räumt Reibungen mit Washington ein, betont aber die Stabilität des Bündnisses und fordert Trennung von Rechts- und Sicherheitsfragen.

Südkoreas nationaler Sicherheitsberater Wi Sung-lac hat am Donnerstag laut Medienberichten klargestellt, dass das Bündnis zwischen Seoul und Washington trotz jüngster Spannungen nicht in einer Krise stecke. Gleichzeitig räumte er ein, dass die aktuellen Reibungen ein sorgfältiges Management erforderten. Auslöser der Verstimmung ist ein Streit im Zusammenhang mit dem an der US-Börse notierten südkoreanischen E-Commerce-Unternehmen Coupang Inc.
Wi äußerte sich laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap vor Journalisten in Hanoi. Er bestätigte, dass die Sicherheitskonsultationen zwischen beiden Ländern durch den Coupang-Streit beeinträchtigt würden, forderte jedoch, Bündnisfragen unabhängig von rechtlichen Angelegenheiten zu behandeln. „Es trifft zu, dass dies die Sicherheitskonsultationen zwischen Südkorea und den USA beeinflusst", sagte Wi.
Hintergrund: Coupang-Untersuchung belastet Sicherheitsgespräche
Im Kern des Konflikts steht eine Untersuchung eines Datenlecks bei Coupang sowie die Frage rechtlicher Garantien für den Coupang-Vorsitzenden Kim Bom. Einem Medienbericht zufolge soll Washington gedroht haben, die Sicherheitsgespräche einzustellen, sollten solche rechtlichen Garantien ausbleiben. Seoul hat daraufhin dazu aufgerufen, die Gespräche über ein Sicherheitsabkommen strikt von den rechtlichen Fragen rund um Coupang zu trennen.
Wi betonte, die Position Seouls sei eindeutig: Die rechtliche Angelegenheit solle die entsprechenden juristischen Verfahren durchlaufen, während die Sicherheitsgespräche separat und ohne Verzögerung voranschreiten müssten. Er bestätigte zwar, dass sich die Konsultationen verzögert hätten, zitierte jedoch Seouls Standpunkt, dass die Gespräche so bald wie möglich wieder aufgenommen werden sollten.
Wi warnt vor Überinterpretation der Lage
Der Sicherheitsberater mahnte zur Besonnenheit bei der Einschätzung der Lage. „Die Beziehung zwischen Südkorea und den USA ist ein Bündnis und eine sehr enge Beziehung, daher ergeben sich verschiedene Probleme", sagte Wi. „Es kann unterschiedliche Ansichten geben, und deshalb müssen diese sorgfältig koordiniert werden."
Es wäre eine „übermäßige Interpretation", die aktuelle Situation als Ergebnis angestauter, abnormaler Spannungen innerhalb des Bündnisses zu betrachten, so Wi weiter. Mit einem bildhaften Vergleich unterstrich er die Notwendigkeit kontinuierlicher Pflege der Allianz: „Ein Bündnis ist eine sehr enge Beziehung, aber wie ein Garten muss es sorgfältig gepflegt werden", zitierte ihn die Zeitung JoongAng Ilbo.
Ein weiterer Streitpunkt betrifft Vereinigungsminister Chung Dong-young. Wi erklärte, die südkoreanische Regierung glaube nicht, dass Chung von den USA bereitgestellte Geheimdienstinformationen durchsickern ließ, als er sich auf den mutmaßlichen Standort Nordkoreas zur Urananreicherung in Kusong bezog. Washington schien laut Wi zu glauben, dass von ihm geteilte Informationen offengelegt worden seien. Chung selbst beharrt jedoch darauf, nie über solches Material informiert worden zu sein und sich stattdessen auf offene Quellen gestützt zu haben – eine Sichtweise, die Seoul teilt.
Die US-Botschaft reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme. Für deutsche Anleger und Beobachter verdeutlicht der Vorfall, wie eng wirtschaftliche und geopolitische Interessen im südostasiatischen Raum miteinander verflochten sind und wie schnell Unternehmensstreitigkeiten diplomatische Konsequenzen nach sich ziehen können.
