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Stromausfall in Manchester legt britisches Bahnnetz lahm

Ein 90-sekündiger Stromausfall im Zugkontrollzentrum Manchester verursachte Hunderte Zugausfälle und weitere Beeinträchtigungen am Folgetag.

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Stromausfall in Manchester legt britisches Bahnnetz lahm

Ein kurzer Stromausfall von nur 90 Sekunden hat am Donnerstag das Bahnnetz im Nordwesten Englands in eine schwere Krise gestürzt. Der Vorfall ereignete sich um 13:40 Uhr im Manchester Rail Operating Centre in Ashburys, einem Vorort im Südosten von Manchester. Die Folge: Hunderte von Zugausfällen und massive Beeinträchtigungen für Reisende in der gesamten Region.

Network Rail, das staatliche Unternehmen, das die britische Schieneninfrastruktur betreibt, warnte am Donnerstagabend, dass der Betrieb am Freitagmorgen mit „weiteren Beeinträchtigungen" konfrontiert sein werde. Der Grund: Personal und Züge befanden sich nicht an ihren vorgesehenen Einsatzorten. Die Ingenieure machten laut Network Rail „gute Fortschritte" bei der Behebung der Probleme.

Backup-Systeme reagierten nicht schnell genug

Das eigentliche Problem lag nicht im Stromausfall selbst, sondern in der Reaktion der Sicherheitssysteme. Zwar stellten Backup-Systeme die Stromversorgung des Signalzentrums nahezu augenblicklich wieder her. Eine kurzzeitige Verzögerung reichte jedoch aus, um sämtliche Signale im gesamten Einzugsgebiet auf Rot zurückzusetzen. Eisenbahnsignalsysteme sind bewusst so konzipiert, dass sie im Fehlerfall „ausfallsicher" (englisch: fail-safe) reagieren und auf Rot schalten – ein Sicherheitsmechanismus, der Kollisionen verhindern soll.

Infolgedessen mussten Techniker einen aufwendigen und zeitraubenden Neustart sämtlicher Signalanlagen in der Region manuell durchführen. Eine mit der Situation vertraute Person bestätigte, dass die Backup-Systeme nicht schnell genug funktionierten, und kündigte eine Untersuchung an. SP Electricity North West, der zuständige Stromversorger, teilte mit, dass der Ausfall rund 5.000 Kunden im Raum Manchester betroffen habe.

Das betroffene Zentrum in Ashburys liegt etwa zwei Meilen vom Hauptbahnhof Manchester Piccadilly entfernt. Es wurde 2014 eröffnet und steuert die Signalisierung für Fernzüge in einem weiträumigen Gebiet: von Carlisle im Norden bis Crewe im Süden und bis Todmorden in den Pennines im Osten. Das Zentrum ist eines von nur 12 solcher Betriebszentren im gesamten Vereinigten Königreich, die langfristig alle Fernzüge in Großbritannien steuern sollen.

Sieben Bahnbetreiber von Ausfällen betroffen

Insgesamt sieben Bahnunternehmen meldeten infolge des Vorfalls zahlreiche Zugausfälle. Betroffen waren:

  • Avanti West Coast (West Coast Main Line von London nach Glasgow, Verbindungen nach Liverpool und Manchester)
  • TransPennine Express (wichtige Linien zwischen Nordwestengland und Yorkshire)
  • CrossCountry
  • East Midlands Railway
  • London Northwestern Railway
  • Northern
  • Transport for Wales

Northern, der regionale Bahnbetreiber für weite Teile Nordenglands, empfahl Fahrgästen dringend, Reisen am Freitag möglichst vor 10:00 Uhr zu vermeiden. Das Metrolink-Straßenbahnnetz von Manchester war hingegen nicht betroffen.

Politischer Druck wächst

Der Vorfall zieht auch politische Konsequenzen nach sich. Bev Craig, die neu gewählte Bürgermeisterin von Greater Manchester, kündigte an, Network Rail und die Eisenbahnverkehrsunternehmen um eine Untersuchung der Ursache und der Reaktion auf den Vorfall zu bitten. „Wir benötigen Zusicherungen, dass dies nicht wieder passieren kann und wird", sagte sie. Auch Verkehrsministerin Heidi Alexander drückte ihr Bedauern über die Beeinträchtigungen für die Fahrgäste aus.

Chris Wright, Streckendirektor von Network Rail North West, erklärte, die Ingenieure arbeiteten „unermüdlich" an der Wiederherstellung der betroffenen Systeme. Der Ausfall gilt als eines der schwerwiegendsten Probleme im britischen Schienennetz seit einem Stromausfall im August 2019, der damals den Betrieb in weiten Teilen Englands und Wales zum Erliegen gebracht hatte. Zum Vergleich: Im Juni wurde auch das gesamte nationale Schienennetz Deutschlands kurzzeitig durch ein Problem mit dem Mobilfunksystem des Netzes lahmgelegt – ein Beleg dafür, wie anfällig moderne, zentral gesteuerte Bahnsysteme für technische Störungen sein können.

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