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Standard Chartered CEO entschuldigt sich für KI-Aussage über Mitarbeiter

Bill Winters rudert nach Kritik zurück – seine Worte über „minderwertiges Humankapital" sorgten intern und extern für Empörung.

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Standard Chartered CEO entschuldigt sich für KI-Aussage über Mitarbeiter

Bill Winters, Vorstandsvorsitzender der britischen Großbank Standard Chartered, hat mit einer ungewöhnlich offenen Formulierung für erheblichen Wirbel gesorgt. Bei einer Investorenveranstaltung in Hongkong erklärte er, die Bank werde „minderwertiges Humankapital" durch künstliche Intelligenz ersetzen. Die Aussage schlug intern wie extern hohe Wellen – und zwang Winters wenig später zur Schadensbegrenzung.

In einem Memo an die Belegschaft vom Mittwoch versuchte der Bankchef, die Gemüter zu beruhigen. „Viele von Ihnen werden die Medienberichterstattung im Anschluss an die Investorenveranstaltung in Hongkong verfolgt haben, insbesondere die Berichte über Automatisierung, KI und Veränderungen in der Belegschaft", schrieb Winters. „Ich weiß, dass dies beunruhigend sein kann, wenn es auf einfache Schlagzeilen oder ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat reduziert wird."

Der CEO betonte zudem: „Dort, wo Aufgaben wegfallen, spiegelt dies Veränderungen in der Arbeitsweise wider, nicht den Wert unserer Mitarbeiter." Die Formulierung zeigt, wie sehr Winters darum bemüht war, den entstandenen Eindruck zu korrigieren – dass nämlich Teile der Belegschaft als minderwertig oder ersetzbar betrachtet werden.

Tausende Stellen sollen bis 2030 wegfallen

Hintergrund der Kontroverse sind konkrete Stellenabbaupläne, die Winters ebenfalls in Hongkong präsentierte. Die Bank plant, das Unterstützungspersonal bis zum Jahr 2030 um mehr als 15 Prozent zu reduzieren. Das entspricht mindestens 7.800 Stellen. Winters hatte den Schritt gegenüber Journalisten vor der Präsentation am Dienstag mit den Worten begründet: „Es handelt sich nicht um Kostensenkungen. Es geht darum, in einigen Fällen minderwertiges Humankapital durch das Finanz- und Investitionskapital zu ersetzen, das wir bereitstellen."

Genau diese Aussage war es, die für den Sturm der Entrüstung sorgte. Der Begriff „minderwertiges Humankapital" – im englischen Original „lower-quality human capital" – ist im Unternehmenskontext ungewöhnlich direkt und wurde von vielen als abwertend gegenüber den betroffenen Mitarbeitern empfunden.

Winters gilt als direkt und unverblümt

Bill Winters ist seit 2015 CEO von Standard Chartered, der in London börsennotierten internationalen Bank. Zuvor war er langjähriger Führungskraft bei JPMorgan Chase. Er gilt als bekannt für seinen direkten Kommunikationsstil – was ihm in der Vergangenheit Respekt, nun aber auch Kritik eingebracht hat.

Der Fall illustriert ein wachsendes Dilemma für Unternehmensführer weltweit: Wie kommuniziert man den durch KI und Automatisierung ausgelösten Stellenabbau gegenüber Investoren, ohne gleichzeitig die eigene Belegschaft zu verprellen? Winters' Versuch, Effizienzgewinne durch KI nüchtern zu beschreiben, scheiterte an der Wortwahl – mit spürbaren Konsequenzen für das Betriebsklima.

Für deutsche Anleger und Beobachter ist der Vorfall ein weiteres Beispiel dafür, wie das Thema KI-gestützter Stellenabbau zunehmend auch in der Kommunikation von Banken und Finanzinstituten an Brisanz gewinnt. Standard Chartered-Aktien (STAN) legten im Zuge der Investorenveranstaltung um 1,22 Prozent zu – die Märkte honorierten die Effizienzpläne, auch wenn die interne Reaktion deutlich gemischter ausfiel.

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