Spotify verfehlt Prognosen – Aktie bricht vorbörslich ein
Der schwedische Streaming-Riese enttäuscht mit schwachen Q2-Ausblicken und verlangsamtem Wachstum in Europa und Nordamerika.

Spotify hat am Dienstag für das zweite Quartal 2025 einen Gewinn und eine Anzahl an Premium-Abonnenten unter den Markterwartungen prognostiziert. Die Aktie des schwedischen Streaming-Unternehmens reagierte prompt und fiel im vorbörslichen Handel um rund 10 Prozent. Hintergrund ist ein verlangsamtes Wachstum in den Kernmärkten Europa und Nordamerika.
Für das zweite Quartal erwartet Spotify ein Betriebsergebnis von 630 Millionen Euro – das entspricht rund 736 Millionen US-Dollar. Damit liegt die Prognose deutlich unter der durchschnittlichen Analystenschätzung von 684 Millionen Euro, die vom Datenanbieter LSEG zusammengestellt wurde. Dieser Ausblick steht in krassem Gegensatz zum Rekord-Betriebsergebnis des ersten Quartals: Dort erzielte Spotify 715 Millionen Euro und übertraf damit die Schätzungen von 681,6 Millionen Euro.
Das starke Ergebnis im ersten Quartal wurde allerdings durch einen Sondereffekt begünstigt. Niedrigere Lohnsteuern, sogenannte Sozialabgaben, drückten die Kosten. Diese Abgaben sind an den Aktienkurs des Unternehmens gekoppelt – sinkt der Kurs, sinken auch die entsprechenden Steuerverpflichtungen. Die Spotify-Aktie ist im laufenden Jahr bereits um rund 15 Prozent gefallen, nachdem sie im Jahr 2024 noch um etwa 30 Prozent zugelegt hatte.
Abonnentenwachstum bleibt hinter Erwartungen zurück
Auch beim Nutzerwachstum liefert Spotify ein gemischtes Bild. Die Prognose für monatlich aktive Nutzer von 778 Millionen übertraf die Analystenschätzungen von 773 Millionen. Bei den Premium-Abonnenten hingegen erwartet das Unternehmen lediglich einen Anstieg um 6 Millionen auf 299 Millionen – die Schätzungen lagen bei 302 Millionen. Im ersten Quartal war die Zahl der zahlenden Abonnenten noch um 9 Prozent auf 293 Millionen gestiegen. Der Nettozuwachs an monatlich aktiven Nutzern betrug im ersten Quartal 10 Millionen und brachte die Gesamtzahl auf 761 Millionen.
Finanzvorstand Christian Luiga kündigte an, dass Spotify Mitte des Jahres „viele Funktionen" einführen werde. Dies werde die Betriebskosten in den kommenden Quartalen in die Höhe treiben. Co-CEO Gustav Söderström erklärte gegenüber Reuters, dass das Unternehmen massiv in neue Funktionen investiere – darunter Marketingmaßnahmen und die für Künstliche Intelligenz benötigte Rechenleistung – anstatt die Belegschaft zu vergrößern.
KI als Wachstumstreiber der Zukunft
Spotify setzt verstärkt auf KI-gestützte Funktionen, um die Nutzerbindung zu stärken und das Entdecken von Inhalten zu verbessern. Zu den jüngsten Neuerungen zählen die Erweiterung des personalisierten Musik-Tools „AI DJ" um Sprachinteraktion sowie die Einführung der „AI Playlist", mit der Nutzer Playlists per natürlicher Spracheingabe erstellen können. Anfang April weitete das Unternehmen zudem seine Funktion „Prompted Playlist" auf Podcasts aus – damit können Nutzer Playlists basierend auf ihren Hörgewohnheiten generieren.
Das Unternehmen steht unter der Doppelführung von Gustav Söderström und Alex Norström, nachdem Gründer Daniel Ek im Januar den Posten des exekutiven Verwaltungsratsvorsitzenden übernommen hatte. Im Wettbewerb mit den Streaming-Angeboten von Apple und Amazon steht Spotify vor der Herausforderung, Rentabilität und Wachstum gleichermaßen zu sichern. Die Strategie der vergangenen Jahre – Preiserhöhungen, Kostensenkungen und KI-Investitionen – zeigt zwar erste Früchte, stößt in den gesättigten Kernmärkten jedoch an Grenzen.
