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Singapurs Zentralbank warnt vor Risiken durch KI-Boom-Abschwächung

Die MAS sieht globale Wachstums- und Finanzmarktrisiken, sollten KI-Investitionen massiv einbrechen.

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Singapurs Zentralbank warnt vor Risiken durch KI-Boom-Abschwächung

Singapurs Zentralbank und Finanzaufsichtsbehörde, die Monetary Authority of Singapore (MAS), hat eindringlich vor den wirtschaftlichen Folgen eines möglichen Einbruchs des globalen KI-Booms gewarnt. Geschäftsführer Chia Der Jiun erklärte anlässlich der Veröffentlichung des MAS-Jahresberichts, dass das globale Wachstum, Investitionen und die Performance der Finanzmärkte eng mit dem Halbleiter- und Rechenzentrumssektor verknüpft seien. Jede Verlangsamung in diesem Bereich könnte weitreichende Konsequenzen für die Weltwirtschaft haben.

„Sollte es zu einem massiven Rückgang der KI-Investitionen kommen, könnte dies das globale Wachstum durch sinkende Unternehmensinvestitionen, eine geringere Halbleiternachfrage und negative Vermögenseffekte drastisch schwächen", warnte Chia. Er fügte hinzu: „Eine deutliche Verschärfung der globalen Finanzierungsbedingungen könnte die Folge sein." Die Warnung fällt in eine Phase, in der Chip- und Speicheraktien in Asien unter Druck geraten sind, da Anleger die Nachhaltigkeit des KI-Booms zunehmend hinterfragen.

Chip-Aktien, die die globalen Märkte in der ersten Jahreshälfte noch nach oben getrieben hatten, trugen zuletzt die Hauptlast eines Ausverkaufs. Investoren hatten zuvor darauf gesetzt, dass Halbleiterunternehmen die größten Profiteure der massiven weltweiten KI-Ausgaben sein würden. Die aktuelle Korrektur verdeutlicht die Fragilität dieser Erwartungen.

Singapurs Wirtschaft wächst – aber Abhängigkeit von KI steigt

Trotz der Risiken zeigte sich Singapurs eigene Wirtschaft zuletzt robust. Die vom Handel abhängige Volkswirtschaft wuchs in der ersten Jahreshälfte 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6 Prozent, nach einem Wachstum von 5 Prozent in der zweiten Jahreshälfte 2025. Selbst Störungen durch den Krieg im Nahen Osten konnten das Wachstum nicht bremsen.

Zwar verzeichneten einige energiebezogene Branchen wie die Chemieherstellung Rückgänge von mehr als 10 Prozent, doch ein starker Aufschwung im Technologiesektor glich dies aus. Besonders auffällig: Mehr als 70 Prozent des Exportwachstums in diesem Jahr entfielen auf KI-gesteuerte Elektronik – verglichen mit 46 Prozent im Jahr 2024. Diese Zahlen unterstreichen, wie stark Asiens Wirtschaft inzwischen von globalen Technologieinvestitionen abhängt.

Chia räumte ein, dass selbst ein Erfolg des KI-Booms nicht ohne Risiken sei. Sollten sich die hohen KI-Investitionen auszahlen und zu flächendeckenden Produktivitätsgewinnen führen, könnte die Inflation steigen und ein höherer Energiebedarf entstehen. „Es herrscht große Unsicherheit", so Chia. „Wenn der Markt die Lage falsch einschätzt, könnte man einen schlechten Weg einschlagen."

Cyberkriminalität und Quantencomputing als neue Bedrohungen

Neben den makroökonomischen Risiken warnte die MAS auch vor wachsenden Cybersicherheitsbedrohungen für Finanzinstitute. Kriminelle nutzen KI zunehmend, um ausgefeiltere Phishing-Angriffe und Deepfake-Identitätsdiebstähle zu entwickeln und damit die Überzeugungskraft von Betrugsmaschen zu steigern. Gleichzeitig setzen Hacker modernste KI-Modelle – sogenannte „Frontier AI" – ein, um Schwachstellen in Finanzinstituten zu identifizieren und auszunutzen.

Vincent Loy, Chief Technology Officer der MAS, betonte die Dringlichkeit der Lage: „Frontier AI erhöht die Schwere, das Ausmaß und die Komplexität von Cyberbedrohungen. Der Finanzsektor muss mit Dringlichkeit und durch eine enge Zusammenarbeit reagieren." Chia ergänzte, dass Banken und Investmentgruppen dieselbe Technologie einsetzen müssten, um ihre Verteidigung zu stärken.

Als konkrete Maßnahme kündigte die MAS eine Task Force an, die Finanzinstitute dabei unterstützen soll, ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyber- und KI-gesteuerten Bedrohungen zu verbessern. Auch die künftige Nutzung von Quantencomputing durch Angreifer wurde als erhebliches Risiko für den Finanzsektor hervorgehoben. Für deutsche Anleger und Finanzinstitute sind diese Entwicklungen relevant, da die globale Vernetzung der Finanzmärkte bedeutet, dass Cyberangriffe auf asiatische Institute schnell internationale Auswirkungen haben können.

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