Silbermarkt: Sechstes Defizitjahr in Folge erwartet
Das Silberdefizit weitet sich 2026 auf 46,3 Millionen Unzen aus – Minen können Nachfrage nicht decken.

Der Silbermarkt steuert auf das sechste jährliche Defizit in Folge zu. Das geht aus dem World Silver Survey hervor, den das Silver Institute gemeinsam mit Metals Focus veröffentlicht hat. Für das laufende Jahr prognostizieren die Organisationen ein Angebotsdefizit von 46,3 Millionen Unzen – nach bereits 40,3 Millionen Unzen im Jahr 2025. Die weltweite Minenproduktion soll dabei stagnieren.
Silber notierte am 7. Oktober bei etwa 60 US-Dollar pro Unze, nachdem der Preis im Vormonat noch bei rund 66 US-Dollar gelegen hatte. Das Defizit entsteht, weil die Minen ihre Produktion schlicht nicht schnell genug ausweiten können, um die bestehende Angebotslücke zu schließen. Das Silver Institute erwartet zudem, dass das Gesamtangebot im Jahr 2026 um etwa 2 Prozent zurückgehen wird.
Die Details
Die Zahlen verdeutlichen das strukturelle Problem des Silbermarktes: Auf der Angebotsseite stagniert die Minenproduktion, während das Defizit von Jahr zu Jahr wächst. Verglichen mit dem Vorjahreswert von 40,3 Millionen Unzen steigt das prognostizierte Defizit für 2026 auf 46,3 Millionen Unzen – eine weitere Ausweitung der Versorgungslücke.
Da Minen ihre Kapazitäten nicht kurzfristig hochfahren können, richten Investoren ihr Augenmerk verstärkt auf Unternehmen, die neue hochgradige Silbervorkommen erschließen, sowie auf Produzenten, die neue Kapazitäten in Betrieb nehmen. Dem Silver Institute zufolge konzentrieren sich Explorationsunternehmen zunehmend wieder auf karbonatgebundene Systeme – eine spezifische geologische Formation, die für hochgradige Silber-Blei-Zink-Vorkommen bekannt ist.
Zu den aktiven nordamerikanischen Silberproduzenten zählen mehrere an der NYSE notierte Unternehmen: First Majestic Silver produzierte im dritten Quartal 3,4 Millionen Unzen Silber, die Endeavour Silver Corporation erzielte 2,09 Millionen Unzen, und Hecla Mining kam im zweiten Quartal auf 4,2 Millionen Unzen. Darüber hinaus gab die Americas Gold and Silver Corporation kürzlich eine Entdeckung mit einem Gehalt von 1,062 g/t Silber in der Region Silver Valley im US-Bundesstaat Idaho bekannt.
Auf der Explorationsseite hat das kanadische Bergbauunternehmen GoldHaven Resources ein Bohrgerät zum Zielgebiet „D Zone" auf seinem großflächigen Projekt Magno in British Columbia mobilisiert. Die Bohrungen zielen dort auf eine hochgradige Silber-Blei-Zink-Mineralisierung ab. Silber-Blei-Zink-Distrikte in Nordamerika gewinnen laut Silver Institute an Bedeutung, insbesondere jene mit historischen Bohrungen, die nun durch moderne Explorationsmethoden erneut überprüft werden können.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 11.02.2026 berichtete aktien.news, dass die weltweite Silbernachfrage im Jahr 2026 voraussichtlich stabil bleiben werde, obwohl die industrielle Verwendung zurückgeht. Das Silver Institute hatte damals mitgeteilt, dass steigende physische Investitionen die Rückgänge bei Industrie, Schmuck und Silberwaren weitgehend ausgleichen sollen. Silber notierte zu diesem Zeitpunkt bei rund 81 US-Dollar pro Feinunze – ein Plus von 14 Prozent seit Jahresbeginn. Bereits damals war der Silbermarkt auf Kurs für das sechste Defizitjahr in Folge.
Am 06.10.2026 berichtete aktien.news über die weltweit besten Silberbohrergebnisse im Zeitraum vom 17. August bis zum 15. September. Contango Silver & Gold führte das globale Ranking an: Das Bohrloch DV26-515 auf dem Projekt Kitsault Valley im Nordwesten von British Columbia durchteufte in der Zone Torbrit 66,4 Meter mit einem Gehalt von 161 Gramm Silber pro Tonne aus einer Tiefe von 98,7 Metern.
Am 18.04.2026 meldete aktien.news, dass Argenta Silver Corp. auf dem Projekt El Quevar in der argentinischen Provinz Salta hochgradige Silberabschnitte außerhalb bestehender Ressourcengrenzen nachgewiesen hat. Das Highlight-Bohrloch QVD-430 durchteufte 679 g/t Silber über 13,50 Meter ab einer Tiefe von 343 Metern. Eine Folgemeldung vom 28.04.2026 ergänzte, dass das Projekt El Quevar über eine gemessene und angezeigte Ressource von 45,3 Millionen Unzen Silber verfügt.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist das anhaltende Strukturdefizit am Silbermarkt ein wichtiger Kontext. Sechs aufeinanderfolgende Defizitjahre signalisieren, dass das Angebot die Nachfrage dauerhaft nicht decken kann. Das Silver Institute weist darauf hin, dass die Entdeckung, Definition und Erschließung neuer Vorkommen Jahre dauert und die Pipeline an hochgradigen Projekten dünn gesät ist – ein Problem, das der Sektor mit den meisten kritischen Metallen teilt.
Der Silberpreis hat sich zwischen dem Vormonat (rund 66 US-Dollar) und dem 7. Oktober (rund 60 US-Dollar) spürbar abgeschwächt. Gleichzeitig bleibt das fundamentale Bild durch das wachsende Defizit angespannt. Anleger, die Silber im Blick haben, sollten sowohl etablierte Produzenten als auch Explorationsunternehmen mit konkreten Bohrprogrammen beobachten – ohne dabei die typischen Risiken des Bergbausektors aus den Augen zu verlieren.
Ausblick
Das Silver Institute erwartet für das Gesamtjahr 2026 einen Rückgang des Gesamtangebots um etwa 2 Prozent bei gleichzeitig stagnierender Minenproduktion. Das prognostizierte Defizit von 46,3 Millionen Unzen würde damit das bisher größte der laufenden Defizitserie darstellen. GoldHaven Resources hat sein Bohrgerät bereits zum Zielgebiet „D Zone" auf dem Projekt Magno in British Columbia mobilisiert; konkrete Bohrergebnisse stehen noch aus.
Kurz erklärt
- Angebotsdefizit: Situation, in der die weltweite Nachfrage nach einem Rohstoff das verfügbare Angebot übersteigt.
- Karbonatgebundenes System: Geologische Formation, bei der Erzmineralien in Karbonatsgesteinen eingebettet sind und häufig hochgradige Metall-Vorkommen beherbergen.
- Hochgradige Mineralisierung: Bezeichnung für Erzabschnitte mit einem besonders hohen Metallgehalt, der eine wirtschaftliche Förderung wahrscheinlicher macht.
