Siemens Energy: Vom Sanierungsfall zum Dax-Retter in nur zwei Jahren
Die Aktie steigt von 7 auf 161 Euro – und rettet damit die Bilanz des deutschen Leitindex

Eine bemerkenswerte Turnaround-Story prägt derzeit den deutschen Aktienmarkt: Siemens Energy entwickelt sich zum heimlichen Star des DAX. Die Aktie, die 2023 noch bei sieben Euro notierte, hat sich auf 161 Euro mehr als verzwanzigfacht. Binnen Jahresfrist verdreifachte sich der Kurs – eine Performance, die im deutschen Leitindex ihresgleichen sucht.
Die Gründe für den spektakulären Aufstieg sind vielfältig. Die Probleme bei der Windkraft-Tochter Gamesa sind weitgehend gelöst. Gleichzeitig sorgt der Energiehunger der KI-Rechenzentren für volle Auftragsbücher bei Gasturbinen und Netzinfrastruktur. Statt Milliardenverlusten schreibt der Konzern nun schwarze Zahlen.
Die jüngsten Quartalszahlen unterstreichen die positive Entwicklung eindrucksvoll. Der Gewinn verdreifachte sich, die Aufträge für Gasturbinen schossen um 81 Prozent in die Höhe. Für Anleger, die seit dem Börsengang im September 2020 zu 22 Euro dabei sind, eine Versiebenfachung des Kapitals.
Siemens Energy als Dax-Stütze
Die Bedeutung von Siemens Energy für den Gesamtmarkt zeigt sich in beeindruckenden Zahlen: Der Dax legte in den vergangenen zwölf Monaten um 7,7 Prozent zu. Allein 3,8 Prozentpunkte davon gehen auf das Konto von Siemens Energy. Kein anderer Wert trug mehr zur positiven Index-Performance bei.
Diese Stärke kommt zur rechten Zeit. Denn ausgerechnet das größte Dax-Schwergewicht schwächelt massiv: SAP hat innerhalb eines Jahres 37 Prozent seines Börsenwerts eingebüßt und belastet den Index mit minus 5,9 Prozentpunkten. Ohne Siemens Energy, Rheinmetall und die Allianz würde der deutsche Leitindex deutlich schlechter dastehen.
SAP unter Druck durch KI-Revolution
Die Timing der SAP-Schwäche ist denkbar ungünstig. Erst im März 2024 hatte die Deutsche Börse die Gewichtungsobergrenze von zehn auf 15 Prozent angehoben – speziell für SAP. Die Aktie kletterte daraufhin auf über 280 Euro, bevor die Talfahrt einsetzte.
Operativ läuft es bei SAP weiterhin rund: Das Wachstum liegt im hohen einstelligen Bereich, die Nettomarge erreichte beachtliche 20 Prozent. Doch die Anleger sorgen sich um die Zukunft. Leistungsfähige KI-Modelle von Anthropic oder OpenClaw könnten traditionelle Geschäftssoftware überflüssig machen.
Diese Sorge trifft die gesamte Softwarebranche. <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft, Salesforce und Adobe kämpfen mit ähnlichen Bewertungsabschlägen. Investoren hinterfragen die typischerweise hohen Bewertungsmultiplikatoren der Tech-Werte kritisch.
Die Börse zeigt einmal mehr ihre beiden Gesichter: Was SAP schadet, nützt Siemens Energy. Während KI-Ängste auf Softwareaktien lasten, profitieren Energieversorger vom steigenden Strombedarf der Rechenzentren. Für den Dax ergibt sich unter dem Strich eine ausgeglichene Bilanz – dank der starken Performance von Siemens Energy.
