Russische Wertpapiere: Warum Broker weiterhin vor Sanktionen zittern
Fünf Jahre Ukraine-Krieg, keine Lockerung in Sicht: Russische Aktien bleiben eingefroren – auch über ADRs und GDRs.

Der Krieg in der Ukraine dauert nun bereits fünf Jahre an. Für westliche Regierungen besteht keinerlei Anlass, die bestehenden Sanktionen gegen Russland zu lockern oder aufzuheben. Anleger, die russische Wertpapiere in ihren Depots halten, müssen sich daher weiterhin auf eine unangenehme Realität einstellen: Ihre Positionen bleiben eingefroren, und Preise für diese Papiere werden schlicht nicht gestellt.
Für Privatanleger bedeutet das eine anhaltende Unsicherheit ohne absehbares Ende. Weder Kauf noch Verkauf russischer Wertpapiere ist unter den aktuellen Bedingungen möglich. Broker scheuen das Sanktionsrisiko und stellen sich quer – aus gutem Grund, denn Verstöße gegen die geltenden Sanktionsregeln können empfindliche rechtliche und finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen.
ADRs und GDRs: Ein Sonderfall mit Geschichte
Besonders komplex ist die Lage bei sogenannten American Depositary Receipts (ADRs) und Global Depositary Receipts (GDRs). Diese Hinterlegungsscheine verbriefen das Eigentum an russischen Aktien und wurden ursprünglich geschaffen, um westlichen Investoren den Zugang zu russischen Unternehmen zu erleichtern. Denn russische Aktien waren für ausländische Anleger schon vor dem Krieg nicht ohne Weiteres direkt handelbar.
Über diese Instrumente haben viele Privatanleger in bekannte russische Konzerne wie Gazprom oder Norilsk Nickel investiert. Emittiert wurden die ADRs und GDRs von großen US-amerikanischen Banken, die als Verwahrer der zugrunde liegenden Aktien fungierten. Heute sind auch diese Hinterlegungsscheine vom Sanktionsregime erfasst und faktisch wertlos handelbar.
Die Situation verdeutlicht ein grundsätzliches Problem: Anleger, die über vermeintlich zugängliche Instrumente wie ADRs oder GDRs in russische Unternehmen investiert haben, sind durch die geopolitische Entwicklung in eine Sackgasse geraten. Das eingefrorene Kapital lässt sich weder realisieren noch anderweitig einsetzen – ein schmerzhafter Lerneffekt für viele Privatanleger über die Risiken geopolitisch exponierter Investments.
