Robinhood steigert Gewinn trotz verfehlter Analystenerwartungen im Quartal
Prognosemärkte und Gold-Abonnements treiben Robinhoods Quartalsgewinn an – doch die Aktie fiel nachbörslich um 6%.

Robinhood Markets hat im abgelaufenen Quartal einen Gewinnanstieg von 3% verzeichnet. Der Nettogewinn kletterte auf 346 Millionen US-Dollar bzw. 38 Cent je Aktie, nach 336 Millionen US-Dollar bzw. 37 Cent im Vorjahreszeitraum. Treiber des Wachstums waren steigende Gebühreneinnahmen aus dem Handel auf Prognosemärkten sowie das Wachstum des Abonnement-Dienstes des Online-Brokers.
Trotz des Gewinnanstiegs verfehlte Robinhood die Erwartungen der Wall Street. Laut dem Datenanbieter FactSet hatten Analysten im Durchschnitt ein Ergebnis je Aktie von 39 Cent erwartet – das Unternehmen lieferte einen Cent weniger. Die Reaktion der Anleger fiel entsprechend aus: Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel rund 6% an Wert.
Neue Geschäftsfelder als Puffer gegen volatile Märkte
Robinhood-Finanzchef Shiv Verma zeigte sich in einer Telefonkonferenz mit Reportern dennoch zuversichtlich. Er betonte, dass das Unternehmen durch den Vorstoß in neue Geschäftsbereiche besser aufgestellt sei, um turbulente Marktphasen zu überstehen. Zu diesen neuen Bereichen zählen neben Prognosemärkten auch Kreditkarten und Risikokapitalinvestitionen.
Der Kontext dieser Aussage ist bedeutsam: Robinhood und andere Online-Broker, die in den vergangenen Jahren stark von der wachsenden Risikobereitschaft privater Anleger profitiert hatten, navigieren nun durch ein schwieriges Umfeld. Kriege, steigende Energiepreise und Zweifel am KI-Sektor prägen die aktuelle Marktlage und könnten die Handelsaktivität der Kunden dämpfen.
Diese Sorge teilt auch Kenneth Worthington, Analyst bei JPMorgan Chase. Er senkte Anfang des Monats sein Kursziel für die Robinhood-Aktie, da er befürchtet, dass die Kundenaktivität nachlassen könnte. Solche Einschätzungen großer Investmentbanken haben erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung des Unternehmens an den Märkten.
Erinnerungen an den Bärenmarkt 2022
Für Robinhood ist die aktuelle Situation eine bekannte Herausforderung. Als 2022 die Zinsen stiegen und sich ein Bärenmarkt entwickelte, geriet das Geschäft des Online-Brokers erheblich unter Druck – und der Aktienkurs folgte dieser negativen Entwicklung. Das Unternehmen hat seitdem versucht, sein Geschäftsmodell breiter aufzustellen, um weniger abhängig von reinen Handelsgebühren zu sein.
Die Diversifizierungsstrategie mit Produkten wie dem Gold-Abonnement-Dienst und dem Einstieg in Prognosemärkte zeigt erste Früchte. Ob diese neuen Standbeine jedoch ausreichen, um einen möglichen Rückgang der Handelsaktivität vollständig zu kompensieren, bleibt abzuwarten. Für deutsche Privatanleger, die Robinhood als Benchmark für den US-Retail-Brokermarkt beobachten, liefert das Quartalsergebnis ein gemischtes Bild: solides Wachstum, aber mit Fragezeichen für die nähere Zukunft.
