Rezession und Aktien: Warum Anleger weniger Angst haben sollten
Nicht BIP-Prognosen, sondern Gewinnmargen und Bewertungsmultiplikatoren entscheiden darüber, wie Aktien in einer Rezession abschneiden.

Viele Anleger blicken mit Sorge auf die Konjunkturlage – doch laut Marktbeobachter Mark Hulbert von MarketWatch könnte diese Angst übertrieben sein. Nicht weil eine Rezession ausgeschlossen wäre, sondern weil die entscheidenden Faktoren für den Aktienmarkt ganz woanders liegen: bei Unternehmensgewinnmargen und Kurs-Gewinn-Verhältnis-Multiplikatoren (KGV), nicht bei BIP-Prognosen.
Hulbert betont ausdrücklich, dass er keine Vorhersage darüber trifft, ob die US-Wirtschaft in eine Rezession gleitet. Eine solche könnte jederzeit beginnen – und mehrere Risikofaktoren sprechen derzeit dafür. Dazu zählen der anhaltende Nahostkonflikt, die damit verbundenen rasant steigenden Ölpreise sowie ein schwacher Arbeitsmarkt und eine Vielzahl weiterer belastender Faktoren.
Warnung des IWF: Globale Rezession als Szenario
Anfang des Monats warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) vor einer möglichen globalen Rezession, sollte die Straße von Hormus dauerhaft geschlossen bleiben. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt und ein zentraler Korridor für den globalen Ölhandel. Eine Blockade hätte weitreichende Folgen für die Energieversorgung und damit für die gesamte Weltwirtschaft.
Für deutsche Anleger ist diese Warnung besonders relevant: Deutschland als exportorientierte Volkswirtschaft reagiert traditionell sensibel auf globale Konjunktureinbrüche und Energiepreisschocks. Steigende Ölpreise belasten sowohl die Industrie als auch die Verbraucher und können die Gewinnmargen von Unternehmen erheblich unter Druck setzen.
Gewinnmargen und KGV statt BIP im Fokus
Der zentrale Gedanke des Analyseansatzes von Hulbert lautet: Wer als Anleger einen Bärenmarkt erfolgreich überstehen will, sollte weniger auf makroökonomische Kennzahlen wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schauen – und stattdessen die Unternehmensgewinnmargen sowie die Bewertungsniveaus am Aktienmarkt genau im Blick behalten. Diese Größen spiegeln wider, wie widerstandsfähig Unternehmen in einem schwierigen Umfeld tatsächlich sind.
Das KGV – also das Verhältnis des Aktienkurses zum Unternehmensgewinn – ist ein klassisches Bewertungsinstrument. Ein hohes KGV signalisiert, dass Anleger bereit sind, viel für zukünftige Gewinne zu zahlen. In einer Rezession geraten solche hoch bewerteten Aktien besonders unter Druck, wenn die Gewinne einbrechen. Umgekehrt können günstig bewertete Unternehmen mit stabilen Margen auch in schwierigen Zeiten attraktiv bleiben.
Marktrauschen ausblenden – eine Frage der Disziplin
Die eigentliche Botschaft für Privatanleger ist eine disziplinäre: Wer in turbulenten Zeiten das Marktrauschen – also kurzfristige Schlagzeilen, Rezessionsängste und Stimmungsschwankungen – ausblenden kann, ist langfristig besser positioniert. Die Konzentration auf fundamentale Unternehmensdaten statt auf makroökonomische Szenarien kann dabei helfen, emotionale Fehlentscheidungen zu vermeiden.
Mark Hulbert ist Kolumnist für MarketWatch und betreibt den Dienst Hulbert Ratings, der Investment-Newsletter verfolgt, die eine Pauschalgebühr für eine Prüfung entrichten. Sein Ansatz mahnt zur Nüchternheit: Rezessionen sind real, aber ihre Auswirkungen auf den Aktienmarkt hängen von Faktoren ab, die viele Anleger zu wenig beachten.
