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Rekordverschuldung: Billionen-Dollar-Hebel treibt Aktienmarkt in gefährliche Höhen

US-Wertpapierverschuldung erreicht 1,4 Billionen Dollar – Experten warnen vor unterschätzten Risiken durch mehrfach gestapelte Hebelprodukte.

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Rekordverschuldung: Billionen-Dollar-Hebel treibt Aktienmarkt in gefährliche Höhen

Anleger weltweit setzen wie nie zuvor auf Wertpapierkredite und gehebelte Finanzprodukte, um ihre Aktienrenditen zu maximieren. Die US-Wertpapierverschuldung – also das Kapital, das Anleger bei ihren Brokern für den Kauf von Wertpapieren leihen – stieg laut Daten der Finra im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 54 Prozent auf ein Rekordniveau von 1,4 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig wachsen hochriskante gehebelte börsengehandelte Fonds (ETFs), die die tägliche Bewegung der zugrunde liegenden Aktien verdoppeln oder verdreifachen, rasant an.

Das verwaltete Vermögen in gehebelten ETFs hat sich laut FactSet zwischen dem 30. März und dem 3. Juni nahezu verdoppelt und erreichte einen Rekordwert von 220 Milliarden US-Dollar. Käufer reichen dabei von professionellen Hedgefonds bis hin zu Privatanlegern, die über Plattformen wie Robinhood handeln. Die beliebtesten Angebote beziehen sich auf Indizes von Technologie- und Halbleiteraktien sowie auf Einzelunternehmen wie Tesla, Nvidia und seit Kurzem auch SpaceX.

Warnsignal aus Südkorea

Die Risiken dieser Entwicklung wurden in der vergangenen Woche in Südkorea sichtbar. Der dortige Markt, der von boomenden Halbleiteraktien dominiert wird, erlebte starke Kursschwankungen, die sogenannte Circuit Breaker auslösten – automatische Handelsunterbrechungen, die Verluste im Abwärtstrend begrenzen sollen. Als die verschlechterte Stimmung auf den US-Handel übergriff und KI-bezogene Aktien traf, schlugen zahlreiche Anleger und Analysten Alarm.

Mark Hackett, Chef-Marktstratege der Investmentmanagement-Gruppe von Nationwide, äußerte sich besorgt über die aktuelle Lage: „Ich fürchte, dass wir einen unbeabsichtigten Hebel aufbauen, der nicht vollständig verstanden wird." Er beschreibt das Phänomen anschaulich: „Man hat es mit Leuten zu tun, die eine Lotterie-Mentalität an den Tag legen und Wertpapierkredite nutzen, um Optionen auf gehebelte ETFs zu kaufen. Das sind drei oder vier Ebenen."

Mehrfach gestapelte Risiken

Genau diese Kombination aus verschiedenen Hebelprodukten bereitet Experten besondere Sorgen. Wenn Anleger Kredite aufnehmen, um damit Optionen auf bereits gehebelte ETFs zu kaufen, potenzieren sich die Risiken auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Im Falle eines Markteinbruchs können Verluste dadurch ein Vielfaches des ursprünglich eingesetzten Kapitals übersteigen.

Für deutsche Privatanleger ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen relevant. Erstens sind deutsche Depots über internationale Fonds und ETFs eng mit dem US-Markt verknüpft. Zweitens zeigt die Geschichte – etwa während der Dotcom-Blase oder der Finanzkrise 2008 – dass übermäßige Hebelwirkung im System zu abrupten und weitreichenden Kurseinbrüchen führen kann, die auch europäische Märkte hart treffen. Drittens gewinnen auch hierzulande gehebelte Produkte unter Privatanlegern zunehmend an Beliebtheit.

Der aktuelle Boom bei gehebelten ETFs und Wertpapierkrediten spiegelt eine breite Risikobereitschaft wider, die typischerweise in späten Phasen eines Bullenmarktes auftritt. Ob die Märkte diese Schuldenlast verkraften können oder ob ein externer Schock – wie zuletzt in Südkorea zu beobachten – eine Kettenreaktion auslöst, bleibt eine der zentralen Fragen für Anleger in den kommenden Monaten.

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