Razzia bei Guotai Junan: Hongkonger Aktien unter Druck
Antikorruptionsbehörden durchsuchen Büros des chinesischen Brokers – auch CITIC-Tochter CLSA im Visier der Regulierer.

Die Aktien von Guotai Junan International haben am Donnerstag im Hongkonger Handel deutlich nachgegeben. Auslöser war eine Razzia der Hongkonger Behörden in den Geschäftsräumen des chinesischen Wertpapierhauses. Ein Mitarbeiter wurde dabei festgenommen.
Die Aktie von Guotai Junan International (HK: 1788) verlor 4,6 Prozent und notierte bei HK$ 2,50. Das Unternehmen bestätigte in einer offiziellen Börsenmitteilung, dass sowohl die Securities and Futures Commission (SFC) als auch die Independent Commission Against Corruption (ICAC) die Hongkonger Unternehmenszentrale durchsucht hätten. Die ICAC ist Hongkongs unabhängige Antikorruptionsbehörde und gilt als eine der schlagkräftigsten Ermittlungsbehörden Asiens.
Guotai Junan erklärte, vollständig mit den Behörden zu kooperieren. Der laufende Geschäftsbetrieb werde ungeachtet der Ermittlungen wie gewohnt fortgesetzt. Über die konkreten Hintergründe der Razzia machte das Unternehmen zunächst keine Angaben.
CLSA ebenfalls im Fokus der Ermittler
Unabhängig davon geriet auch CITIC Securities (HK: 6030) unter Druck. Die Aktie fiel um 2,9 Prozent auf HK$ 24,56. Hintergrund ist ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, wonach die Hongkonger Wertpapieraufsicht SFC gegen CLSA ermittelt – eine lokale Tochtergesellschaft von CITIC. Im Mittelpunkt stehen demnach die Abwicklung einiger jüngster Aktienverkäufe.
Bei beiden Werten fiel der Rückgang damit deutlich stärker aus als beim breiten Markt. Der Hang Seng Index verlor am selben Tag lediglich 1,2 Prozent. Die in Shanghai notierten Aktien von CITIC gaben um 0,9 Prozent nach.
Die Vorgänge rücken die Compliance-Standards chinesischer Broker in Hongkong erneut ins Rampenlicht. Für deutsche Anleger mit Exposure in chinesische Finanzwerte oder Hongkonger Aktien sind derartige Regulierungsrisiken ein wichtiger Faktor bei der Portfoliobewertung.
