Raymond James stuft Instacart hoch – KI-Einkauf als Wachstumstreiber
Analyst Josh Beck sieht im neuen „Cart Assistant" einen unterschätzten Wendepunkt für die Online-Lebensmittelplattform Instacart.

Raymond James hat Maplebear, die Muttergesellschaft von Instacart, auf „Outperform" hochgestuft und ein Kursziel von 50 US-Dollar festgelegt. Die Investmentbank begründet die Aufwertung mit dem offiziellen Start des KI-gestützten „Cart Assistant"-Tools, das die Analysten als unterschätzten Wachstumskatalysator für die Online-Lebensmittelplattform betrachten. Die Hochstufung erfolgte am Donnerstag in einer Mitteilung an Kunden.
Analyst Josh Beck hebt hervor, dass der Lebensmitteleinzelhandel eine der komplexesten und am wenigsten digitalisierten E-Commerce-Kategorien überhaupt sei. Die Online-Penetrationsrate liegt laut Beck bei lediglich rund 13 Prozent – ein deutlicher Kontrast zu Bereichen wie Bekleidung, Elektronik oder Haushaltswaren, wo die Online-Durchdringung bei 40 Prozent oder mehr liegt. Dieses Gefälle verdeutlicht das erhebliche Wachstumspotenzial, das Instacart noch ausschöpfen kann.
Cart Assistant als Schlüssel zur höheren Konversion
Der neue Cart Assistant setzt auf sogenannte agentische Einkaufserlebnisse: Nutzer können Einkaufslisten per natürlicher Sprache erstellen, erhalten maßgeschneiderte Produktempfehlungen und profitieren von integrierten Tools zur Schnäppchensuche. Beck erwartet, dass diese Funktionen zu einer deutlichen Steigerung der Konversionsraten und der durchschnittlichen Bestellwerte führen werden. „Der offizielle Start des Cart Assistant ist ein unterschätzter Rückenwind, der in den kommenden Monaten und Quartalen auf die Instacart-Website/-App sowie auf Unternehmenspartner wie Kroger zukommt", schrieb Beck in seiner Analyse.
Raymond James schätzt die aktuelle Konversionsrate von Instacart auf Basis von Drittanbieter-Traffic-Daten auf etwa 13 Prozent und sieht durch den Cart Assistant konkretes Verbesserungspotenzial. Darüber hinaus könnten agentische Plattformen von Drittanbietern wie ChatGPT, Gemini und Meta AI neue monatlich aktive Besteller über die bestehende Basis von 10 Millionen Nutzern hinaus gewinnen. Dies würde die Reichweite von Instacart erheblich ausweiten, ohne dass das Unternehmen selbst massiv in Nutzerakquise investieren müsste.
Wettbewerb mit Amazon: Strukturell unterschiedliche Märkte
Zur viel diskutierten Wettbewerbsbedrohung durch Amazon liefert Beck eine aufschlussreiche Analyse. Ein Test-Warenkorb in Valdosta, Georgia, zeigte: Zwar bot Amazon-Winn-Dixie einen Rabatt von rund 50 US-Dollar auf eine große Bestellung an, doch das Lieferfenster von Instacart mit ein bis zwei Stunden schnitt deutlich besser ab als die drei bis fünf Stunden bei Amazon. Beck wertet dies als Hinweis auf strukturell unterschiedliche Märkte – Instacart positioniert sich klar im Segment der schnellen, bedarfsorientierten Lieferung.
Auf Basis dieser Einschätzungen hat Raymond James seine Schätzungen für das Bruttotransaktionsvolumen (GTV) deutlich angehoben. Für 2026 erwartet die Bank nun ein GTV von 42,1 Milliarden US-Dollar, für 2027 von 47,7 Milliarden US-Dollar – damit liegt Raymond James an der Spitze der Analystenschätzungen an der Wall Street. In einem optimistischen Szenario („Bull Case") sehen die Analysten sogar ein Kursziel von 65 US-Dollar, basierend auf einer Ertragskraft von rund 5 US-Dollar je Aktie und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13.
