Puma-Aktie: Anta Sports steigt ein – Chance oder Risiko?
Der chinesische Sportartikelhersteller Anta Sports übernimmt 29 Prozent an Puma für 1,5 Milliarden Euro. Während die Aktie daraufhin vier Prozent zulegte, stellt sich die Frage: Kann der neue Großaktionär dem kriselnden Herzogenauracher Konzern im wichtig

Die Übernahmegerüchte der vergangenen Monate sind Realität geworden: Anta Sports aus Jinjiang sichert sich den 29-Prozent-Anteil an Puma von der französischen Milliardärsfamilie Pinault. Der Kaufpreis: rund 1,5 Milliarden Euro. Die Puma-Aktie reagierte mit einem Kurssprung von vier Prozent auf die Nachricht.
Puma steckt in der Krise
Der fränkische Sportartikelhersteller durchlebt schwere Zeiten. Mehrere Gewinnwarnungen, Prognosekorrekturen und ein Führungswechsel haben tiefe Spuren hinterlassen. In den vergangenen drei Jahren hat die im M-DAX notierte Aktie mehr als 60 Prozent an Wert verloren. Seit die Übernahmespekulationen im November 2024 aufkamen, konnte sich der Kurs allerdings um etwa zehn Prozent erholen.
Die Probleme gehen tiefer: Puma (8,8 Milliarden Euro Umsatz) ist von Platz drei der globalen Sportartikelhersteller auf Rang fünf abgerutscht. Der kanadische Yoga-Spezialist Lululemon (9,2 Milliarden Euro) hat den Konzern bereits überholt. Auch die US-Konkurrenten Skechers (8,3 Milliarden Euro) und New Balance (7,2 Milliarden Euro) dürften bald vorbeiziehen.
China-Geschäft als Schwachstelle
Besonders im wachstumsstarken chinesischen Markt läuft es nicht rund. Während der Sportbekleidungsmarkt dort laut Ken Research bis 2030 jährlich um zehn Prozent zulegen soll, kommt Puma kaum zum Zug. Der Marktanteil liegt deutlich unter fünf Prozent.
Die Gründe sind teils hausgemacht: Erst seit 2011 führt Puma seine China-Geschäfte komplett eigenständig. Der damalige CEO Jochen Zeitz räumte ein, dass andere "früher und schneller" gewesen seien. Hinzu kommt eine ungünstige Positionierung: Puma gilt in China primär als Lifestyle-Marke, nicht als Sportmarke.
Anta als Türöffner?
Genau hier könnte der neue Großaktionär ansetzen. Anta Sports beherrscht den chinesischen Markt wie kaum ein anderer. Je nach Quelle ist das Unternehmen entweder Marktführer oder liegt knapp hinter Nike. Auf den weiteren Plätzen folgen Adidas und Li Ning.
Anta hat bereits bewiesen, dass es westliche Marken in China erfolgreich positionieren kann. Nach der Übernahme von Amer Sports 2019 – mit Marken wie Arc'teryx, Salomon und Wilson – legte das China-Geschäft im dritten Quartal 2024 um 47 Prozent zu. Der Konzern verfügt über eigene Fabriken, lokale Marktkenntnis und die richtigen Kontakte.
Droht eine Komplettübernahme?
Anta betont zwar, derzeit keine weitergehenden Übernahmepläne zu verfolgen. Doch die jüngere Konzerngeschichte legt einen anderen Schluss nahe. Die Amer-Sports-Übernahme erfolgte mit Unterstützung der chinesischen Beteiligungsgesellschaft Fountainvest.
Für Anta wäre eine Mehrheitsbeteiligung oder Komplettübernahme durchaus attraktiv. Der Konzern tut sich außerhalb Chinas schwer, an Relevanz zu gewinnen. Eine etablierte europäische Sportmarke wie Puma würde das Portfolio ideal ergänzen.
Geopolitische Bedenken
Die Übernahme durch einen chinesischen Investor weckt in Deutschland traditionell Sorgen: Wissensabfluss, Kontrollverlust, geopolitische Abhängigkeiten. Im konkreten Fall könnte die Partnerschaft jedoch beiden Seiten nutzen. Puma erhält Zugang zum wichtigen China-Markt, Anta gewinnt an internationaler Präsenz.
Für Anleger bleibt die Situation spannend. Die Puma-Aktie hat auf die Nachricht positiv reagiert. Ob der chinesische Großaktionär tatsächlich die erhoffte Trendwende einleiten kann, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen müssen.
