Prozessauftakt gegen Ex-VW-Chef Winterkorn im Dieselskandal
Winterkorn weist alle Vorwürfe zurück und betont seine Unschuld im Milliarden-Skandal

Der Strafprozess gegen den ehemaligen Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat nach langer Verzögerung vor dem Landgericht Braunschweig begonnen. Winterkorn, der als eine der Schlüsselfiguren im Dieselskandal gilt, wies alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden zurück. Sein Verteidiger Felix Dörr betonte, dass die Anschuldigungen ungerechtfertigt seien. Winterkorn sei weder der Hauptangeklagte noch der Hauptverantwortliche im Zusammenhang mit den Dieselmanipulationen bei Volkswagen. Allein seine Position als damaliger Vorstandsvorsitzender des Unternehmens reiche nicht aus, um ihn für den gesamten Skandal verantwortlich zu machen.
Der Dieselskandal wurde am 18. September 2015 bekannt, als US-Behörden offenlegten, dass Volkswagen in vielen seiner Dieselfahrzeuge eine illegale Software zur Manipulation der Abgaswerte eingesetzt hatte. Diese Software sorgte dafür, dass die Fahrzeuge nur unter Testbedingungen die vorgeschriebenen Abgasnormen erfüllten, während die Emissionen im normalen Straßenbetrieb deutlich höher waren. Insgesamt waren weltweit mehr als elf Millionen Fahrzeuge von dieser Manipulation betroffen. Volkswagen musste infolgedessen über 30 Milliarden Euro für Strafen und Anwaltskosten aufbringen. Trotz der massiven Auswirkungen trat Winterkorn kurz nach Bekanntwerden des Skandals zurück, wies jedoch jede Verantwortung für die Manipulationen zurück.
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wirft Winterkorn unter anderem gewerbsmäßigen Betrug, Marktmanipulation und uneidliche Falschaussage vor. Diese Anklagen basieren auf der Annahme, dass Winterkorn spätestens seit Sommer 2015 von den Manipulationen wusste, diese jedoch bewusst verschwieg. Zudem soll er den Kapitalmarkt nicht rechtzeitig über die drohenden finanziellen Risiken durch mögliche Schadensersatzforderungen und Strafen in den USA informiert haben. Auch wird ihm vorgeworfen, den Untersuchungsausschuss des Bundestags belogen zu haben, als er 2017 angab, erst im September 2015 von der illegalen Software erfahren zu haben.
Ursprünglich sollte der Prozess gegen Winterkorn bereits im Herbst 2021 beginnen, wurde jedoch wegen der Corona-Pandemie und Winterkorns gesundheitlichen Problemen verschoben. Aufgrund mehrerer Hüftoperationen wurde er damals als verhandlungsunfähig eingestuft. Der Prozess gegen vier weitere VW-Manager, die ebenfalls wegen Betrugsvorwürfen angeklagt sind, läuft derzeit noch und soll bis Januar 2025 andauern. Es bleibt unklar, ob Winterkorn sich im laufenden Strafprozess zu den Vorwürfen äußern wird. Der Ausgang des Verfahrens ist ungewiss, und es könnte von einem Freispruch bis zu einer mehrjährigen Haftstrafe reichen.
