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Prognosemärkte: Evercore ISI nennt Formel für zuverlässige Vorhersagen

Hohes Handelsvolumen und klare Fragen machen Prognosemärkte laut Evercore ISI besonders treffsicher – doch die meisten Kontrakte scheitern daran.

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Prognosemärkte: Evercore ISI nennt Formel für zuverlässige Vorhersagen

Hohes Handelsvolumen, kurzfristige Laufzeiten und eindeutige Fragestellungen – das sind laut den Strategen von Evercore ISI die entscheidenden Zutaten, die Prognosemärkte zu verlässlichen Vorhersageinstrumenten machen. Unter der Leitung von Julian Emanuel analysierte das Team, unter welchen Bedingungen Plattformen wie Kalshi und Polymarket tatsächlich nützliche Wahrscheinlichkeiten liefern.

Die Kernaussage der Analyse ist klar: Kontrakte mit höherem Handelsvolumen liefern zuverlässigere Wahrscheinlichkeiten als marktenge Märkte. Zudem weisen Kontrakte, die näher an ihrem Fälligkeitsdatum liegen, eine höhere Vorhersagekraft auf als langfristige Kontrakte. Trotz des starken Wachstums der Branche vermieden die Evercore-Strategen es jedoch, Prognosemärkte als ultimativen Wegweiser zu bezeichnen.

Das Volumenproblem: Nur 8 Prozent der Kontrakte sind wirklich liquide

Ein zentrales Hindernis bleibt das geringe Handelsvolumen der meisten Kontrakte. Evercore fand heraus, dass lediglich rund 8 Prozent der Ereignisse auf Kalshi und Polymarket ein Volumen von über einer Million US-Dollar erreichen. Mit Stand Freitagnachmittag wiesen fast 60 Prozent der aktiven Märkte auf beiden Plattformen ein Handelsvolumen von weniger als 1.000 US-Dollar auf. Nur etwa 5,3 Prozent der Märkte kamen auf ein Volumen von mindestens 100.000 US-Dollar.

Diese Zahlen verdeutlichen, wie dünn der Markt in der Breite tatsächlich ist. Ein marktenger Markt, der plötzlich von einem einzelnen großen Händler bewegt wird, kann das Marktergebnis verzerren und falsche Signale senden, warnten die Analysten. Für Anleger und Beobachter, die Prognosemärkte als Informationsquelle nutzen wollen, ist Vorsicht geboten.

Dennoch sehen die Strategen klare Stärken: Bei chaotischen makroökonomischen Ereignissen florieren Prognosemärkte, da sie direkt auf Schlagzeilen und reale Ereignisse reagieren. Im Gegensatz dazu können traditionelle Prognoseinstrumente mit Umfragefehlern, Expertenvoreingenommenheit oder subjektiven Urteilen behaftet sein. Hinzu kommt, dass ein Markt seine Teilnehmer finanziell bestraft, wenn sie falsch liegen – ein disziplinierender Mechanismus, den Umfragen nicht bieten.

Händlervielfalt als Stärke und Schwäche zugleich

Die Mischung aus Makro-Tradern, Branchenexperten und regionalen Akteuren gilt als Vorteil der Prognosemärkte. Doch genau diese Vielfalt kann auch zum Problem werden. Die Beweggründe für den Handel reichen von Unterhaltung bis hin zur Absicherung, was den Marktpreis laut den Analysten „verunreinigen" kann. Bei geopolitischen Märkten etwa könnte ein Kontrakt weniger eine echte Vorhersage widerspiegeln als vielmehr eine politische Ansicht oder eine emotionale Reaktion auf Angst.

Auch die Formulierung der Fragen spielt eine entscheidende Rolle. Märkte mit objektiven, eindeutigen Ergebnissen funktionieren besser als solche mit zweideutigen Fragestellungen. Als Beispiel nannten die Strategen die Frage „Wird ein Waffenstillstand halten?" – eine Formulierung, die erheblichen Interpretationsspielraum lässt. Wenn solche Kontrakte abgerechnet werden, dreht sich die Diskussion möglicherweise weniger um das tatsächliche Ereignis als um die genaue Erfüllung der Vertragsformulierung.

Vereinfachte Kontrakte haben ihrerseits ebenfalls Nachteile: Sie können daran scheitern, das vollständige Bild eines komplexen Ereignisses abzubilden. Es bleibt also ein Zielkonflikt zwischen Klarheit und Vollständigkeit.

Rasanter Aufstieg durch CFTC-Entscheidung und Wahlen 2024

Den rasanten Aufstieg der Prognosemärkte führen die Evercore-Strategen auf mehrere Faktoren zurück: institutionelle Aufmerksamkeit, verbesserte Infrastruktur, eine wachsende Breite an Kontrakten sowie die wegweisende Entscheidung der US-Aufsichtsbehörde CFTC aus dem Jahr 2024, wahlbezogene Kontrakte auf Kalshi zuzulassen. Die führenden Plattformen Kalshi und Polymarket verzeichneten während der US-Präsidentschaftswahlen 2024 bereits deutliches Wachstum – im Herbst 2025 schoss das Handelsvolumen dann förmlich in die Höhe.

Für deutsche Anleger und Marktbeobachter sind Prognosemärkte ein zunehmend relevantes Instrument zur Einschätzung politischer und makroökonomischer Risiken. Die Analyse von Evercore ISI liefert dabei einen nüchternen Rahmen: Wer die Signale dieser Märkte richtig interpretieren will, sollte stets Volumen, Laufzeit und Frageformulierung im Blick behalten.

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