PepsiCo unter Druck: Elliott-Turnaround muss endlich Ergebnisse liefern
Sieben Monate nach Elliots Milliarden-Einstieg wartet der Markt auf Beweise, dass Preissenkungen und Restrukturierung wirklich greifen.

PepsiCo steht vor einem entscheidenden Moment. Sieben Monate nachdem der aktivistische Investor Elliott Investment Management eine Beteiligung in Höhe von 4 Milliarden US-Dollar an dem US-Getränkeriesen bekannt gegeben hat, erwartet der Markt handfeste Beweise dafür, dass die eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen tatsächlich Früchte tragen. Am 16. April legt PepsiCo seine Ergebnisse für das erste Quartal vor – ein Termin, dem Anleger mit besonderer Spannung entgegenblicken.
Das Unternehmen kämpft seit Jahren mit strukturellen Problemen. Seit 2021 verzeichnet PepsiCo rückläufige jährliche Absatzvolumina. In den vergangenen fünf Jahren blieben die Aktien deutlich hinter dem Erzrivalen Coca-Cola zurück. Inflationsgeplagte Verbraucher greifen zunehmend zu kleineren Packungsgrößen und wenden sich verstärkt gesünderen Snackalternativen zu – ein Trend, der PepsiCo besonders hart trifft, da das Unternehmen neben Getränken auch stark im Snackgeschäft verankert ist.
Preissenkungen und Restrukturierung als Antwort
CEO Ramon Laguarta reagierte im Dezember mit einer umfassenden Überprüfung der nordamerikanischen Lieferkette und kündigte aggressive Kostensenkungen an. Dieser Schritt folgte auf wochenlange Gespräche mit Elliott, das öffentlich gefordert hatte, das Abfüllgeschäft neu zu konzessionieren oder auszugliedern sowie Randbereiche des Lebensmittelgeschäfts zu veräußern. Im Februar folgte eine weitere Maßnahme: PepsiCo senkte die Preise für Kernmarken seiner Snack-Sparte Frito-Lay – darunter Lay's und Doritos – um bis zu 15 Prozent. Dies geschah nach heftiger Kritik der Verbraucher an vorangegangenen Preiserhöhungen.
Laguarta erklärte, dass die Snack-Sparte Frito-Lay im März und April ein zweistelliges Wachstum bei der Regalfläche verzeichnen werde. Investoren suchen nun nach Belegen, dass sich diese Maßnahmen in höheren Absatzmengen und organischem Wachstum in Nordamerika niederschlagen. PepsiCo wird derzeit mit einem Abschlag gegenüber seinem historischen Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt.
Stephanie Ling, Chief Investment Officer bei Hightower Advisors und Anteilseignerin von PepsiCo, zeigt sich vorsichtig optimistisch: „Wenn PepsiCo ein organisches Wachstum von 0% bis 2% erzielen kann, werden die Anleger zufrieden sein." Die Zusammenarbeit mit Elliott sowie die Ernennung des ehemaligen Walmart-Managers Steve Schmitt zum Finanzvorstand im November seien positive Signale. „Dies sind alles Katalysatoren dafür, dass sie ihre Angelegenheiten in den Griff bekommen", sagte Ling gegenüber Reuters. „Und ich glaube, das werden sie."
Kostendruck durch Inflation und geopolitische Risiken
Doch die Rahmenbedingungen bleiben schwierig. Stark steigende Energiekosten haben zum schnellsten Anstieg der US-Verbraucherpreise seit fast vier Jahren geführt. Der Internationale Währungsfonds warnte zudem vor unvermeidlich höherer Inflation und langsamerem Wachstum. Für Konsumgüterunternehmen wie PepsiCo bedeuten steigende Rohstoff- und Logistikpreise erheblichen Margendruck – insbesondere bei Verpackungskosten.
Kai Lehmann, Senior Research Analyst bei Flossbach von Storch – einem der 30 größten Investoren von PepsiCo – äußert sich skeptisch zur Nachhaltigkeit der Preisstrategie: „Pepsis Preissenkungsstrategie kann als vorübergehende Stabilisierung des Geschäfts funktionieren – jedoch nicht als nachhaltige Lösung. Denn auf lange Sicht wird Pepsi entweder die Preise wieder erhöhen oder strukturell niedrigere Margen akzeptieren müssen."
Auch in Indien spitzt sich die Lage zu. PepsiCo India hat vor begrenzten Beständen an Flüssiggas (LPG) in einigen Lebensmittelverarbeitungsbetrieben, möglichen Verpackungsengpässen und höheren Kosten gewarnt. Hintergrund ist eine Regierungsanordnung, die heimische LPG-Versorgung zu priorisieren – wie aus einem Reuters vorliegenden Brief an das indische Ministerium für Lebensmittelverarbeitung hervorgeht.
Signale aus dem Vertrieb bereiten Sorgen
Mark Pacitti, Gründer und Geschäftsführer der Research-Plattform Woozle, weist auf weitere Warnsignale hin. Die Preise für PET-Harz und Aluminium lägen deutlich über dem, was die Unternehmensprognosen implizieren. Zudem hätten mehrere Vertriebshändler unabhängig voneinander berichtet, dass PepsiCo-Außendienstmitarbeiter ungewöhnlich unverbindlich in Bezug auf künftige Preisgestaltungen gegenüber Kunden seien. „Das ist immer ein deutliches Anzeichen dafür, dass die Kostentransparenz gering ist und man sich bedeckt hält, was eine erneute Kehrtwende bei der Preisgestaltung in naher Zukunft betrifft", so Pacitti.
PepsiCo sichert verpackungsrelevante Rohstoffe – wie auch Coca-Cola – in der Regel etwa neun bis zwölf Monate im Voraus ab, wie Nik Modi, Analyst bei RBC Capital Markets, erläutert. Dies könnte den unmittelbaren Kostendruck abmildern. Ob der Inflationsdruck auf die Verbraucher jedoch der entscheidendere Faktor in diesem Jahr sein wird, bleibt abzuwarten. Die Quartalszahlen vom 16. April dürften erste Antworten liefern.
