PayPal als Übernahmekandidat: Stripe bietet 53 Milliarden Dollar
Stripe und Advent wollen PayPal für 53 Milliarden Dollar übernehmen – doch der Verwaltungsrat lehnte das Angebot als zu niedrig ab.
PayPal gehört zu den bekanntesten Namen im digitalen Zahlungsverkehr. Weltweit zählt der Konzern 439 Millionen aktive Konten, in Deutschland hält er laut dem Handelsforschungsinstitut EHI einen Marktanteil von knapp 30 Prozent am Online-Umsatz. Gegründet wurde das Unternehmen einst von Tesla-Chef Elon Musk und Tech-Investor Peter Thiel. Umso überraschender ist die Nachricht, dass PayPal nun selbst zum Übernahmeziel geworden ist.
Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, haben der Zahlungsabwickler Stripe und der Finanzinvestor Advent ein gemeinsames Angebot in Höhe von 53 Milliarden Dollar vorgelegt. Die Offerte soll bei rund 60 Dollar je Aktie liegen. Beide Bieter wollen jeweils die Hälfte des Unternehmens übernehmen. Für die Finanzierung hätten die Großbanken JPMorgan und Morgan Stanley ein Paket von rund 50 Milliarden Dollar bereitgestellt, während Stripe und Advent selbst 17 Milliarden Dollar an Eigenkapital einbringen würden.
Verwaltungsrat lehnt Angebot ab
Der Verwaltungsrat von PayPal hat die Offerte laut Reuters-Informationen aus Insiderkreisen als zu niedrig eingestuft. Zudem wurden regulatorische und finanzielle Hürden als Bedenken angeführt. Die beteiligten Unternehmen selbst haben sich bislang nicht öffentlich geäußert. Ein Zusammenschluss von PayPal und Stripe würde den weltweit größten Anbieter für Online-Zahlungen entstehen lassen.
An der Börse sorgte die Übernahmefantasie dennoch für Auftrieb: Allein seit Mittwoch legte die PayPal-Aktie rund 20 Prozent zu. Damit erhält der seit Jahren unter Druck stehende Kurs zumindest kurzfristig Rückenwind. Denn der langfristige Kursverlauf zeichnet ein ernüchterndes Bild: Vom Rekordhoch bei 310 Dollar vor fünf Jahren ist der Kurs auf aktuell rund 57 Dollar gefallen – ein Wertverlust von mehr als 80 Prozent.
Wettbewerb und verpasste Trends belasten das Geschäft
Der Absturz hat strukturelle Ursachen. Tech-Giganten wie Apple und die Google-Mutter <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AGOOG">Alphabet haben sich im Bereich digitaler und mobiler Zahlungen stark positioniert und PayPal zunehmend Marktanteile abgenommen. An der Supermarktkasse dominieren heute Apple Pay und Google Pay – PayPal ermöglicht solche Offline-Zahlungen in Deutschland erst seit dem Sommer 2025. Hinzu kommen europäische Alternativen wie die Zahlungslösung Wero.
Auch beim Trend „Buy now, pay later" – also dem Ratenkauf – hat PayPal den Anschluss verpasst. Davon profitierte vor allem das schwedische Fintech Klarna, das dieses Segment frühzeitig für sich besetzte. PayPal reagierte zu spät und zu zögerlich auf die veränderten Verbraucherpräferenzen.
Anfang des Jahres zog das Unternehmen personelle Konsequenzen: CEO Alex Chriss musste nach nur zwei Jahren das Unternehmen verlassen. Ihm war es nicht gelungen, PayPal neu auszurichten und neue Produkte erfolgreich zu etablieren.
Neuer Chef setzt auf KI und Krypto
Sein Nachfolger Enrique Lores arbeitet nun an einem umfassenden Umbau des Geschäftsmodells. Neben den klassischen Bezahlfunktionen und der App Venmo baut PayPal eine eigene Sparte für Kryptowährungen auf – inklusive der hauseigenen Digitalwährung PYUSD und der Zahlungsabwicklungstochter Braintree. Lores setzt zudem auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, um interne Prozesse zu verschlanken. In den kommenden zwei bis drei Jahren sollen dadurch Einsparungen von rund 1,5 Milliarden Dollar realisiert werden.
Ob das reicht, um PayPal wieder auf Wachstumskurs zu bringen, bleibt abzuwarten. Für Privatanleger bleibt die Aktie ein Wert mit hohem Risiko – aber auch mit spürbarer Übernahmefantasie.
