PayPal-Aktie bricht ein: HP-Chef Lores übernimmt Führung
Zahlungsriese wechselt CEO aus - Gewinnprognose enttäuscht Anleger deutlich

Die PayPal-Aktie ist im vorbörslichen Handel um fast 16% eingebrochen. Der Verwaltungsrat des Zahlungsdienstleisters begründete den überraschenden Führungswechsel damit, dass das Tempo der Veränderungen unter CEO Alex Chriss nicht den Erwartungen entsprochen habe. Chriss hatte erst vor gut einem Jahr die Führung des Unternehmens übernommen.
Ab dem 1. März wird Enrique Lores die Geschäfte leiten. Der bisherige HP-Chef bringt mehr als sechs Jahre Erfahrung als Präsident und CEO des Unterhaltungselektronikriesen mit. Bis zu seinem Amtsantritt fungiert Finanzvorstand Jamie Miller als Interims-CEO.
Gewinnprognose verfehlt Erwartungen
PayPal rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einem bereinigten Gewinn, der im niedrigen einstelligen Prozentbereich zurückgehen oder nur leicht steigen wird. Analysten hatten hingegen mit einem Wachstum von etwa 8% gerechnet. Die Diskrepanz zwischen Unternehmensausblick und Markterwartungen belastet die Aktie zusätzlich.
Im Weihnachtsquartal verfehlte PayPal die Umsatzerwartungen deutlich. Mit 8,68 Milliarden US-Dollar blieb das Unternehmen unter der Analystenschätzung von 8,80 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,23 Dollar und damit ebenfalls unter der prognostizierten Marke von 1,28 Dollar.
Das gesamte Zahlungsvolumen stieg währungsneutral um 6% auf 475,1 Milliarden US-Dollar. Für einen Zahlungsdienstleister ist das Weihnachtsquartal normalerweise besonders stark, da Verbraucher mehr für Geschenke, Reisen und saisonale Angebote ausgeben.
Schwäche im Kerngeschäft
Besonders besorgniserregend entwickelte sich das margenstarke Branded-Checkout-Geschäft. Das Wachstum verlangsamte sich im vierten Quartal auf nur noch 1%, verglichen mit 6% im Vorjahr. PayPal führt dies auf eine Schwäche im US-Einzelhandel, internationale Gegenwinde und schwierigere Vergleichsbasen zurück.
Der scheidende CEO Chriss hatte den Ausbau dieses Geschäftsbereichs zu einem Hauptziel erklärt und auf "profitables Wachstum" gedrängt. Gleichzeitig sollten die Kosten für die nicht markengebundene Abwicklung gesenkt werden. Die Ergebnisse blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück.
Herausforderndes Marktumfeld
PayPal kämpft mit mehreren Herausforderungen gleichzeitig. Die Handelsvolumina sind nach der Pandemie zurückgegangen, während der Wettbewerbsdruck durch Big-Tech-Konzerne wie Apple und Google sowie neuere Fintech-Rivalen zunimmt. Investoren beobachten besorgt, wie diese Konkurrenten in PayPals Kerngeschäft vordringen.
Zudem schwächelt das Konsumverhalten. Verbraucher leiden unter erhöhten Zinssätzen, hartnäckig hohen Lebenshaltungskosten und Anzeichen eines sich abschwächenden Arbeitsmarktes. Sie schränken diskretionäre Käufe ein und konzentrieren sich auf alltägliche Notwendigkeiten - ein Muster, das auch andere Einzelhändler und Konsumgüterunternehmen bestätigen.
PayPal kündigte kurzfristige Maßnahmen an, um die Dynamik im Online Branded Checkout wiederherzustellen. Ob der neue CEO Lores die Wende schaffen kann, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.
