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Pace Gallery streicht 50 Künstler und 20 Prozent der Belegschaft

Die Megagalerie Pace kündigt drastische Einschnitte an – und stellt damit das gesamte Geschäftsmodell der Kunstbranche infrage.

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Pace Gallery streicht 50 Künstler und 20 Prozent der Belegschaft

Die Pace Gallery, eine der weltweit größten kommerziellen Galerien, hat vergangene Woche einen radikalen Umbau angekündigt. Das Unternehmen trennt sich von mehr als 50 Künstlern aus seinem bisherigen Portfolio von 135 Namen und reduziert die Belegschaft um 20 Prozent auf rund 200 Mitarbeiter. Der Schritt erschüttert eine ohnehin unter Druck stehende Kunstmarktbranche.

Pace-CEO Marc Glimcher ließ keinen Zweifel an der Schwere der Lage. „Das aktuelle Galeriemodell ist nicht nur kaputt, es ist unreparierbar", erklärte er in einer offiziellen Stellungnahme. „Jede Galerie nimmt derzeit vorübergehende Korrekturen und Kompromisse vor, um ein System zu stützen, das nicht mehr funktioniert." Glimcher leitet die 1960 von seinen Eltern gegründete Galerie seit 2011.

Der CEO begründet den Rückzug auch mit dem Verlust persönlicher Nähe zu den Künstlern. „Wenn man 135 Künstler hat, delegiert man alles. Man hat ein Meeting nach dem anderen, einen Zoom-Call nach dem anderen, und man spricht nicht mehr darüber, warum Calder von Drahtskulpturen zu Mobiles überging, weil man einfach keine Zeit mehr dafür hat", sagte Glimcher.

Prominente Namen bleiben, konzeptionelle Künstler gehen

Zu den Künstlern, die im Portfolio verbleiben, gehören David Hockney, Julian Schnabel sowie der Nachlass von Alexander Calder. Zuletzt hatte Pace zudem den Nachlass des Bildhauers Constantin Brâncuşi übernommen. Eine offizielle Liste der ausgeschiedenen Künstler wird nicht veröffentlicht, doch von der Website verschwunden sind unter anderem der Konzeptkünstler Glenn Kaino und das japanische Digitalkollektiv teamLab – eher konzeptionelle und damit wahrscheinlich weniger kommerzielle Positionen.

Auch die Immobilienstrategie wird neu ausgerichtet. Die 8.600 Quadratfuß großen Räumlichkeiten von Pace am Londoner Hanover Square stehen bereits auf dem Mietmarkt. Gerüchten zufolge soll die Galerie ein kleineres Objekt in der Grafton Street ins Auge gefasst haben – in der Nähe der Londoner Standorte von David Zwirner und Sprüth Magers. Glimcher bestätigte, man suche in London nach etwas, das „weniger korporativ" wirke.

An den achtgeschossigen New Yorker Räumlichkeiten hält Pace hingegen fest. Die Jahresmiete soll angeblich 9 Millionen US-Dollar betragen – eine Zahl, die Glimcher weder bestätigt noch dementiert. Er bezeichnete das Gebäude als eine „2015er-Entscheidung", also eine Investition auf dem damaligen Markthöhepunkt, und räumte ein: „Man passt sich an das an, was man hat."

Branche gespalten: Strukturproblem oder Einzelfall?

Die Ankündigung fiel mitten in das London Gallery Weekend, bei dem Galeristen das schwieriger werdende Umfeld offen einräumten. „Der Kampf ist real und der Markt steckt seit Jahren in Schwierigkeiten", sagte Matt Carey-Williams, der eine eigene Galerie in London betreibt. Er verwies auf „eine Reihe traumatischer Schließungen in London", darunter die Galerie Stephen Friedman Anfang dieses Jahres und zuletzt Tiwani Contemporary, ein Raum für zeitgenössische afrikanische und Diaspora-Kunst.

Andere Marktteilnehmer sehen das Problem jedoch eher bei Pace selbst. „Man kann nicht den gesamten Markt über einen Kamm scheren. Wir alle hoffen, Modelle zu entwickeln, die nicht kaputt sind", sagte Galeristin Lyndsey Ingram. Mehrere Teilnehmer des London Gallery Weekend merkten an, dass es bereits seit einigen Jahren Gerüchte über Schwierigkeiten bei Pace gegeben habe.

Kritik entzündete sich vor allem an der Abruptheit des Vorgehens. „Das plötzliche Abstoßen von 100 Existenzen fühlt sich hart an", sagte ein Londoner Galerist. Ein anderer stellte „die Methodik der Entscheidung" infrage, „angesichts unserer Aufgabe, eine Struktur um Künstler herum aufzubauen". Glimcher wies diese Kritik zurück: „Kein anderer Geschäftsmann oder Berater, der Probleme angehen und eine Veränderung bewirken wollte, würde vorschlagen, dies Schritt für Schritt zu tun."

Pace als Warnsignal für die gesamte Branche

Pace gehört neben Gagosian, David Zwirner und Hauser & Wirth zu den sogenannten „Großen Vier" des globalen Kunsthandels. Zum Vergleich: Die Gagosian Gallery vertritt laut einem Sprecher 112 Künstler. Das Modell der Megagalerie – mit globalen Standorten, großen Teams und breiten Künstlerportfolios – steht damit grundsätzlich auf dem Prüfstand.

Glimcher selbst betont, dass seine Aussagen nicht als allgemeines Rezept für die Branche zu verstehen seien. „Wir sprechen hier wirklich nur über Pace und stellen kein Rezept für alle aus. Für uns hat es nicht funktioniert", sagte er. Das wesentliche Problem sei, „dass man ab einer gewissen Größe den Kontakt verliert, und der persönliche Kontakt ist für uns alles."

Carey-Williams unterstreicht diese Einschätzung und betont, wie wichtig es sei, „einen eigenen Raum zu haben, mit Künstlern, die man kennt und für die man verantwortlich ist. Man muss seine Nische kennen." Ingram bringt es auf den Punkt: „Es gibt zu viele Galerien, die versuchen, wie Gagosian zu sein."

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