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Nyrstar unter Verdacht: Belgischer Richter ermittelt wegen Bilanzfälschung

Belgische Ermittler haben den Trafigura-Tochterkonzern Nyrstar offiziell wegen mutmaßlicher Urkundenfälschung und Missbrauchs von Gesellschaftsvermögen unter Verdacht gestellt.

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Nyrstar unter Verdacht: Belgischer Richter ermittelt wegen Bilanzfälschung

Belgische Ermittler haben den Metallproduzenten Nyrstar offiziell unter Verdacht gestellt. Der zuständige Untersuchungsrichter in Antwerpen informierte das Unternehmen über den Verdacht der mutmaßlichen Fälschung, der Verwendung falscher Jahresabschlüsse sowie des Missbrauchs von Gesellschaftsvermögen. Nyrstar gehört zum Rohstoffhandelskonzern Trafigura und steht damit im Zentrum einer sich verschärfenden strafrechtlichen Untersuchung.

Nyrstar erklärte am Montag, bisher keine Einsicht in die Strafakte erhalten zu haben. Das Unternehmen betonte daher, weder zum Inhalt der Vorwürfe noch zu den zugrunde liegenden Fakten Stellung nehmen zu können. Gleichzeitig versicherte Nyrstar, weiterhin mit den Behörden zu kooperieren.

Eskalation eines langjährigen Verfahrens

Die Entwicklung markiert eine erhebliche Eskalation in einem Fall, der bereits seit Jahren öffentlich diskutiert wird. Minderheitsaktionäre und belgische Medien hatten den Fall ins Rollen gebracht, nachdem Nyrstar eine umstrittene Umstrukturierung vollzogen und Vermögenswerte an Trafigura übertragen hatte. Berichte vom Juni 2024 deuteten bereits darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft Antwerpen die Angelegenheit an einen Untersuchungsrichter verwiesen hatte.

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf zwei potenzielle Straftatbestände: erstens die mutmaßliche Fälschung und Verwendung gefälschter Jahresabschlüsse, und zweitens den mutmaßlichen Missbrauch von Gesellschaftsvermögen. Während der Untersuchungsrichter die komplexen strafrechtlichen Ermittlungen leitet, obliegt jede Entscheidung über eine mögliche Anklageerhebung zu einem späteren Zeitpunkt den zuständigen Justizbehörden.

Unabhängig von der strafrechtlichen Untersuchung kam die belgische Finanzaufsicht FSMA im September 2025 zu einem eigenen Ergebnis. Die Behörde stellte fest, dass Nyrstar gegen bestimmte Marktmissbrauchs- und Offenlegungsvorschriften verstoßen hatte – konkret im Zusammenhang mit Informationen über die Liquiditätslage des Unternehmens vor der Umstrukturierung. Die FSMA verhängte eine Geldbuße in Höhe von 80.000 Euro (rund 92.000 US-Dollar). Mehrere andere Vorwürfe wies die Behörde jedoch zurück und sprach die Direktoren von einer persönlichen Beteiligung an dem nachgewiesenen Verstoß frei.

Trafigura verlagert Holdinggesellschaft nach Bermuda

Die Nachricht über die Ermittlungen gegen Nyrstar fällt in eine turbulente Phase für den Mutterkonzern Trafigura. Wenige Wochen zuvor hatte Trafigura angekündigt, seine Holdinggesellschaft Trafigura Beheer BV – über die Mitarbeiter Anteile am Unternehmen halten – von den Niederlanden nach Bermuda zu verlegen. Gründe für die geplante Sitzverlegung nannte das Unternehmen bisher nicht öffentlich.

Der Schritt erfolgte vor dem Hintergrund einer wachsenden Zahl von EU-Vorschriften für multinationale Konzerne. Darunter fällt unter anderem die Corporate Sustainability Due Diligence Directive, die bei Compliance-Verstößen Strafen von bis zu fünf Prozent des weltweiten Umsatzes vorsieht.

Trafigura ist in den Niederlanden kein Unbekannter in Rechtsfragen. Im Jahr 2010 verurteilte ein niederländisches Gericht das Unternehmen zu einer Geldstrafe wegen des illegalen Exports von Giftmüll, der später in Abidjan in der Elfenbeinküste entsorgt worden war. Darüber hinaus untersuchte die niederländische Staatsanwaltschaft eine Zahlung von rund 500.000 US-Dollar, die das Unternehmen im Jahr 2006 in Jamaika im Rahmen eines mutmaßlichen Bestechungsfalls geleistet hatte. Die aktuellen Entwicklungen rund um Nyrstar dürften den Druck auf den Rohstoffriesen weiter erhöhen.

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