Nvidia überzeugt mit Zahlen, doch die Aktie fällt
Trotz starker Quartalsergebnisse und eines 80-Milliarden-Dollar-Rückkaufs reagiert der Markt auf Nvidias Bericht kaum.

Nvidia hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erneut die Erwartungen von Analysten bei Gewinn und Umsatz deutlich übertroffen. Das Unternehmen meldete ein Umsatzwachstum im Rechenzentrumsbereich von fast 100 Prozent im Jahresvergleich und kündigte einen Aktienrückkauf in Höhe von 80 Milliarden US-Dollar an. Zusätzlich änderte Nvidia seine Berichtsstruktur, um die Stärke des Rechenzentrumsgeschäfts noch deutlicher hervorzuheben.
Zahlreiche renommierte Wall-Street-Analysehäuser reagierten positiv auf den Bericht und hoben ihre Kursziele für die Nvidia-Aktie an. Dazu zählen die Bank of America, Jefferies, Bernstein, Wedbush und Evercore ISI. Trotz dieser breiten Unterstützung aus der Analystengemeinschaft notierte die Aktie im frühen Handel am Donnerstag rund ein Prozent im Minus.
Markt zeigt sich selbstgefällig
Derartig starke Quartalsergebnisse hätten in der Vergangenheit nicht nur den Kurs der Nvidia-Aktie in die Höhe schnellen lassen, sondern zeitweise auch eine breitere Marktrallye ausgelöst. Diesmal blieb diese Reaktion aus. Laut dem Trading Desk von Morgan Stanley liegt der Grund dafür in einer zunehmenden Gewöhnung der Marktteilnehmer an Nvidias Erfolge: „Im Großen und Ganzen ist der Markt von Nvidias kontinuierlicher 'Beat and Raise'-Strategie verwöhnt, und die Kursentwicklung verstärkt wahrscheinlich die Präferenz für Speicher- und Rohstofflieferanten gegenüber GPU- und Compute-Anbietern."
Morgan Stanley nennt dabei konkret Unternehmen wie Micron (MU), SanDisk (SNDK), Samsung und SK Hynix als Profiteure dieser Verschiebung. Speicherchip-Aktien gewinnen demnach als treibende Kraft im Bereich der Künstlichen Intelligenz zunehmend an Bedeutung – auf Kosten von GPU-Herstellern wie Nvidia oder Broadcom.
VIX signalisiert geringe Nervosität
Auch der breitere Aktienmarkt zeigt Anzeichen von Selbstgefälligkeit. Der Cboe Volatility Index (VIX), das sogenannte Angstbarometer der Wall Street, notiert bei 17 – deutlich unter dem Höchststand von 35,3, der Anfang März verzeichnet wurde. Ein niedriger VIX-Wert signalisiert, dass Anleger derzeit wenig Angst vor starken Kursschwankungen haben.
Der S&P 500 liegt trotz eines Wochenverlusts von 0,9 Prozent immer noch nur 1,1 Prozent unter seinem Allzeithoch. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass sich die Ölpreise sowohl für die US-Sorte West Texas Intermediate als auch für die europäische Referenzsorte Brent über 100 US-Dollar pro Barrel halten. Hinzu kommen neue Daten, die auf eine steigende Inflation hindeuten.
Die Kombination aus erhöhten Energiepreisen, Inflationsdruck und einem Markt nahe seinem Allzeithoch wirft Fragen auf, ob die aktuelle Bewertung der Risiken durch Anleger angemessen ist. Für Nvidia bedeutet die verhaltene Marktreaktion, dass selbst außergewöhnliche Quartalsergebnisse nicht mehr automatisch für Kursgewinne sorgen – ein Zeichen dafür, wie hoch die Erwartungen an den KI-Chippionier inzwischen gesetzt sind.
