Nike unter Druck: Adidas und Puma wittern Marktanteile
Enttäuschende Nike-Zahlen drücken die Aktie vorbörslich stark, während Adidas und Puma ins Plus drehen.

Die Nike-Aktie steht vorbörslich unter starkem Druck. Der weltweit größte Sportartikelhersteller meldete nach US-Börsenschluss enttäuschende Quartalszahlen: Der Umsatz sank um 4 Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar, der Gewinn ging um 2 Prozent auf 712 Millionen Dollar zurück. Für das laufende Geschäftsjahr stellt das Management sogar einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich in Aussicht.
An der Wall Street reagieren die Anleger nervös. Die Nike-Aktie verliert vorbörslich zeitweise mehr als 10 Prozent. Ein Sanierungsprogramm mit Einsparungen von rund 2,5 Milliarden Dollar, das die Unternehmensleitung angekündigt hat, scheint die Investoren bislang nicht zu versöhnen. Die Skepsis ist groß, ob der Konzern damit schnell genug gegensteuert.
Ganz anders die Konkurrenz aus Deutschland: Adidas und Puma drehen nach einem anfänglichen Minus ins Plus und legen zeitweise bis zu rund 2 Prozent zu. Offenbar setzen Anleger darauf, dass die Schwäche des Marktführers den deutschen Wettbewerbern in die Hände spielt.
Nike-Schwäche gilt als hausgemacht
Experten halten die Probleme von Nike für überwiegend selbst verschuldet. Der Konzern hatte stark auf eigene Vertriebskanäle gesetzt und den klassischen Einzelhandel vernachlässigt. Diese Rechnung geht offenbar nicht auf, weshalb die aktuelle Schwäche nicht als reines Branchenphänomen gewertet wird.
Konkret profitiert Adidas bereits im wichtigen US-Markt: Der deutsche Konkurrent gewinnt Regalplatz im amerikanischen Einzelhandel auf Kosten von Nike. Für Anleger ist das ein wichtiges Signal, denn verfügbare Regalfläche im Handel gilt als Frühindikator für künftige Absätze und damit für das Wachstum einer Marke.
Chinas Markt als entscheidender Schauplatz
Nike hat im Reich der Mitte mit großen Problemen zu kämpfen: Der Umsatz in China ist zuletzt um fast ein Viertel eingebrochen. Der einst starke Wachstumsmarkt wird damit für den Konzern mehr und mehr zum Sorgenkind.
Adidas macht es anders. Die Marke entwickelt Produkte und Design zunehmend vor Ort in China und bedient damit den sogenannten Guochao-Trend – den wachsenden Stolz auf die eigene chinesische Kultur. Auf der Shanghai Fashion Week präsentierte das Unternehmen mehr als 100 Looks mit jungen chinesischen Designern. Mit dieser Strategie punktet Adidas auf einem Markt, der für Nike derzeit schwierig ist.
Die operative Entwicklung gibt dem Konzern Rückenwind: Im zweiten Quartal erzielte Adidas einen Rekord-Nettoumsatz von 6,7 Milliarden Euro, der operative Gewinn stieg um 5 Prozent auf 574 Millionen Euro. Der Ausblick fällt positiv aus, und Analysten trauen Adidas zu, durch die Nike-Schwäche zusätzliche Marktanteile zu gewinnen. Auch Puma könnte profitieren, steckt allerdings selbst im Umbau und verbucht operative Verluste.
Puma-Chef Arthur Höld zeigt sich für die zweite Jahreshälfte dennoch zuversichtlich: „Nach einem soliden ersten Quartal und einem erwartungsgemäß schwächeren zweiten Quartal rechnen wir mit einer schrittweisen Verbesserung der Umsätze in der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres. Das stimmt uns für die weitere Entwicklung des Gesamtjahres zuversichtlich und wir bestätigen unseren Ausblick."
Die gesamte Branche steht unter Druck: Inflation, Zölle und Handelsbarrieren setzen die Hersteller zu. Nach dem Boom während der Corona-Pandemie, als die Sportartikelhersteller glänzende Geschäfte machten, ist das Umfeld spürbar schwieriger geworden. Zunehmende Konkurrenz kostet die Traditionsmarken Marktanteile.
DAX erobert die 25.000 Punkte zurück
Ungeachtet der Nike-Zahlen zeigt sich der deutsche Leitindex robust. Der DAX springt wieder über die Marke von 25.000 Punkten. Fallende Energiepreise und stabilere Anleihe-Renditen stützen das Börsenbarometer.
Die Anleger warten nun gespannt auf die US-Arbeitsmarktdaten und Hinweise der Fed. Frank Sohlleder, Analyst bei ActivTrades, warnt: „Ein starker Arbeitsmarktbericht droht hingegen, die aktuelle Talfahrt drastisch zu beschleunigen." Umgekehrt könnte ein schwacher Job-Report den DAX entlasten und die Zinserhöhungssorgen dämpfen.
Für Privatanleger lohnt sich ein differenzierter Blick. Die Nike-Schwäche ist für Adidas und Puma kurzfristig eine Chance, langfristig entscheidet aber die operative Entwicklung: Wer im hart umkämpften Sportartikelmarkt bestehen will, muss auf schwierigen Märkten wie China punkten und im Einzelhandel präsent bleiben. Marktanteilsgewinne sind kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis einer klaren Strategie.
