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Niedrigwasser am Rhein: Autonome Lkw als Lösung für Logistikkrise

Der Fahrermangel macht das Sonntagsfahrverbot zur Farce – autonome Lkw könnten die strukturelle Krise lösen.

• 2 Min
Niedrigwasser am Rhein: Autonome Lkw als Lösung für Logistikkrise

Das Niedrigwasser am Rhein trifft die deutsche Wirtschaft hart. Lieferketten-Engpässe und Produktionsausfälle drohen – und das in einer ohnehin angespannten Konjunkturlage. Als Reaktion hob die Politik das Sonntagsfahrverbot für Lkw auf. Doch Experten und Marktdaten zeigen: Diese Maßnahme verpufft weitgehend wirkungslos.

Die Auswertung der größten europäischen Frachtbörse Timocom für das Handelsblatt ist eindeutig: Am ersten Wochenende nach der Aufhebung des Fahrverbots gab es keinen nennenswerten Preisanstieg am Transport-Spot-Markt. Der Grund ist simpel – es fehlen schlicht die Fahrer, die die zusätzlichen Touren übernehmen könnten. Hinzu mangelt es an geeigneten Umschlagseinrichtungen für den Wechsel von Schiff auf Lkw sowie an den passenden Chassis.

Struktureller Fahrermangel verschärft die Krise

Der Mangel an Lkw-Fahrern ist kein kurzfristiges Problem, sondern ein tiefgreifendes strukturelles Defizit. In Deutschland fehlen nach aktuellen Schätzungen bis zu 120.000 Fahrer. Jedes Jahr gehen rund 35.000 Berufskraftfahrer in Rente, während lediglich 15.000 Nachwuchsfahrer nachrücken. Das Defizit wächst damit Jahr für Jahr.

Der internationale Wettbewerb um Fahrer verschärft die Lage zusätzlich. So soll etwa die norwegische Post bulgarische und rumänische Fahrer mit höheren Gehältern abgeworben haben. Auch polnische Fahrer, lange eine wichtige Stütze des deutschen Transportmarkts, kommen seltener – weil die Löhne in ihrer Heimat inzwischen konkurrenzfähiger geworden sind. Logistik-Experte Horst Manner-Romberg von der Hamburger Beratung MRU bringt es auf den Punkt: „Nur wenn die vorhandenen Lkw-Fahrer Überstunden leisten, kann die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots einige mögliche Versorgungsschwierigkeiten und -unterbrechungen abmildern."

Ausland zeigt: Autonome Lkw sind keine Zukunftsmusik

Angesichts dieser Gemengelage fordern Beobachter von der Politik mutigere Schritte – allen voran den beschleunigten Einsatz autonomer Lkw. Das Ausland macht vor, was möglich ist. In der chinesischen Metropole Shenzhen mit 18 Millionen Einwohnern dürfen unbemannte Lieferfahrzeuge bereits nachts fahren. Der Fahrdienst Didi plant, bis Jahresende 10.000 autonome Lieferwagen der Stufe Level 4 in 18 Städten einzusetzen. Im südkoreanischen Daegu startet ab Oktober ein Pilotprojekt mit vollbeladenen 11,5-Tonnen-Lkw im realen Betrieb.

Auch deutsche Hersteller sind technologisch weit vorangeschritten. MAN gibt sich nach erfolgreichen Tests zuversichtlich, bis 2030 autonome Lkw auf deutschen Straßen einzusetzen. Daimler Trucks peilt sogar das Jahr 2027 an – allerdings zunächst für den US-Markt, der deutlich weniger reguliert ist als der europäische.

Autobahn als ideales Testfeld für autonomes Fahren

Dabei ist das Argument für den Einstieg überzeugend: Autonome Test-Pkw navigieren bereits durch belebte deutsche Innenstädte. Eine gleichmäßige Fahrt auf der rechten Autobahnspur dürfte technisch deutlich unkomplizierter sein. Bei technischen Problemen bietet der Seitenstreifen eine einfache Ausweichmöglichkeit. Und selbst für die bestehenden Fahrer wäre das Szenario kein Jobkiller: Sie könnten an der Autobahnabfahrt übernehmen, die regionale Feinverteilung übernehmen und abends wieder zuhause schlafen.

Der Einstieg in die autonome Lkw-Logistik erfordert erhebliche Investitionen und politischen Mut – von Unternehmen wie von der Politik gleichermaßen. Doch die aktuelle Krise am Rhein zeigt deutlich: Wer strukturelle Probleme mit kurzfristigen Pflastern überkleben will, löst sie nicht. Aus der Logistikkrise könnte eine echte Innovationschance werden – wenn der Wille dazu vorhanden ist.

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