Nextera Energy: Energie-Aktie ohne Öl-Risiko im Depot
Während Ölwerte durch den Irankonflikt steigen, überzeugt Nextera Energy mit einem ganz anderen Ansatz.

Der Irankrieg treibt die Kurse der großen Ölkonzerne wie Exxon und BP steil nach oben. Hintergrund ist die drohende Sperrung der Straße von Hormus, durch die ein Großteil des weltweiten Öltransports fließt. Doch Anleger, die auf Energie setzen wollen, müssen dabei nicht zwingend auf Öl-Aktien setzen.
Auch andere Energiewerte haben zuletzt deutlich zugelegt – darunter Versorger, die kaum vom Öl- und Gasmarkt abhängen. Die Logik dahinter ist simpel: Diese Unternehmen liefern unabhängig von geopolitischen Krisen im Nahen Osten zuverlässig Strom. Einer der interessantesten Kandidaten in diesem Segment ist der US-Energiekonzern Nextera Energy.
Nextera ist der größte Anbieter erneuerbarer Energien in den USA, mit Schwerpunkt auf Wind- und Solarkraft. Zusätzlich betreibt das Unternehmen aus Florida auch Kernkraftwerke – ein Faktor, der dem Kurs zuletzt Rückenwind verlieh. Die weltweit wachsende Sorge vor Abhängigkeiten von Nahost-Energie befeuert den Nuklearsektor: Die Aktie des kanadischen Uranproduzenten Cameco legte seit Jahresbeginn bereits um 29 Prozent zu.
Atomkraft im Aufwind, aber Wachstum kommt woanders
Zwar planen Länder wie China den Bau von mehr als 40 neuen Atomkraftwerken in den nächsten 15 Jahren. Dennoch sinkt der Anteil der Kernenergie an der globalen Stromproduktion seit Jahren, weil mehr Reaktoren abgeschaltet als neu in Betrieb genommen werden. Nextera plant derzeit keine neuen Atommeiler – ist mit seiner Grünstromsparte aber gut positioniert.
Das eigentliche Wachstumspotenzial liegt bei Nextera in einem anderen Bereich: großen Batteriespeichern. Dieser Geschäftszweig wächst am schnellsten und bedient vor allem Betreiber von Rechenzentren, die verlässlich riesige Energiemengen benötigen. In diesen Speichern wird überschüssiger Wind- und Solarstrom gepuffert und bei Bedarf abgerufen. Zu den prominenten Kunden zählt der Tech-Riese Meta.
Der Boom bei Künstlicher Intelligenz dürfte den Bedarf an neuen Rechenzentren in den USA weiter anheizen – und damit auch die Nachfrage nach Nextera-Strom und -Speicherlösungen. Dieses Wachstumspotenzial erklärt auch die für einen Versorger vergleichsweise hohe Bewertung: Das 23-fache des für 2025 erwarteten Gewinns ist ambitioniert, aber begründbar.
Breite Aufstellung schützt vor Rückschlägen
Sollte sich die KI-Energiefantasie als übertrieben erweisen, bietet Nextera durch sein diversifiziertes Portfolio aus Wind, Solar, Kernkraft und Gas eine solide Absicherung. Hinzu kommen Strom- und Gasnetze, die dem Konzern langfristig stabile und planbare Einnahmen sichern. Über das Gasnetz profitiert Nextera sogar von der fossilen Energiepolitik unter US-Präsident Donald Trump.
Die Trump-Regierung hatte im vergangenen Jahr Offshore-Windprojekte gestoppt – ein Schlag, der etwa den dänischen Konzern Ørsted hart traf. Nextera hingegen hatte kein Kapital in solche Projekte investiert und bleibt von diesem politischen Gegenwind weitgehend verschont.
Allerdings ist die Nextera-Aktie seit Jahresbeginn bereits um 16 Prozent gestiegen, während der S&P 500 im gleichen Zeitraum kaum vom Fleck kam. Für Einsteiger empfiehlt es sich daher, zunächst abzuwarten und mögliche Kursrücksetzer gezielt zu nutzen. In den kommenden Wochen dürfte sich zeigen, wie nachhaltig der Irankonflikt den Energiemarkt beeinflusst – eine länger anhaltende Krise könnte Nextera weiteren Auftrieb geben.
