NESR und Aramco starten erstes Lithiumprojekt in Saudi-Arabien
NESR Environmental and Decarbonisation Applications und Aramco vereinbaren Demonstrationsprojekt zur Lithiumgewinnung mit Produktionsstart Ende 2027.

Der Öldienstleister National Energy Services Reunited (NESR) hat eine Vereinbarung mit der staatlichen saudischen Ölgesellschaft Aramco geschlossen. Wie das Unternehmen mitteilte, soll sein Geschäftsbereich NESR Environmental and Decarbonisation Applications (NEDA) ein Demonstrationsprojekt zur Lithiumgewinnung in Saudi-Arabien durchführen. Es handelt sich um das erste Lithiumprojekt in Saudi-Arabien.
Das Projekt zielt darauf ab, 2 000 Tonnen Lithiumcarbonat in Batteriestandard pro Jahr zu produzieren. Die Inbetriebnahme und die Aufnahme der Produktion sind für Ende 2027 geplant. Der Vertragswert kann sich über bis zu fünf Jahre auf etwa $200 Millionen US-Dollar belaufen.
Die Vereinbarung verbindet Aramcos Expertise im Bereich tiefer Untergrundvorkommen mit dem integrierten Portfolio an Vorbehandlungs-, Direktlithiumextraktions- und Karbonisierungstechnologien von NEDA. Dieses Portfolio ist unter der LiThara-Plattform von NESR gebündelt. Damit rückt ein Öldienstleister in ein Marktsegment vor, das bislang vor allem von spezialisierten Lithiumunternehmen besetzt wird.
Die Details
Im Zentrum der Vereinbarung steht die Kombination zweier Kompetenzen. Aramco bringt sein Wissen über tiefe Untergrundvorkommen ein, NEDA steuert die Prozesstechnik bei. Die modularen Lösungen der LiThara-Plattform sind darauf ausgelegt, Sole als Einsatzstoff aufzubereiten und Lithium in einem einzigen, integrierten Prozess zu extrahieren. Dieser Aufbau soll eine schnelle und skalierbare Implementierung ermöglichen.
Nach Angaben von NESR bietet der Ansatz wettbewerbsfähige Betriebskosten. Zugleich soll sichergestellt werden, dass die Produktion von Lithiumcarbonat in Batteriestandard der schnell wachsenden Nachfrage im Rahmen des globalen Energiewandels gerecht wird. Das Projekt stützt sich zudem auf die Erfahrung von NESR im Bereich Untergrund- und Feldoperationen in verschiedenen Regionen des Königreichs Saudi-Arabien.
Die wirtschaftlichen Eckdaten fallen für ein Projekt dieser Art überschaubar aus, sind aber langfristig angelegt. Der Vertragswert kann bis zu fünf Jahre lang etwa $200 Millionen US-Dollar betragen. Die angestrebte Jahresproduktion von 2 000 Tonnen Lithiumcarbonat in Batteriestandard liegt deutlich unter den Kapazitäten großer kommerzieller Anlagen. Es handelt sich ausdrücklich um ein Demonstrationsprojekt, nicht um eine Großproduktion.
Bemerkenswert ist der Zeitplan. Zwischen der Unterzeichnung der Vereinbarung und der geplanten Produktionsaufnahme liegt nur ein überschaubarer Zeitraum. NESR begründet dies mit dem modularen Aufbau der LiThara-Lösungen, die eine schnelle und skalierbare Implementierung erlauben sollen. Ob dieser Zeitplan hält, wird sich erst mit der Inbetriebnahme zeigen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 21.05.2026 berichtete aktien.news, dass Smackover Lithium, die Partnerschaft zwischen Standard Lithium Ltd. und Equinor, einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur endgültigen Investitionsentscheidung erreicht hat. Das Unternehmen gab eine EPCM-Vereinbarung (Engineering, Beschaffung und Baumanagement) mit Wood Group USA, Inc. bekannt. Der Vertrag konzentrierte sich auf den Upstream-Bohrlochfeld-Teil des South West Arkansas Projekts, kurz SWA-Projekt.
Am 26.05.2026 folgte der nächste Schritt: Smackover Lithium vergab einen Engineering-, Beschaffungs-, Bau- und Inbetriebnahme-Vertrag (EPCC) an S&B Engineers and Constructors für die zentrale Verarbeitungsanlage des SWA-Projekts. Als Subunternehmer sollte Hatch Ltd. tätig sein. Auch dieser Bericht ordnete den Vorgang als Meilenstein auf dem Weg zur finalen Investitionsentscheidung ein.
Am 10.07.2026 meldete aktien.news, dass LibertyStream Infrastructure Partners eine endgültige Abnahmevereinbarung für Lithiumcarbonat mit einem US-Industriekunden unterzeichnet hat. Im Mittelpunkt stand das Projekt Freedom 1 mit einer Kapazität von 1.000 Tonnen Lithiumcarbonat pro Jahr, das am Standort von Select Water Solutions in Howard County entwickelt wird. Ab 2027 sollte die Produktion planmäßig anlaufen.
Am 23.09.2026 berichtete aktien.news über EMP Metals Corporation aus Vancouver, die ihre Demonstrationsanlage Project Aurora in der kanadischen Provinz Saskatchewan erfolgreich in Betrieb genommen hat. Die Anlage arbeitet als vollständig integrierte Lithium-Raffinerie im Dauerbetrieb und ist darauf ausgelegt, täglich zehn Kubikmeter Rohsole bis hin zu Lithiumchemikalien zu verarbeiten. EMP Metals setzt dabei auf die Direct-Lithium-Extraction-Technologie und verfügt über mehr als 83.000 Hektar untertägige Fläche.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Vorgang vor allem als Strategiewechsel interessant. NESR ist bislang als Öldienstleister bekannt und erweitert sein Geschäftsfeld nun um die Lithiumgewinnung. Der Auftrag von Aramco ist dabei kein kommerzieller Großauftrag, sondern ein Demonstrationsprojekt mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren und einem möglichen Vertragswert von etwa $200 Millionen US-Dollar.
Die Technologie der Direktlithiumextraktion steht branchenweit im Fokus. Die Archivberichte zeigen, dass mehrere Unternehmen parallel an entsprechenden Verfahren arbeiten – von Smackover Lithium in Arkansas über LibertyStream bis hin zu EMP Metals in Saskatchewan. NESR tritt in diesem Umfeld nicht als Rohstoffproduzent, sondern als Dienstleister mit integrierter Prozesstechnik auf.
Zu beachten ist der Projektcharakter. Die angestrebte Produktionsmenge von 2 000 Tonnen Lithiumcarbonat in Batteriestandard pro Jahr ist ein Demonstrationsvolumen. Ob daraus Folgeaufträge entstehen, hängt vom Verlauf der Inbetriebnahme ab. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Die nächsten konkreten Termine stehen im Quelltext: Die Inbetriebnahme und die Aufnahme der Produktion sind für Ende 2027 geplant. Die Vereinbarung mit Aramco kann sich über bis zu fünf Jahre erstrecken. Sollte das Demonstrationsprojekt erfolgreich verlaufen, wäre dies die Grundlage für eine mögliche Skalierung der LiThara-Plattform in Saudi-Arabien.
Kurz erklärt
- Direktlithiumextraktion (DLE): Verfahren zur direkten Gewinnung von Lithium aus Salzlösungen.
- Sole: salzhaltige Wasserlösung aus dem Untergrund, die als Einsatzstoff für die Lithiumgewinnung dient.
- Lithiumcarbonat in Batteriestandard: aufbereitete Lithiumverbindung, die für die Herstellung von Batterien geeignet ist.
- Demonstrationsprojekt: Anlage im kleineren Maßstab, mit der ein Verfahren unter realen Bedingungen erprobt wird.
