Nebius kontert Neocloud-Zweifel: Preise für KI-Rechenleistung steigen weiter
Nebius-Manager Marc Boroditsky verweist auf fehlende Schulden und steigende Preise pro Megawatt, während CoreWeave die Neocloud-Branche verunsichert.

Nebius verzeichnet einen stärkeren Anstieg der Preise für KI-Rechenleistung als erwartet. Das erklärte ein hochrangiger Manager des Unternehmens am Mittwoch gegenüber CNBC. Die optimistische Einschätzung fällt in eine Phase, in der das Geschäftsmodell der sogenannten Neocloud-Anbieter zunehmend unter die Lupe genommen wird. Investoren sind deutlich vorsichtiger geworden.
Auslöser der Skepsis ist vor allem die Entwicklung beim Wettbewerber CoreWeave, einem der größten Akteure im Neocloud-Sektor. Dort bewegte sich die Spanne bei den Fünf-Jahres-Credit-Default-Swaps auf Niveaus, die allgemein als Anzeichen einer finanziellen Notlage (Distress) gewertet werden. Auch die Renditen der CoreWeave-Anleihen stiegen an. Diese Entwicklungen und die offenen Fragen zur Höhe der aufgenommenen Schulden für den Ausbau der Rechenzentren lasteten schwer auf anderen Neoclouds wie Iren und Nebius.
Die Aktienkurse von Iren und Nebius sind im vergangenen Monat stark eingebrochen. Vor diesem Hintergrund versucht Nebius-CRO Marc Boroditsky, die Unterschiede zu CoreWeave herauszustellen. Sein Unternehmen befinde sich nicht in der Position von CoreWeave, weil „wir nicht die Art von Schulden tragen, die sie haben“, sagte er gegenüber CNBC.
Die Details
Nebius gehört zu einer neuen Welle von Neocloud-Unternehmen, die Milliardensummen investieren, um Grafikprozessoren (GPUs) von Nvidia aufzukaufen, Rechenzentren zu bauen und diese Kapazitäten anschließend zu vermieten. Boroditsky zufolge würde das KI-Infrastrukturunternehmen (Ticker NBIS) seine Kapazitäten für 2027 vollständig auslasten, wenn es sie online bringt. Eine „dieselbe Dynamik“ könnte es auch für 2028 geben, so der Manager weiter. Das stütze eine positive langfristige Nachfrageprognose, da Unternehmen im Wettlauf um den Zugang zu Rechenleistung liegen.
Auf die Frage, ob der Preis pro Megawatt weiterhin über den Erwartungen steigen werde, antwortete Boroditsky knapp: „Ja.“ Nebius habe am Dienstag eine Auktion für Rechenkapazität durchgeführt, die weitere Preisansteige gezeigt habe. „Wir sehen eine kontinuierliche Aufwärtsbewegung beim Preis pro Megawatt“, sagte er. Der Preis pro Megawatt ist ein wichtiger Indikator für junge Cloud-Unternehmen und zeigt, wie viel ein Anbieter Kunden für eine bestimmte Menge an Rechenkapazität berechnen kann.
Auch Chase Lochmiller, CEO von Crusoe, zeigte sich preiserhöhend optimistisch. Crusoe ist ein von Nvidia unterstütztes KI-Unternehmen, das Rechenzentren baut. Lochmiller sagte, sein Unternehmen verzeichne steigende Preise für GPUs – einschließlich älterer Nvidia-Chips. Seine Kommentare deuten darauf hin, dass zumindest für Crusoe ältere Generationen von Nvidia-Chips höhere Mietpreise erzielen als bei ihrer ersten Einführung. Das könnte die Wirtschaftlichkeit des KI-Cloud-Geschäfts potenziell stärken.
Die Debatte über den Wert älterer Chips ist zentral: Investoren diskutieren derzeit darüber, wie schnell die wirtschaftliche Wertigkeit von Nvidia-GPUs nachlässt, während leistungsfähigere Chips auf den Markt kommen. Die Fähigkeit, ältere Chips weiterhin zu attraktiven Preisen zu vermieten, ist für KI-Infrastrukturunternehmen entscheidend, die ihre Investitionen amortisieren und Gewinne erwirtschaften müssen, während sie Milliarden für GPUs ausgeben.
Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Sektor durch Meldungen aus dem Umfeld von SpaceX. Die Aktie von Nebius stieg am Mittwoch, nachdem SpaceX gemeldet hatte, dass die Einnahmen seines KI-Geschäfts um das Neunfache auf $7.56 billion gestiegen waren. SpaceX-CFO Bret Johnsen sagte, die Preise „entwickeln sich derzeit leicht oberhalb des oberen Endes des Bereichs von $30 bis $50 pro Watt“. Das unterstreicht die Preismacht für jene Anbieter, die Rechenkapazitäten vermieten. Die Cloud-Anbieter CoreWeave, Iren und Applied Digital stiegen ebenfalls im Vorhandel am Mittwoch nach den Kommentaren von Johnsen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 28.09.2026 berichtete aktien.news, dass Nebius die Preise für KI-Rechenleistung um bis zu 21 Prozent erhöht. Konkret stiegen zum 1. Oktober die On-Demand-Preise für eine Nvidia-B300-Grafikverarbeitungseinheit (GPU) von $7.85 pro Stunde auf $9.50 pro Stunde. Bemerkenswert war der Schritt, weil das Unternehmen gleichzeitig massiv in neue Kapazitäten investiert: Für das Jahr wurden Ausgaben für Sachanlagen (Capital Expenditures) von $20 billion bis $25 billion erwartet, bei einer prognostizierten Umsatzerwartung von $3 billion bis $3.4 billion.
Am 06.06.2026 schrieb aktien.news, dass die Nebius-Aktie nach nur fünf Monaten rund 175 Prozent zugelegt hatte und der Neocloud-Anbieter weiteres Potenzial habe. Schon am 25.04.2026 hatte aktien.news berichtet, die Wall Street werde bei Neoclouds bullish, warnte aber zugleich vor enormen Risiken. Diese Firmen bauten eine speziell auf künstliche Intelligenz ausgerichtete Infrastruktur auf und gälten als riskante Speerspitze der KI-Investitionen – Analysten stuften die Aktien als nichts für schwache Nerven ein.
Am 01.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Nebius-Aktie im vorbörslichen Handel um 10 Prozent einbrach. Auslöser war ein Bloomberg-Bericht, wonach Meta Platforms den Aufbau eines eigenen Cloud-Computing-Geschäfts plante, um überschüssige KI-Rechenkapazitäten an externe Kunden zu verkaufen. Laut Bloomberg entwickelte Meta konkrete Pläne für eine Cloud-Infrastruktur, die Entwicklern Zugang zu KI-Rechenleistung sowie zu verschiedenen KI-Modellen ermöglichen sollte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt der Fall Nebius, wie stark die Neocloud-Branche zwischen Wachstumshoffnung und Finanzierungsrisiko schwankt. Die Aktie (NBIS) war zuletzt stark volatil: Auf ein Kursplus von rund 175 Prozent in fünf Monaten (Stand 06.06.2026) folgte ein Kurseinbruch von 10 Prozent Anfang Juli und ein weiterer starker Rückgang im vergangenen Monat. Die Preisentwicklung pro Megawatt ist damit ein zentraler Frühindikator für die Ertragskraft der Anbieter.
Gleichzeitig bleiben Risiken bestehen. Die Diskussion um CoreWeave zeigt, wie sensibel der Markt auf Schuldenstände und Kreditrisiken reagiert. Wer in Neoclouds investiert, sollte sowohl die Nachfrageseite – etwa die Auslastung neuer Kapazitäten – als auch die Kapitalstruktur der Unternehmen im Blick behalten. Nebius selbst betont, nicht die Schuldenlast von CoreWeave zu tragen.
Ausblick
Nebius erwartet nach eigenen Angaben, dass seine Kapazitäten für 2027 vollständig ausgelastet sein werden, sobald sie online sind. Eine ähnliche Dynamik könnte laut Boroditsky auch 2028 eintreten. Zudem rechnet das Management mit einer weiteren Aufwärtsbewegung beim Preis pro Megawatt. Crusoe meldet bereits steigende GPU-Preise, und SpaceX-CFO Johnsen verortet die Preise leicht oberhalb des Bereichs von $30 bis $50 pro Watt. Die Neocloud-Aktien CoreWeave, Iren und Applied Digital legten im vorbörslichen Handel am Mittwoch zu.
Kurz erklärt
- Neocloud: Unternehmen, die ihre Recheninfrastruktur gezielt für KI-Workloads ausrichten und Kapazitäten an Kunden vermieten.
- Credit Default Swap: Ein Kreditausfallversicherungskontrakt, dessen Spanne das Marktrisiko eines Zahlungsausfalls widerspiegelt.
- Preis pro Megawatt: Kennzahl dafür, welche Erlöse ein Anbieter mit einer bestimmten Menge an Rechenkapazität erzielt.
