Nahost-Eskalation bedroht saudische Wirtschaft und globale Energieversorgung
Die Blockade der Straße von Hormus lässt den Öldurchsatz einbrechen und treibt die Brent-Prognose auf 92,50 Dollar.

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben eine kritische Schwelle erreicht. Seit der faktischen Blockade der Straße von Hormus am 28. Februar ist der Durchsatz von Rohöl und Erdölprodukten von 20 Millionen auf unter 2 Millionen Barrel pro Tag eingebrochen. Analysten von BofA Global Research warnen nun vor einem strukturellen Versorgungsdefizit von 4 Millionen Barrel pro Tag für das zweite Quartal 2026 und haben ihre Brent-Prognose auf 92,50 US-Dollar angehoben.
Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Energieadern der Welt. Durch sie fließt normalerweise ein erheblicher Teil des global gehandelten Rohöls – vor allem aus den Golfstaaten in Richtung Asien und Europa. Ein derart massiver Einbruch des Durchsatzes hat weitreichende Folgen für Verbraucher und Industrie weltweit.
Saudische Wirtschaft unter Druck
Die Auswirkungen auf Saudi-Arabien sind besonders gravierend. Der Nicht-Öl-Privatsektor verzeichnete im März erstmals seit August 2020 einen Rückgang. Der Riyad Bank Saudi Arabia PMI – ein wichtiger Frühindikator für die Wirtschaftsaktivität – fiel von 56,1 auf 48,8 Punkte. Ein Wert unter 50 signalisiert eine Kontraktion und markiert damit das Ende einer langen Wachstumsphase.
Naif Al-Ghaith, Chefökonom der Riyad Bank, führt diesen Einbruch auf gestörte Lieferketten und eine abwartende Haltung der Kunden zurück. Besonders der Exportsektor leidet unter der Blockade, die grenzüberschreitende Aktivitäten teilweise zum Stillstand gebracht hat. Das Vertrauen der Unternehmen ist auf den niedrigsten Stand seit Juni 2020 gesunken. Dies gefährdet die fiskalischen Diversifizierungsziele des Königreichs bis 2026, die im Rahmen von Vision 2030 angestrebt werden.
Internationale Lage spitzt sich zu
Auf internationaler Ebene verschärft sich die Situation weiter. Israel trifft Berichten zufolge Vorbereitungen für Angriffe auf iranische Energieanlagen und wartet auf ein Signal aus den USA. US-Präsident Donald Trump hat zudem ein 48-stündiges Ultimatum gestellt, was die Unsicherheit an den Märkten zusätzlich erhöht.
Die US-Regierung greift darüber hinaus zunehmend in die Informationshoheit ein. Anbieter wie Planet Labs wurden angewiesen, Satellitenbilder aus dem Konfliktgebiet zu zensieren, um eine militärische Nutzung durch Dritte zu verhindern. Diese regulatorischen Eingriffe schüren bei Investoren Sorgen vor einer globalen Stagflation und extremer Marktvolatilität.
Asiatische Staaten sichern Versorgung
Angesichts der drohenden Versorgungsengpässe versuchen asiatische Staaten, ihre Energieversorgung proaktiv zu sichern. Südkorea hat sich bei den GCC-Staaten – dem Kooperationsrat der Arabischen Golfstaaten – den Status als „Top-Priorität" für Öl- und LNG-Importe gesichert. Dieser Schritt verdeutlicht, wie ernst die Lage von den Importnationen eingeschätzt wird.
Trotz der aktuellen Eintrübung bleibt der langfristige Ausblick für Saudi-Arabien verhalten optimistisch. Unternehmen setzen weiterhin auf staatliche Infrastrukturprojekte und öffentliche Ausgaben als stabilisierende Faktoren. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die wirtschaftlichen Folgen der geopolitischen Krise abzufedern, bleibt angesichts der anhaltenden Spannungen jedoch fraglich.
