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Milliarden-Abflüsse aus Südkorea trotz Rekord-Rally am Kospi

Ausländische Investoren verkaufen südkoreanische Aktien massiv – obwohl der Kospi zu den stärksten Märkten weltweit zählt.

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Milliarden-Abflüsse aus Südkorea trotz Rekord-Rally am Kospi

Ausländische Investoren haben in diesem Jahr südkoreanische Aktien im Wert von Milliarden US-Dollar abgestoßen – und das trotz einer beeindruckenden Rekord-Rally am Kospi. Allein am vergangenen Montag veräußerten ausländische Anleger bis 11:00 Uhr Singapur-Zeit netto Aktien im Wert von 1,24 Billionen Won (rund 801 Millionen US-Dollar) aus dem Kospi, wie Daten der Korea Exchange zeigen. Der Kospi lag zur Eröffnung mehr als 8 Prozent im Minus.

Dabei hat sich der südkoreanische Leitindex seit Jahresbeginn als einer der stärksten Aktienmärkte weltweit erwiesen. Viele Investoren und Strategen sehen die Ursache der Verkäufe jedoch nicht in sich verschlechternden Fundamentaldaten, sondern paradoxerweise im Erfolg des Marktes selbst.

Indexgewichtungen zwingen Fondsmanager zum Handeln

Da koreanische Aktien stark gestiegen sind, haben sich ihre Gewichtungen in globalen Benchmarks und Schwellenländer-Indizes deutlich erhöht. Dies zwingt viele aktive Fondsmanager dazu, Positionen abzubauen, um Portfolio- und Risikolimits einzuhalten – so erklärten es Investoren gegenüber dem US-Finanzsender CNBC. Der Verkaufsdruck ist dabei kein neues Phänomen: Goldman Sachs schätzte, dass die Nettoabflüsse ausländischer Anleger aus dem Kospi bis Ende Mai bereits rund 62 Milliarden US-Dollar erreichten.

Nick Wilcox, Managing Director für diskretionäre Aktien bei der Man Group, bestätigte diese Einschätzung. Er betonte, dass Koreas rasanter Aufstieg in den Schwellenländer-Indizes strukturellen Druck für internationale Investoren erzeugt habe. Zudem stoßen einige Investoren an regulatorische Grenzen, wie viel sie an einzelnen Unternehmen halten dürfen – nachdem die größten koreanischen Aktien stark zugelegt haben.

Das Analysehaus Nomura zieht dabei einen Vergleich mit Indien: Dort habe in den vergangenen Jahren eine sprunghaft ansteigende Beteiligung inländischer Privatanleger zunehmend ausländische Investoren verdrängt – ein ähnliches Muster zeichne sich nun in Südkorea ab.

Inländische Käufer gleichen Abflüsse mehr als aus

Die Verkäufe aus dem Ausland wurden jedoch durch eine Welle inländischer Käufe mehr als ausgeglichen. Südkoreanische Privatanleger treten damit als wichtige Stütze des Marktes auf und verhindern einen stärkeren Kursrückgang.

Gleichzeitig wächst die Besorgnis über eine zunehmende Risikokonzentration: Die Rally am koreanischen Aktienmarkt ist in hohem Maße von zwei Unternehmen abhängig – Samsung Electronics und SK Hynix. Diese Konzentration auf wenige Titel gilt als potenzielle Schwachstelle des Aufschwungs.

Trotz aller Abverkäufe bleiben Marktexperten optimistisch für den koreanischen Aktienmarkt. Goldman Sachs hob das 12-Monats-Kursziel für den Kospi auf 12.000 Punkte an und prognostizierte in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung ein weiteres Aufwärtspotenzial von 37 Prozent. Die Fundamentaldaten koreanischer Aktien seien nach Einschätzung von Marktexperten nach wie vor robust – die strukturellen Verkäufe ausländischer Investoren spiegeln demnach eher technische und regulatorische Zwänge wider als eine fundamentale Neubewertung des Marktes.

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