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Mercedes-Benz: China-Krise verdeckt echte Trendwende im Kerngeschäft

Ohne China wäre der Absatz von Mercedes-Benz im ersten Quartal 2026 um fünf Prozent gestiegen – doch das Reich der Mitte bleibt das große Problem.

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Mercedes-Benz: China-Krise verdeckt echte Trendwende im Kerngeschäft

Die Quartalszahlen von Mercedes-Benz für das erste Quartal 2026 fallen auf den ersten Blick ernüchternd aus. Weltweit verkaufte die Sparte Mercedes-Benz Cars lediglich 419.400 Pkws – ein Rückgang von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Hauptschuldige ist klar: China.

Im wichtigsten Automobilmarkt der Welt brach der Absatz um satte 27 Prozent ein. Das ist besonders schmerzhaft, weil der Markt bereits im Jahr 2025 um 19 Prozent eingebrochen war. Der Negativtrend setzt sich damit ungebremst fort.

Ohne China sieht die Welt ganz anders aus

Eine einzige Zahl verdeutlicht das Ausmaß des China-Problems: Rechnet man das Geschäft im Reich der Mitte heraus, hätte Mercedes-Benz weltweit ein Absatzplus von fünf Prozent erzielt. Das zeigt, dass das Kerngeschäft außerhalb Chinas durchaus funktioniert – die Schwäche ist geografisch konzentriert.

In Europa legte der Absatz um sieben Prozent zu, in Deutschland sogar um neun Prozent. Besonders stark wuchsen batterieelektrische Fahrzeuge mit einem Plus von 34 Prozent. Mercedes führt dieses Wachstum ausdrücklich auf den neuen vollelektrischen CLA zurück.

In den USA lief es trotz der belastenden Zölle ebenfalls gut: Dort verkaufte Mercedes im ersten Quartal 20 Prozent mehr Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum. Für die kommenden Jahre plant der Konzern Investitionen von mehr als sieben Milliarden US-Dollar in den amerikanischen Markt.

Das China-Dilemma: Zu langsam beim Elektroantrieb

Das strukturelle Problem in China liegt auf der Hand. Mittlerweile sind über 50 Prozent der in China verkauften Fahrzeuge sogenannte New Energy Vehicles – also Elektroautos, Plug-in-Hybride, Range Extender und ähnliche Antriebsarten. Für genau diese Markthälfte hat Mercedes bislang kein relevantes Modell im Angebot.

Der elektrische CLA ist zwar auf dem chinesischen Markt angelaufen, gilt dort aber als zu klein und ist eher als Nischenfahrzeug positioniert. Der Anlauf soll bislang wenig überzeugend verlaufen sein. Besonders drastisch zeigt sich die Schwäche in der Transportersparte Vans: Dort verkaufte Mercedes im ersten Quartal nur noch 600 Fahrzeuge in China – ein Einbruch von 86 Prozent. Der elektrische Van VLE wurde zwar bereits vorgestellt, kommt in China aber erst Ende 2026 auf den Markt.

Konzernchef Ola Källenius hatte die ursprüngliche „Electric-only-Strategie" begraben, nachdem der Hochlauf der Elektromobilität nicht schnell genug voranschritt. Angesichts der aktuellen Zahlen aus China stellt sich die Frage, ob diese Entscheidung zu voreilig war.

Modelloffensive soll ab 2027 greifen

Mercedes hat nun eine in der Unternehmensgeschichte wohl beispiellose Produktoffensive gestartet. Das Update der S-Klasse befindet sich auf dem Weg zum Kunden, der elektrische CLA ist bereits erhältlich. Alle neuen Fahrzeuge erhalten das hauseigene Betriebssystem MB.OS, das die Grundlage für automatisiertes und assistiertes Fahren bildet und die Integration lokaler Partner ermöglicht.

Auf der Automesse „Auto China" Ende April in Peking will Mercedes den elektrischen GLC vorstellen – in einer für den chinesischen Markt verlängerten Version mit sechs Sitzen. Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 soll dieses Modell Mercedes erstmals ernsthaft in der Elektro-Hälfte des chinesischen Marktes positionieren.

Das Management selbst gibt sich jedoch zurückhaltend optimistisch: Offiziell rechnet Mercedes damit, dass sich die Lage ab 2027 spürbar verbessert – wenn die neuen Modelle mehrheitlich beim Kunden angekommen sind. Mittelfristig strebt Mercedes-Benz Cars einen Absatz von rund zwei Millionen Fahrzeugen an, nach zuletzt 1,8 Millionen. Die globale Produktionskapazität wird bis 2028 vorsorglich auf rund 2,2 Millionen Einheiten angepasst – ein Signal, dass große Sprünge vorerst nicht erwartet werden.

USA-Strategie: Lokale Produktion als Zoll-Trumpf

Um die Belastung durch US-Importzölle zu reduzieren, plant Mercedes, die nächste Generation des Mittelklasse-SUV GLC künftig in den USA zu fertigen. Derzeit wird das Modell im Werk Bremen produziert und ist das meistverkaufte Mercedes-Modell in den USA. Konzernchef Källenius will die geplante Produktionsverlagerung offenbar als Verhandlungsmasse in Zollgesprächen einsetzen. Ein konkretes Datum für den Wechsel steht noch nicht fest.

Mercedes ist seit der Eröffnung seines ersten US-Werkes im Jahr 1997 tief in der amerikanischen Wirtschaft verwurzelt. Im Werk Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama beschäftigt der Konzern rund 5.800 Menschen und hat dort insgesamt etwa fünf Millionen Fahrzeuge produziert. Rund 60 Prozent der dort gefertigten Autos werden exportiert.

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