LVMH: Mode- und Lederwarensparte bricht im dritten Quartal ein
Nachlassende Nachfrage in China und ein Logistikproblem bei Louis Vuitton belasten den Luxuskonzern LVMH spürbar.

Der Luxusgüterkonzern LVMH hat im dritten Quartal 2025 einen deutlichen Rückschlag in seiner wichtigsten Sparte erlitten. Der Umsatz im Bereich Mode und Lederwaren sank um 5 Prozent – stärker als von Analysten erwartet, die lediglich einen Rückgang von 1,8 Prozent prognostiziert hatten. Damit enttäuschte der Eigentümer von Louis Vuitton und Dior die Märkte in einer ohnehin angespannten Berichtssaison für die gesamte Luxusindustrie.
Besonders schmerzhaft ist der Rückgang, weil er auf ein positives Vorquartal folgt. Im zweiten Quartal hatte LVMH erstmals seit zwei Jahren wieder Wachstum in seiner Vorzeigesparte verzeichnet – die Hoffnung auf eine nachhaltige Trendwende hat sich nun zerschlagen. Der Konzernumsatz insgesamt stieg im dritten Quartal auf organischer Basis um lediglich 1 Prozent auf 18,5 Milliarden Euro, während Analysten mit einem Plus von 1,3 Prozent gerechnet hatten.
China bleibt das zentrale Problem
Als Hauptursache für die schwachen Zahlen nennt LVMH die nachlassende Nachfrage in China. Finanzvorständin Cécile Cabanis erklärte: „Was wir in diesem Quartal an makroökonomischen Nachrichten und Veränderungen der Rahmenbedingungen für chinesische Konsumenten gesehen haben, verzögert die Erholung ein wenig, aber es gibt nichts Strukturelles oder Spezifisches, das die Erholung beeinträchtigen würde. Es wird einfach etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen." Der Konzernumsatz in Asien ohne Japan sank im Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent.
Die Schwäche in China ist dabei kein isoliertes LVMH-Problem. Probleme auf dem chinesischen Immobilienmarkt belasten die Kaufkraft der Konsumenten, und geopolitische Unsicherheiten sowie Inflationsdruck setzen sogenannten „aspirativen" Luxuskäufern weltweit zu. Die Hoffnungen auf ein Ende des fast vierjährigen Abschwungs in der Branche sind in den vergangenen Monaten deutlich verblasst.
Louis Vuitton unter Druck – auch durch Molly-Tea-Affäre
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Entwicklung bei Louis Vuitton, der größten Marke im LVMH-Portfolio. Das Label erlitt in China einen zusätzlichen Rückschlag, nachdem es die populäre Teemarke Molly Tea wegen Markenrechtsverletzung verklagt hatte. Louis Vuitton wurde daraufhin öffentlich kritisiert, weil es Eigentumsrechte an einem vierblättrigen Blumendesign beanspruchte, das traditionellen chinesischen Motiven ähnelt.
James Grzinic von Jefferies kommentierte: „Der Vorfall mit Molly Tea scheint einen ziemlich extremen Einfluss auf die Trends bei Vuitton in China gehabt zu haben. Die Reaktion von Vuitton auf die Krise scheint darin bestanden zu haben, sich aus marketingtechnischer Sicht zurückzuhalten." Hinzu kam laut Cabanis ein einmaliges Logistikproblem, das das Wachstum von Louis Vuitton im Quartal um etwa einen Prozentpunkt gemindert habe.
Positiver verlief das Quartal hingegen für Dior, LVMHs zweitgrößte Marke. Das Unternehmen profitierte laut eigenen Angaben von einer „besonders starken" Nachfrage nach den Ready-to-wear-Mode- und Lederwarenlinien des neuen Designers Jonathan Anderson. Cabanis bestätigte, dass der Umsatz von Dior im bisherigen Jahresverlauf positiv verlaufen sei.
USA als Stütze – aber erste Risse erkennbar
Während China schwächelt, haben die USA in diesem Jahr als Gegengewicht gedient. Das Umsatzwachstum in den Vereinigten Staaten verlangsamte sich jedoch leicht von 6 Prozent im zweiten Quartal auf 5 Prozent im dritten Quartal. Besorgniserregend sind zudem Kreditkartendaten der Citibank, die zeigen, dass die Luxusausgaben in den USA in jedem der letzten drei Monate um mindestens 4 Prozent gesunken sind – ein Signal, dass auch der amerikanische Markt ins Wanken geraten könnte.
Lichtblicke im LVMH-Portfolio lieferten andere Sparten: Der Umsatz im Bereich Uhren und Schmuck stieg im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent, ebenso wie der Umsatz im Wein- und Spirituosengeschäft Moët Hennessy. Auch der selektive Einzelhandel, angeführt vom Beauty-Händler Sephora, trug zum Gesamtwachstum bei.
Marktwert hat sich seit 2023 mehr als halbiert
Die anhaltenden Schwierigkeiten spiegeln sich im Aktienkurs wider: LVMH-Aktien sind in diesem Jahr um fast 40 Prozent gefallen. Der Marktwert des vom Clan des Vorstandsvorsitzenden Bernard Arnault kontrollierten Konzerns liegt derzeit bei rund 190 Milliarden Euro – mehr als halbiert gegenüber dem Höchststand aus dem Jahr 2023. Investoren stellen zunehmend die Frage, wo die Luxusindustrie künftig Wachstum finden kann.
Die Ergebnisse von LVMH gelten als Auftakt für eine voraussichtlich schwierige Berichtssaison der gesamten Branche. Selbst Premiummarken wie Hermès stehen unter Beobachtung, da die strukturellen Herausforderungen – von geopolitischen Spannungen über Immobilienkrisen bis hin zu verändertem Konsumverhalten – die gesamte Luxusgüterindustrie erfassen.
