Lululemon-Gründer Wilson zweifelt an neuer CEO-Wahl
Chip Wilson kritisiert die Ernennung von Heidi O'Neill und kämpft weiter für einen Umbau des Boards bei Lululemon Athletica.

Chip Wilson, der Gründer von Lululemon Athletica, hat öffentlich Zweifel an der Wahl der neuen Unternehmenschefin geäußert. Der Sportbekleidungshersteller hatte die ehemalige Nike-Managerin Heidi O'Neill zur neuen CEO ernannt – ein Schritt, den Wilson kritisch bewertet. Wilson ist seit Monaten eine der lautesten Stimmen, die eine grundlegende Erneuerung des Unternehmens fordern.
Wilson hatte Lululemon in der Vergangenheit bereits scharf dafür kritisiert, seinen sogenannten „Coolness-Faktor" verloren zu haben. Der Gründer sieht die Marke als veraltet an und drängt auf strukturelle Veränderungen, um die Attraktivität des Unternehmens wiederherzustellen. Für ihn ist die Besetzung der Führungsebene dabei nur ein Teil eines größeren Problems.
Proxy Battle um Board-Sitze
Zu Beginn des Jahres leitete Wilson einen sogenannten Proxy Battle ein – einen Stellvertreterkrieg, bei dem Aktionäre versuchen, über Stimmrechte Einfluss auf die Zusammensetzung des Vorstands zu nehmen. Konkret strebt Wilson die Installation von drei neuen Direktoren im Board von Lululemon an. Solche Auseinandersetzungen sind im angloamerikanischen Raum ein gängiges Mittel aktivistischer Aktionäre, um Unternehmen zu strategischen Kursänderungen zu zwingen.
Wilson hat dabei unmissverständlich klargemacht, dass er jeden neuen CEO als zum Scheitern verurteilt betrachtet, solange keine grundlegende Umgestaltung des Boards erfolgt. Diese Haltung unterstreicht, dass es ihm nicht allein um die Person an der Unternehmensspitze geht, sondern um die gesamte Führungsstruktur von Lululemon. Der Konflikt zwischen dem Gründer und dem aktuellen Board spitzt sich damit weiter zu.
Lululemon Athletica ist vor allem für seine dehnbaren Yogahosen bekannt und hat sich in den vergangenen Jahren als Premium-Sportbekleidungsmarke etabliert. Das Unternehmen war lange Zeit ein Wachstumsstar in der Branche, sieht sich zuletzt jedoch mit zunehmendem Wettbewerb und strategischen Herausforderungen konfrontiert. Wilson, der das Unternehmen gegründet hatte, beobachtet diese Entwicklung offenbar mit wachsender Sorge.
Hintergrund: Aktivismus bei Sportbekleidungsmarken
Aktionärsaktivismus wie der von Wilson ist in der Modebranche kein Einzelfall. Gründer, die nach ihrem Ausscheiden aus dem operativen Geschäft weiterhin bedeutende Anteile halten, nutzen ihre Stimmrechte häufig, um strategischen Einfluss zu behalten oder zurückzugewinnen. Der Ausgang des Stimmrechtsstreits bei Lululemon dürfte maßgeblich davon abhängen, wie viele institutionelle und private Aktionäre sich Wilsons Position anschließen.
Für Anleger bleibt die Situation bei Lululemon damit weiterhin unübersichtlich. Die Frage, ob die neue CEO Heidi O'Neill das Vertrauen des Gründers und der Aktionärsbasis gewinnen kann, wird die Entwicklung der Aktie in den kommenden Monaten beeinflussen. Der Konflikt zwischen Wilson und dem Board ist noch nicht beigelegt.
