Lufthansa vor DAX-Rückkehr: Streiks gefährden Wiederaufnahme im März
Gewerkschaftsstreiks bringen Fast-Entry ins Wanken – nur 60 Millionen Euro Puffer zur Aufnahme

Die Rückkehr der Lufthansa in den DAX 40 steht auf der Kippe. Jüngste Gewerkschaftsstreiks haben die Aktie der Fluggesellschaft deutlich belastet und gefährden nun die geplante Wiederaufnahme in den deutschen Leitindex. Dies geht aus einer aktuellen Analyse der Deutschen Bank hervor.
Die vierteljährliche DAX-Überprüfung am 4. März könnte zu Änderungen in der Index-Zusammensetzung führen, die am 23. März wirksam werden. Die Lufthansa hatte den DAX während der Corona-Krise 2020 nach über 30 Jahren verlassen müssen. Noch vor wenigen Tagen schien eine Rückkehr über die Fast-Entry-Regel wahrscheinlich – doch der jüngste Kursrutsch hat die Situation dramatisch verändert.
Hauchdünner Vorsprung beim Fast Entry
Nach den Fast-Entry-Bestimmungen können Unternehmen ab Rang 33 der Auswahlliste in den DAX aufsteigen und das schwächste Mitglied ersetzen. Die Deutsche Bank schätzt, dass die Lufthansa aktuell genau diesen 33. Platz belegt. Der Puffer zur Berechtigung beträgt jedoch nur 60 Millionen Euro Streubesitz-Marktkapitalisierung – gerade einmal 0,7 Prozent.
"Angesichts des geringen Puffers hängt die Aufnahme der Lufthansa in den DAX nun am seidenen Faden", warnen die Analysten Carolin Raab, Maximilian Uleer und Francesca Mazzali. Die kommenden Tage seien für Anleger entscheidend, um die Aktienbewegungen zu beobachten.
Zalando als Wackelkandidat
Zalando nimmt derzeit die schwächste Position unter den DAX-Mitgliedern ein und müsste bei einem Lufthansa-Einstieg den Index verlassen. Auch Scout24 und die Porsche Holding befinden sich in der Gefahrenzone und könnten verdrängt werden, falls sie vor der Überprüfung schlechter abschneiden als Zalando.
Die regulären Aufstiegsregeln stellen einen deutlich schwierigeren Pfad dar. Diese erlauben einen DAX-Beitritt nur, wenn ein bestehendes Mitglied unter Platz 47 fällt. Aktuell rangiert kein Mitglied so niedrig. Zalando hält einen Puffer von etwa 200 Millionen Euro – rund 4 Prozent – zum 48. Rang.
Milliarden-Umschichtungen bei ETFs erwartet
Die endgültige Rangliste wird durch die Streubesitz-Marktkapitalisierung zum Stichtag 27. Februar bestimmt, basierend auf dem volumengewichteten 20-Tage-Durchschnittskurs. Die Deutsche Bank schätzt das Gesamtvolumen der DAX-ETFs auf etwa 25,5 Milliarden Euro.
Bei einer prognostizierten Indexgewichtung von 0,5 Prozent würde die Lufthansa Zuflüsse von rund 130 Millionen Euro aus DAX-ETFs generieren. Gleichzeitig müssten MDAX-ETFs Lufthansa-Aktien im Wert von etwa 270 Millionen Euro verkaufen, da die Fluggesellschaft dort aktuell eine Gewichtung von 5,6 Prozent bei einem Gesamtvolumen von 4,8 Milliarden Euro hält.
Das Handelsvolumen der Lufthansa-Aktien könnte während der Schlussauktion am 20. März auf das 10- bis 12-fache des Tagesdurchschnitts steigen. Bei Zalando würden die Abflüsse aus DAX-ETFs etwa 70 Millionen Euro erreichen, während die Zuflüsse in MDAX-ETFs 150 Millionen Euro betragen würden.
Positive Branchenaussichten trotz Unsicherheit
Die Sektorverteilung im DAX würde durch einen Wechsel nur minimal beeinflusst, da beide Unternehmen dem Sektor der zyklischen Konsumgüter angehören. Die potenzielle Aufnahme deckt sich mit der Heraufstufung des Sektors Reisen und Freizeit durch die Deutsche Bank auf "Overweight" Mitte Januar.
Die Analysten erwarten für 2026 erheblichen Rückenwind durch robuste weltweite Reisenachfrage, insbesondere in Europa. Steigende Flugpreise und moderate Konsens-Gewinnerwartungen von 8 Prozent Wachstum böten Raum für positive Überraschungen.
